Live-Reviews

3. Himmel Open Air

31.07.2004, Schauenburg/Hoof, Himmelwiese

Endlich! Am letzten Wochenende war es wieder soweit, das 3. HiOA öffnete seine Pforten. Bereits zu früher Mittagsstunde konnte man zahlreiche Zelte auf den Himmelwiesen erkennen und mein vorab gehegter Eindruck sollte sich bestätigen: In diesem Jahr hatten weitaus mehr MetallerInnen den Weg nach Schauenburg zum HiOA-Gelände gefunden, als noch in den beiden Jahren zuvor und ich war mir von Anfang an sicher, dass dieses Festival ein gutes werden sollte! Zunächst eine kleine Hiobsbotschaft: Die erste, für kurz nach zwölf Uhr vorgesehene Band fiel leider aus, wodurch sich der musikalische Beginn des Festivals ein wenig verzögerte, was allerdings nicht sonderlich ins Gewicht fiel. Insgesamt tat dieser Ausfall der angenehmen Atmosphäre auf dem HiOA-Gelände sowie dem gesamten Drum Herum jedoch keinen Abbruch, wie einige gut gelaunte MetallerInnen bewiesen, die mir schon vor dem Eingang zum Gelände in feucht-fröhlicher Stimmung taumelnd und biersaufend entgegenkamen, wiederum andere schliefen ihren Rausch vom Freitag im Zelt oder irgendwo in der Botanik aus, da sie nach den ersten sechs Bands, die zur Einstimmung des Festivals schon am Freitag gespielt hatten und dementsprechend nach einer langen bis in die Nacht hinein andauernden Metal-Disco-Fete noch ziemlich verkatert waren. Verständlich: Da hilft nur 'ne kräftige Mütze Schlaf, um wieder rechtzeitig auf die Beine zu kommen!

Die Idee, mit Uncut Despite gleich zur Mittagszeit in knalliger Sonnenhitze eine ganz extreme Band das Festival eröffnen zu lassen, erwies sich an diesem Samstag als goldrichtig! Der Grind-Deathfünfer aus dem Raum Kassel gab alles und präsentierte sich von Beginn an extrem spielfreudig. Man spürte es förmlich, dass die Jungs ihren Auftritt genossen und jede Menge Spaß daran hatten. Stücke wie »Kill My Evil« oder »Der Schmetterling« kamen gut beim HiOA-Publikum an, das sich bereits zu früher Mittagsstunde überraschend zahlreich vor der Bühne eingefunden hatte, um diesem lockeren Auftaktgig beizuwohnen und dementsprechend auch nicht enttäuscht wurde. Uncut Despite erwiesen sich als das erhoffte Aufweck-Kommando vom Dienst. Allein die bizarre Mischung aus Grind-Death aufgelockert mit überraschenden Stilwechseln bestehend aus Black, Doom, traditionellem Heavy Metal, Prog und Thrash macht diesen Fünfer immer wieder interessant. Aufgrund ihrer Spielfreude und des hohen Abwechslungsreichtums erntete die Band verdientermaßen Applaus und eine gehörige Portion Respekt seitens des Publikums.

Hexenhammer
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Nach einer kurzen knapp viertelstündigen Umbaupause ging's mit der Paderborner Formation Hexenhammer weiter, deren Old-Shool-Deathmetal (trotz einer kleinen Regendusche welche die Luft zwischenzeitlich angenehmerweise ein wenig abkühlte, ehe die Sonne wieder zum Vorschein kam) ebenfalls einen Teil des HiOA-Publikums ansprach, wobei sie vor der Bühne von einer Hand voll eigens mitgereister Fans frenetisch unterstützt wurde. Die Resonanzen fielen ein wenig schwächer jedoch ansonsten recht ähnlich aus wie bei Uncut Despite, allerdings mit einem kleinen aber feinen Unterschied: Uncut Despite waren vielseitiger und aus meiner Sicht schon allein durch ihr hohes Maß an Abwechslung die wesentlich interessantere Combo. Hexenhammer legten sich ebenfalls mächtig ins Zeug, waren spieltechnisch durchaus okay und lieferten wenn auch keinen berauschenden, allerdings unter'm Strich einen soliden Gig. So sah es wohl auch das HiOA-Publikum, das den Auftritt der Band erst zur Mitte und gegen Ende des Sets mit wohlwollendem Applaus quittierte.

