Live-Reviews

Party San Open Air

11.08.2005 bis 13.08.2005, Bad Berka

Unglaublich! Zuletzt war ich 2003 beim Party San und über die hervorragende Resonanz erstaunt. 2004 soll es ja nochmals ein gutes Stück voller gewesen sein, die Menschenmenge die sich dieses Jahr allerdings über das tolle Gelände schraubte war gigantisch! In weiser Vorahnung reisten wir also bereits Mittwoch nachmittags an, um bereits 2000 campende, friedlich feiernde Metal Heads beim Zeltaufbau zu bestaunen. Bereits wenige Stunden später waren alle Wiesen belegt und der nahe gelegene Stoppelacker musste als Campingfläche für ein paar tausend weitere Metal Heads herhalten, Gott sei dank blieb es von einigen kleinen Schauern abgesehen relativ trocken.
Wer dieses Jahr ohne Karte angereist war, sah bereits am Donnerstag in die Röhre… Ausverkauft! Ich schätze, dass etwa 8000 - 10.000 Leute da gewesen sein müssen, darunter leider auch einiges Nazigesindel, die trotz höchst lobenswerter »Filteranlage« am Einlass unbehelligt auf dem Gelände ihre Lieder sangen, abspielten und ihre Nazileibchen zur Schau trugen, dazu später mehr.
Zu dem Rahmen des Festivals lässt sich nur die Note 1 verteilen. Die Crew arbeitete Hand in Hand, alle waren freundlich, super zuvorkommend, der Sound war alle Tage über differenziert und druckvoll, Catering und Bier hervorragend sowie günstig. Der Zeitplan und die Spielreihenfolge der Bands wurden exzellent eingehalten, so dass sich die Fans voll auf das am Eingang verteilte Infoheftchen nebst Zeit- und Spielplan halten konnten, so was hat man selten, siehe das leider zum Gegenteil verkommene Fuck The Commerce. Die FTC Macher waren übrigens selbstredend ebenfalls zugegen, allerdings muss es diesen wohl eher einen Stoss ins Herz verpasst haben mit ansehen zu müssen, dass in Bad Berka locker fünf Mal so viele Leute zum Teil die gleichen Bands anschauen wie in Luckau ... Aua ... Kurze Rede, langer Sinn - Das Party San Team nebst aller Beteiligten gehört fürstlich gewürdigt und geehrt, wann erlebt man solche Festivals, bei denen einfach alles stimmt, ja sogar die Klos wie versprochen regelmäßig geleert werden??! Nun ja, es wird Zeit, dass ich zu den Bands überleite.

Donnerstag, 11.08.2005

Traditionsgemäß startet der Donnerstag ja erst gegen Abend im Zelt, welches bereits bei Recapture aus allen Nähten platzte und der deutschen Death Metal Formation sicherlich einige freudige Schweißperlen bereitete. Wann hat man mal die Chance vor so einer großen, vollen Hütte aufzuspielen?! Recapture nutzen ihre Chance jedenfalls recht gut, auch wenn die verdammt gut grunzende Frontdame noch etwas an ihrem Bewegungsradius arbeiten sollte. Insgesamt war der Auftritt jedenfalls wahrlich schmackhaft, was man von den nachfolgenden Secrets Of The Moon nicht in Gänze behaupten kann. Zunächst ballerte einem die deutlich erhöhte Lautstärke buchstäblich das Fell von den Ohren, zum anderen hatte aber der sehr pathetisch, episch angelegte Avantgarde Black Metal auch so seine Längen. Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen, dennoch beide Stimmungs-Daumen nach oben für die engagiert aufstrebende Truppe, die immer wieder überraschend fette Böllerparts einflocht und summa summarum einen sehr positiven Eindruck hinterließ.
Was danach folgte hatte absoluten Kultcharakter. Darkened Nocturn Slaughtercult, mir bislang leider unbekannt geblieben, kamen in stilechter Kriegsbemalung auf die Bühne, um nach einem schauerlichen Intro nebst Blutspuckerei ein flammendes Old School Black Metal Gewitter nordischer Prägung zu entfachen, das rabiater und brutaler kaum hätte sein können. Die Frontfrau der Truppe war zweifellos der optische Mittelpunkt der Show: Mit langen Haaren bis zu den Knien, Blut- und Farbebeschmiert und durch »böse« Kontaktlinsen blinzelnd kreischte die kleine Dame derart markerschütternd und brutal, dass mir Gänsehaut um Gänsehaut den Rücken herunter ging ... Wahnsinn.
Die als Headliner aufspielenden Obscenity zählen ja bekanntlich seit Jahren zur creme de la creme der Brutal Death Metal Szene und brauchen sich seit Jahren weder vor der Konkurrenz aus Florida oder sonst irgendeinem anderen verdammten Fleck der Erde verstecken. Technisch blitzsauber und auf den Punkt brachten es die Deutschen tatsächlich fertig, die ohnehin brodelnde Meute gänzlich zum Kochen zu bringen, so dass der Auftritt, etwa verglichen mit dem kürzlichen Gig beim FTC, als legendär und brilliant bewertet werden muss. Weltklasse Death Metal! Starker erster Tag!

Freitag, 12.08.2005

Freitag Mittag böllerten die holländischen Schwarzheimer von Cirith Gorgor dann erstmals von der Hauptbühne auf dem stattlichen, mit Händlern und tausenden Fans übersähten Platz los, ließen mich aber leider sehr kalt, was auch an der frühen Stunde gelegen haben mag. Die nachfolgenden deutschen At The Gates, besser bekannt unter dem Banner Soul Demise, konnten da schon bedeutend mehr Land gewinnen und überzeugten mich weitaus mehr als mit dem von mir nur mit befriedigend eingestuften neuen Album »Blind«. Bei gutem Sound und agiler Performance konnten die Süddeutschen jedenfalls jede Menge Leute für sich gewinnen und können einen erfolgreichen, gut mitgefeierten Gig auf der Habenseite verbuchen.
Für die kurzfristig abgesprungenen Kaamos kamen als dritte Band des Tages glücklicherweise die Technik Frickel Freaks von Necrophagist ins Party San Boot. Wer auf eine Mischung aus Morbid Angel, Cephalic Carnage und Nile steht kommt an den Jungs einfach nur schwerlich vorbei. Was die zwei Gitarristen da auf ihren Äxten abgewixt haben geht jedenfalls auf keine Kuh-Haut. Ein dermaßen geiles technisches Death Metal Gewitter hab ich in letzter Zeit jedenfalls nur selten gesehen ... Der große Vorteil bei Necrophagist ist vor allem, dass die Jungs bei aller offensichtlichen Musikalität den Abgehfaktor nie vergessen und auch einfach nur mal brutal auf die Tube drücken, was die Songs erheblich aufwertet und Freude macht. Geile Band!
Die Death-Thrasher von Occult habe ich leider nur aus dem Augenwinkel mitverfolgen können: Mittlerweile hatte sich das Festivalgelände derart gut gefüllt, dass die halbe Metal Welt zum munteren Begrüßungsplausch, insofern Donnerstag Abend nicht bereits geschehen, die Bierhumpen hebend den Platz belebten, so dass einige Wiedersehen gebührend gefeiert werden mussten, meine Güte ... Die nachfolgenden schwedischen Impious allerdings zogen dann wiederum weit mehr Blicke auf die Bühne, auf der soeben eine unglaublich fette Death Thrash Wand zusammengezimmert wurde, die zu zahlreichen Shirtkäufen im Nachhinein führte. In der Schnittmenge aus langsameren Defleshed plus Slayer meets alte Schwedentodschule knallten die Schweden ihre Riffs in die blutjunge Abendsonne und ernteten dafür einen mehr als euphorischen Gesamtapplaus, der auf viele weitere Veröffentlichungen dieser Ausnahmecombo hoffen lässt.
Die ungarischen Avantgarde Metaller Sear Bliss mit ihrem Rundumschlag in die Black, Death, Pagan und Viking Metal Kiste verursachte nicht nur bei mir einen eher zwiespältigen Eindruck. Einerseits vermögen es die Ungarn weitaus druckvoller als auf ihren Scheiben rüberzukommen, andererseits ist das nur gelegentlich zum Einsatz kommende Blasinstrument (Für ne Trompete zu groß, weiß der Geier wie so ein Teil heisst ...) offensichtlich nur der marketingstrategische Aufhänger, um die die Truppe vom Rest der Masse - wie ich finde eher schlecht als recht - abzugrenzen. Wenn schon so viele Samples vom Band kommen, hätte man die live gespielte Tröte auch ruhig vom Band kommen lassen können, na ja, war aber mal was ganz anderes und letztlich spielerisch ganz gut.
Die schwedischen Satansburschen von Lord Belial kamen im Anschluss weitaus brutaler rüber und bliesen der Masse eine dicke Black Death Metal Wand entgegen, die solide dargeboten überzeugte, aber sicherlich kein wirkliches Highlight darstellte. Erfreulicherweise zeigten sich die sonst so satanischen Bösewichte backstage aber dann von ihrer überaus herzlichen und freundlichen Seite, was einmal mehr die berechtigte Frage nach dem Zusammenhang von satanischem Image und menschlicher Wirklichkeit aufwarf. Egal, verdammt sympathische Burschen!