Abaddon
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Das, was Abaddon danach ablieferten, übertraf selbst meine Erwartungen, obwohl sich gerade an dieser Combo die Geschmäcker des HiOA-Publikums extrem stark schieden. Keine Ahnung woran es lag, doch spätestens jetzt ging allmählich im Publikum etwas ab, die ersten HeadbangerInnen fanden sich direkt vor der Bühne ein und genossen den Auftritt der Gruppe sichtlich, was von der in bester Laune befindlichen Gruppe in sympathischer Weise quittiert wurde. In der Mitte des Sets griff der häufig breit grinsende Sänger der siebenköpfigen Formation plötzlich zur Wasserflasche und verabreichte dem in stechender Hitze vor der Bühne tanzenden, grölenden, und wild abfeiernden Fanpulk die nötige (und innerlich ersehnte) Wasserdusche.
Die Gitarrenfraktion groovte schon vom ersten Takt an ausgezeichnet und die gute Laune der Band übertrug sich sofort auf die ausgelassen abfeiernden Fans. Stücke wie »Der Teufel« kamen gut an, vor allem die Maskerade des Sängers bei genanntem Stück bot ein wenig entertainmentmäßige Unterhaltung was zuweilen durchaus recht witzig war. Frontsängerin Diana verfügte über eine wunderschöne Stimme, die stellenweise ein wenig an Tarja von Nightwish erinnerte und mit Nebular Moon-Shouter Darius betätigte überraschend ein alter Bekannter vom letztjährigen HiOA das Keyboard.
sMit ihrem irgendwo in der Schnittmenge zwischen Nightwish, Therion und Cradle Of Filth angesiedelten Stil scheint die Gruppe irgendwie den Nerv der Zeit getroffen zu haben, wobei sich die Band aus dem Rheinland körperlich und konditionell in ausgezeichneter Verfassung präsentierte, vor allem das Gitarristentrio legte in knallender Hitze ein sensationelles Stageacting an den Tag, bangte im Takt und poste, das es eine Augenweide war! Kein Wunder, dass die ziemlich intensiv, äußerst rhythmisch und spielfreudig agierende Band zu früher Nachmittagsstunde bei den Metalfans vor der Bühne so gut ankam. Häufige Rhythmus- und Tempowechsel, sowie der wechselhaft zweistimmige Gesang, zwischen hohem Frauen- und tiefem Männergesang mit starkem Black/Darkmetal-Touch verliehen der Musik von Abbaddon immer wieder das besondere Etwas, - der Pulk hatte sichtlich Freude am Auftritt der Band.
Zum Ende des Sets verlangte das Publikum berechtigterweise lautstark eine Zugabe, doch leider blieb es der Band verwehrt, eine zu bringen, da auch Abaddon wie alle anderen an das vorgegebene Zeitlimit gebunden waren, da in diesem Fall die Gemeinde das letzte Wort hat. Schade! Alles in allem: Klasse Auftritt, klasse Band! Sogar der Verfasser dieser Zeilen vergaß einige Minuten seine Pflicht und bangte eifrig mit, was das Zeug hielt!