Nach langer Zeit kam ich nun endlich wieder einmal in den Genuss, den brasilianischen Krisiun huldigen zu dürfen. Obgleich die Überschall Deather noch immer im kaum noch spielbaren Grenzbereich agieren, meinte mein Kumpel Candy tatsächlich, die seien irgendwie langsamer geworden?!? Ich denke, ob nun mit 210 oder mit 200 über die Landstraße: Schneller geht's kaum. Im Gegensatz zu manch anderer Technik Frickeltod Combo haben es die Brasilianer in all den Jahren allerdings vollbracht, sich einen derart markant eigenen Stil zuzulegen, dass wirklich jeder Song als Krisiun Song erkannt werden kann, was die austickende Meute vor der riesigen, tollen Bühne in fröhliche Rage versetzte. Erste fette Moshpits, intelligente Ansagen und 100 % Publikumsnähe haben den Auftritt von Krisiun jedenfalls zu einem wahren Triumphzug gemacht, geil!
Nach Brasilien geht's nun abermals nach Schweden: Necrophobic sind nach monatelanger Abstinenz zurück und zelebrierten eine herausragende, brutale Old School Satanic Death Metal Show vom Feinsten, obgleich der technische Stand der zuvor gesehenen Krisiun natürlich keineswegs gehalten werden konnte. Dafür haben sich die vier Herren einige Kilometer den Weg abgerannt und gepost wie die Hölle (allen voran Gitarren-Fleischberg Johan), was tausenden von Anwesenden ein fettes Grinsen und gute Laune bescherte - und nur das zählt ja letztendlich. Drummer Joakim, dienstältester Necrophobic Genosse, verrat mir im anschließenden Gespräch, dass man bereits im Herbst/Winter eine neue Scheibe einhobeln möchte, die unter Vorbehalt gesagt, möglicherweise via Regain Records das Licht der Welt erblicken könnte, was die Vinylfreaks sicherlich beruhigen wird, veröffentlichen Regain doch nicht nur CDs, sondern alle Releases ebenso auf Vinyl, Gott (Satan?) sei Dank.
Nachdem ich Suffocation bereits drei Monate zuvor auf dem FTC bewundern konnte, überraschten mich die Amis nicht mehr wirklich. Immer noch erstklassiger, wegweisender und kultiger US Death Metal der ersten Stunde, keine Frage, wirkliche Highlights waren aber beim FTC wesentlich zahlreicher gesäht als beim Party San, schade. Dann endlich: Headlinerzeit.
Nachdem allen Bands, was ich wirklich gut finde, 45 Minuten für ihren Gig eingeräumt werden und inklusive Umbau immer zu jeder vollen Stunde eine neue Band auf der Bühne steht, gewährte man Amon Amarth dann doch noch einige Zeit länger, um den stetig wachsenden Hit Fundus der schwedischen Death Metal Wikinger auch ausreichend würdigen zu können. In den letzten Jahren haben sich Amon Amarth vom Geheimtipp zu den wirklich ganz Großen im Metal Zirkus emporgearbeitet und sind schon lange nicht mehr aus der Szene wegzudenken, was Amon Amarth mit deutlicher Fannähe, unglaublicher Agilität und guter Laune zu honorieren wussten. Ich habe Amon Amarth nun schon einige Male live gesehen, was mich allerdings immer noch trotz ausverkaufter Touren und unglaublichen Verkaufszahlen wundert, ist dass die Jungs beim Timing immer noch ganz häufig mal neben dem Takt liegen und gewaltige Schwankungen haben bzw. wirkliche Spielfehler produzieren. Das ein oder andere seltene Gitarrensolo konnte man durchaus auch als völlig vermurkst beurteilen, was man vielleicht zum Teil auch auf den unverständlicherweise etwas schlechter gewordenen Sound schieben kann. Den Fans war das jedenfalls reichlich egal und trotz der ein oder anderen Schwäche gingen Amon Amarth als die heute am meisten gefeierten Helden vom Schlachtfeld. Unbedingt das neue »Fate Of Norns« Album zulegen!

Samstag, 13.08.2005

Der Samstag startete mit der Festivalüberraschung überhaupt. Die deutschen Final Breath, auf Konserve (noch) nicht unbedingt zu meinen Faves zählend, hatten als Opener bereits einen derart starken Zug, dass mir echt die Spucke wegblieb. Energischer, spielfreudiger und sympathischer kann eine Band einfach nicht mehr auftreten! Spasskugel Eumel, seineszeichens Sänger der Thrashbarden, hüpfte wie ein elektrisierter Flummi über die Bühne, machte einen Jux nach dem anderen und versprühte bei aller musikalischen Härte derart viel Spielfreude, dass eine wahrlich große Bangerzahl gut mitging und Final Breath löblich abfeierten. Für mich definitiv eine der Livebands des Jahres!
Die nachfolgenden Schweizer von Disparaged hatten danach einen schweren Stand. Zum einen konnte mich der identitätslose Death Metal mit Slayer Tendenz beim FTC schon nicht überzeugen, zum anderen herrschte Null Bewegung auf der Bühne sowie ein schwächer gewordener Sound. Alles in allem wenig witzig und ein Schuss in den Ofen.
Bei Omnium Gatherum brach die Publikumsresonanz dann nahezu gänzlich zusammen, was gewiss nicht an der agilen Performance der sympathischen Finnen gelegen haben mag. Stilistisch schlagen die Finnen eine geile Göteborg Death Metal Kante mit saugeilen Melodien und beleben ihren Sound durch Thrasheinsprengsel sowie allerhand experimenteller Parts, was mir insgesamt sehr gut gefallen hat, vom Publikum aber nahezu gänzlich ignoriert wurde. Schade für eine Ausnahmeband, vor einem auf Ballerei fixierten Publikum derart aufzulaufen. Sicherlich hatte der ein oder andere Song so seine Längen und man merkt, dass die Band noch recht jung ist, ich finde allerdings, dass die Burschen derart geile Ansätze haben, dass da in den nächsten Jahren eine dicke Perle heranwachsen könnte. Weiter so!
Danach dann Kult pur! Endlich bekam ich die heiligen Dead mal zu Gesicht, die in Sachen Gore/Grind einfach eine der Referenzen überhaupt sind und als Mitbegründer und Wegweiser des Genres gehandelt werden. Die drei Herren hatten einen ultrafetten Sound, brutzelten mörderisch groovende und blutspuckende Ballerkost raus, die sich gewaschen hatte. Man bot einen galanten Überblick über alle Schaffensphasen, war allerdings bei den Ansagen manchmal etwas unsicher, was auch an der überwältigenden Resonanz vor der Bühne gelegen haben mag. Dead sind jedenfalls alles andere als dead sondern quietschlebendig, gefährlich und noch für so einige Überraschungen gut, was die zu Schau gestellten brandneuen Titel versprachen. Bliebe zu erwähnen, dass Kollege Basser als Linkshänder einen Rechtshänderbass spielte, diesen einfach umdrehte, aber nicht mal die Seiten von oben nach unten umwechselte, sondern einfach spiegelverkehrt sein Griffbrett beackerte. Sah komisch aus, habe ich aber noch nie gesehen und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie man so spielen kann, hammergeil!
Danach hieß es Pandabären-Alarm vor und auf der Bühne. Die belgischen Enthroned knetterten austauschbaren Black Metal raus, der lediglich den Genre-Hardlinern gut reinlief, bei mir aber nach ein paar Songs die Flucht auslöste. Der Panda am Micro machte auf dicke Hose, kommt dabei mit seinen 1,50 Metern aber nicht gerade überzeugend böse rüber, na ja. Publikum war dennoch reichlich zugegen, welches allerdings sehr hüftlahm und böse den gar elitären Klängen fröhnte. Ein weiteres gehäuftes Zurschaustellen rechtsradikaler Black Metal Shirts im Publikum ging mir etwas an die Nieren. Was ist aus dem Metal geworden? Was ist aus der Black Metal Szene geworden? Warum tolerieren wir das? Warum lassen wir uns die Laune durch solche Leute verderben und ein Stück unserer Musik klauen? Warum habt ihr eigentlich nix gegen Enthroned? Die sind doch aus Belgien und nicht aus Deutschland!? Aaach so, sind auch Europäer wird dann argumentiert, na klar! Bliebe allerdings noch ganz deutlich klar zu machen, dass sich mein Vorwurf ausschließlich auf kleine Teile des Publikums bezieht und keineswegs mit Enthroned in Verbindung gebracht werden soll. Der Veranstalter hatte zwar eine Liste mit unerwünschten Bandleibchen ausgehangen, wenn aber einige der Shirts dann wiederum auf dem Platz gekauft werden können beisst sich die Katze in den Schwanz. Mir ist klar, dass man ein Festival mit derart gigantischen Ausmaßen diesbezüglich wohl nie in Gänze »zensieren« kann. Immerhin blieb alles ruhig und friedlich und ich wüsste von keiner einzigen Gewaltaktion.
Als sechste Band des Tages enterten die italienischen Graveworm die Bühne und hinterließen bei Tausenden offene Münder ... Meine Güte, warum habe ich diese Band bisher noch nie gesehen oder mir auf Konserve reingezogen?! Was hier auf der Bühne abgehottet wurde, wie geil hier mit dem Publikum umgegangen wurde, welche Spannungsbögen hier erzeugt wurden, einfach grandios! Graveworm, noch immer mit hübscher Keyboarderin im Gepäck, machten wahrlich alles richtig, donnerten erstklassigen Death/Black/Gothic/Heavy Metal raus, gaben richtig fett Gas auf den Brettern, schwitzten wie die Schweine und posten wie die Hölle. So und nicht anders hat eine Metal Show auszusehen! In allen Belangen überwältigend und mitreißend! Vor allem die Iron Maiden Coverversion von »Fear Of The Dark«.