Contradiction
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Die nachfolgenden Thrasher Contradiction hatten es anschließend unheimlich schwer, die Stimmung vor der Bühne aufrecht zu erhalten, was ihnen allerdings nicht gelang, doch immerhin überzeugte das Quartett mit guten spieltechnischen Fähigkeiten und ließ den ein oder anderen staunenenden Blick beim weiter hinten platzierten HiOA-Publikum zurück. Obwohl sich die Wuppertaler Band fast sprichwörtlich den Arsch abspielte und dem Publikum ein kraftvolles Old-Shool-Thrashinferno bot, wollte der Funke am frühen Nachmittag irgendwie doch nicht so richtig auf das Publikum überspringen, keine Ahnung woran das lag, möglicherweise am alles andere als Headbanger-kompatiblen Outfit? Sorry, aber mit langen Haaren wirkt das ganze zumindest schon vom rein optischen Standpunkt wesentlich stilechter. Ihrem technischen Können nach betrachtet, war die Band durchaus okay und an der Motivation lag es garantiert auch nicht, zumindest bekam der Vierer aufgrund seines guten technischen Potenzials zumindest zeitweise verdienten Höflichkeitsapplaus.

Lacrima Christi
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Nach einer weiteren Pause folgte mit Lacrima Christi die große Enttäuschung des dritten HiOA. Zwischen dem grandiosen Auftritt des Vorjahres und dem Auftritt Anno 2004 lagen im wahrsten Sinne des Wortes Welten! Schien die Band etwa all ihre Tugenden vergessen oder über Bord geworfen zu haben oder lag's am Wetter? (Eigene Anmerkung: an letzterem lag's wohl sicher nicht ...) Vor der Bühne bot sich ein erschreckend trauriges Bild, das sich mir bei einem Lacrima-Gig so bislang eigentlich noch nie offenbart hat. Der Grund hierfür ist in erster Linie im erst seit jüngerer Zeit auch für mich unverständlicherweise zu stark veränderten Stil der Band zu finden. Gerade mal ein halbes Dutzend Nasen hatte sich zum Gig der Kasseler Lokalmatadoren vor der Bühne eingefunden. So leid es mir auch tut, dies schreiben zu müssen - die zu häufig eingebauten Experimente haben dem Stil der Band zu sehr geschadet, was auf Dauer ganz schön abturnt! Jazz, Prog, Death, Goth, Rock, Metal, Dark usw., wer soll da eigentlich noch durchblicken? Fehlt nur noch ein Kontrabass ...
Handwerklich gesehen, haben alle vier Musiker der Band eine Menge drauf, keine Frage, doch irgendwie fehlte an diesem Spätnachmittag bei den meisten Stücken häufig der rote Faden. Allein die Tatsache, dass man es nicht für nötig hielt, den Klassiker »Maskenball« zu bringen, oder zum Abschluss (wie im Vorjahr) mal die hammermäßig fette Coverversion des Death-Klassikers »Pull The Plague« als Überraschungsbonbon auszupacken, stattdessen fast ausschließlich unbekannteren Stücken den Vorrang gab, zeugt davon, dass Schüsse wie dieser schnell nach hinten losgehen können. Sei es, wie es ist: Am besten klingen Lacrima Christi immer dann, wenn sie Progessive-Metal mit Deathmetal und leichten Gothic-Anleihen mischen - dafür ist die Band schließlich im Kasseler Raum bekannt und bei ihren Fans beliebt. Fazit: Einfach nur traurig!

Couragous
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Nach einer weiteren kurzen Umbaupause enterte die Frankfurter Power-Thrash-Formation Couragous die Bühne. Zunächst dauerte es noch ein wenig, bis das Publikum mit dem aus Power- und Thrashmetal bestehenden Soundgemisch der Band klar kam. Anfangs mit leichten technischen Schwierigkeiten gelang es der Combo, sich mit jedem weiteren Stück zu steigern. Nach und nach versammelten sich doch etwas mehr als knapp ein Dutzend Leute vor der Bühne, die neugierig dem Auftritt der Band lauschten, headbangten oder den Gig einfach nur genossen. Schade, dass der Frankfurter Fünfer erst gegen Ende des Sets in den letzten zwanzig Minuten zu seiner Form fand, sonst wäre aus diesem Auftritt auch bezüglich der Publikumsreaktionen auf den vorgetragenen Set sicher noch eine ganze Menge mehr rauszuholen gewesen. Verdienter Applaus und die Forderung nach einer Zugabe gegen Ende des offiziellen Sets bestätigten, dass die Band vom Veranstalter-Team an der richtigen Stelle im HiOA-Billing platziert wurde.