Danach folgten Moonsorrow, deren letzten Scheiben an das Vermächtnis von Bathorys »Hammerheart«, »Blood On Ice« und »Twilight Of The Gods« anknüpfen und in allen Magazinen mit Höchstnoten überschüttet wurden. Demzufolge waren die Erwartungen an die Finnen natürlich unglaublich hoch, wurden aber aus meiner Sicht keineswegs erfüllt, da die deutlichsten Schwachpunkte ganz klar am Gesang lagen, der einfach falsch und schief tönte, wie das in der Pagan und Viking Metal Kiste leider häufiger vorkommt. Keine Frage, Moonsorrow sind einzigartig und als quasi Vermächtnis Bathorys unglaublich wertvoll, an der musikalischen Bühnenumsetzung sollte dennoch dringendst gefeilt werden, hat mir nicht gefallen.
Ui ui ui, Black Metal time again. Vor der Bühne roch es nicht gerade nach 4711 sondern eher verbranntem Menschenfleisch. Alles andere als 08/15 ballerten die Nordmänner von 1349 gnadenlos schnellen und brutalen Black Metal heraus, der für offene Münder sorgte. Selbst meine Pandaallergie konnte überwunden werden, so dass ich beide Daumen nach oben hebe für eine engagierte, zornige und mitreißende Black Metal Show der Extraklasse. Note 1111 für 1349!
Wenn es heute ganz streng genommen drei Gewinner gab, so hießen die einen Gewinner sicherlich Final Breath und Graveworm. Die Goldmedaille können sich allerdings Napalm Death umhängen, die es tatsächlich fertig brachten, so etwas wie vertraute Clubatmosphäre auf die Party San Bühne zu zaubern. Barney am Gesang war mit ganzem Herzen dabei, peitschte Mitch Harris an der Gitarre und Shane Embury am Bass zu wahren Höchstleistungen an und ließ sich von Dany an den Drums einen gigantischen Grindteppich hinzaubern. Dass Jesse Pintado nicht mehr mit an Board ist fiel zwar auf und zeigte Napalm Death etwas limitiert, alles in allem kommen die vier damit aber ihren Grindcore Roots wieder ein gutes Stück näher. Dass 45 Minuten zu kurz sind, um alle Highlights der langen Bandkarriere abzudecken ist eigentlich klar. Dennoch boten die Engländer einen guten Querschnitt aller Alben, so dass der Moshpit gar gigantische Ausmaße annahm und die Crowdsurfer ordentlich am Schwimmen waren, klasse. Glücklicherweise spielte der Vierer die Dead Kennedys Coverversion »Nazi Punks Fuck Off« und war sich für eine Ansage gegen Rechts nicht zu schade, so dass angesichts der flüchtenden Nationalstolzen der Song wohl der wichtigste und mutigste des gesamten Festivals war. Tausende Fans brüllten euphorisch zurück und feierten diese Ansage gegen Rechts, so dass nicht nur mir wieder ein ganzes Stück wohler ums Herz wurde,
Die sympathischen Schweden von Entombed konnten dieses Stimmungshoch nicht ganz halten. Der Backstage gewonnene Eindruck, dass die Schweden sich mächtig einen reingetankt haben, bestätigte sich auf der Bühne durch untightes Zusammenspiel und Spielfehler, die sich zunehmend häuften. Sänger Uffe versuchte zwar sein Bestes, um die Stimmung mit alten Klassikern und neueren Songs zum Kochen zu bringen, erfolgreich war diese Mission schmerzlicherweise leider nicht.
Dann wieder Headliner-Zeit. Arroganz hat einen neuen Namen: Cannibal Corpse. Die Amis gaben sich derart überheblich, dass mir recht schnell klar wurde, dass die bewegungslahmen Jungs eigentlich keinen Bock auf den Gig gehabt zu haben schienen. Corpsegrinder am Micro schraubte seine Rübe zwar gelegentlich alibimäßig im Kreis, alles in allem blieb er aber statisch und seine dicke Wampe im Zaum haltend ruhig. Nach jedem Song das gleiche Spiel: Keine fließenden Übergänge sondern immer wieder eine Spielpause um Zeit zu schinden. Arsch zum Publikum, Blick auf die Setlist, Schluck Wasser, pathetische selbstherrliche Ansage, Song durchgeballert, selbes Spiel von vorne. Sicherlich: Die Amis sind eine der Brutal Death Metal Institutionen überhaupt und sind in Deutschland durch die Zensur auch mehr als handicapped genug, da man die Songs der ersten Alben nicht spielen darf, allerdings haben Cannibal Corpse noch genug andere Perlen im Programm, die man einfach engagierter und spielfreudiger rüberbringen kann und muss. Ich bin wegen Cannibal Corpse zum Party San gefahren und habe mir nicht mal deren Show zu Ende angesehen! Bittere Vorstellung einer zum Kotzen überheblichen Band mit Weltklasse Death Metal Hymnen ...
Mit einem Ohr schlafend sollen in der Nacht noch die Excrementory Grindfuckers im Zelt gespielt haben, da mir allerdings vier Tage Festival ohne eine einzige verpasste Band ordentlich zugesetzt hatten, hab ich mir die Fungrinder nicht mehr reingezogen, so dass wir uns bei sanftem Nieselregen Sonntag morgen mit einem Lächeln im Gesicht aus Bad Berka verabschiedeten und bis nächstes Jahr ein lautes »Auf Wiedersehen« brüllten!

Dirk

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Interviews:

Interview: Graveworm, 12.02.2001 Telefoninterview

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Live-Reviews:

26.10.2002: 1. Remission-Records-Festival (Neukirchen, Sägewerk)
08.02.2002: Napalm Death, Soul Demise, Hug Baby (Pressenwerk, Bad Salzungen)
16.08.2007 bis 18.08.2007: Summer Breeze 2007 (Dinkelsbühl)
03.08.2006 bis 05.08.2006: 17. Wacken Open Air (Wacken)
13.05.2005 bis 15.05.2005: Rockhard Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
05.08.2004 bis 07.08.2004: 15. Wacken Open Air (Wacken)
21.08.2003 bis 23.08.2003: Summer Breeze 2003 (Abtsgmünd)
04.07.2003 bis 06.07.2003: With Full Force X (Roitzschjora, Flugplatz)
15.04.2003: Wacken Warm-Up Party (Kassel, Musiktheater)
22.08.2002 bis 24.08.2002: Summer Breeze 2002 (Abtsgmünd)
29.03.2003: 2. Remission-Records-Festival (Neukirchen, Sägewerk)
15.09.2001: Art Of Darkness Festival (Waldhütte Scherfede)
18.08.2005 bis 20.08.2005: Summer Breeze 2005 (Abtsgmünd)
09.05.2008 bis 11.05.2008: Rock Hard Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
04.08.2007 bis 06.08.2007: 18. Wacken Open Air (Wacken)
26.08.2005 bis 27.08.2005: Up From The Ground (Gemünden, Mainwiesen)
08.08.2003 bis 09.08.2003: Fun & Crust V (Höchstenbach)
02.08.2001 bis 04.08.2001: Wacken Open Air 2001 (Wacken)
09.04.2004: No Mercy Festival (Münster, Live Arena)


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