Mortal Terror
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Überhaupt muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass sich mit zunehmend späterer Stunde auch das Festival immer mehr steigerte. Mortal Terror waren ebenfalls genau richtig im Samstags-Billing platziert. Sie lösten die schwierige Aufgabe, direkt vor den anschließend folgenden Kölner-Thrashern Guerilla spielen zu müssen mit Bravour. Gar nicht lange fackelnd, sofort hochmotiviert zur Sache gehend, ließ die Band von Beginn an keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie gewillt war, zu zeigen, was Masse ist. Ihr brachialer Thrash 'n' Roll wusste auf Anhieb zu begeistern.
Die Kasseler Band trat von Beginn an mächtig in den Arsch! Jawohl, so sollte es auch sein. Das HiOA-Publikum musste gerade nach den beiden zwischenzeitlich schwächeren Bands noch einmal so richtig wachgerüttelt werden und schon füllte sich der Platz vor der Bühne ein wenig mehr, - einige BangerInnen gingen sogar ziemlich heftig auf die Mucke des Kasseler Vierers ab. Mortal Terror bolzten frisch, vehement und mit höllischen Groove drauf los, dass es eine wahre Freude war, dem Gig der Band zu lauschen, wobei ihnen das Kunststück gelang, die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen, sprich: jederzeit das klassische Heavy-Metal Feeling beizubehalten, um dennoch in aller Form zeitgemäß statt antiquiert zu klingen, obwohl hier und da, schon mal die ein oder andere wehmütige Erinnerung an die 80er durchschien.
Auf jeden Fall ein klasse Gig der Kasseler Thrash 'n' Roll-Institution! Aufgrund lautstarker Zugaberufe und kräftigen Applauses brachten Mortal Terror zum Schluss noch eine (im Rahmen der vorgegebenen Spielzeit liegende) amtlich fette, brachiale Coverversion des Motörhead-Klassikers »Bomber« - damit war die Welt für die Pro-Mortal-Terror-Fraktion in Ordnung und das Publikum bestens auf die anschließend folgende Band eingestimmt. Fett!

Und dann kamen Guerilla: Jene Band, auf die sich bereits im Vorfeld viele BesucherInnen des 3. HiOA gefreut hatten und sie wurden erwartungsgemäß nicht enttäuscht! Ähnlich wie schon im Vorjahr gelang es der von Beginn an hochmotiviert zu Werke gehenden Band mühelos, den Platz vor der Bühne zu füllen. All diejenigen, die im letzten Jahr von Guerilla begeistert waren, dürften nach diesem erstklassigen Auftritt hinterher mindestens ebenso zufrieden den Platz verlassen haben.
Schon bei den ersten Klängen des Kölner Thrashfünfers war das Gros des zu diesem Zeitpunkt vor der Bühne versammelten Publikums aus dem Häuschen. Jetzt endlich fanden sich massenhaft Langmatten vor der Bühne ein. Guerilla brachten den Pit vor der Bühne mächtig zum kochen! Nun ließ sich auch das Publikum nicht länger lumpen und fing kräftig an abzumoshen, zu tanzen und begeistert mitzugehen, - fast der gesamte Platz tobte!
Guerilla boten das erwartet knochenharte Old-Shool-Thrashmetal-Brett, das irgendwo in der Schnittmenge alter Sepultura und der US-Thrasher Forbidden liegend, wieder zahlreiche MetallerInnen vereinte. Kompromisslos, hämmernd, arschtight, schnell, abnorm groovend und mit voller Präzision auf die Glocke, servierte der Fünfer ein fettes Brett vom Feinsten, wobei es sich weder der Sänger noch der Gitarrist der Band nehmen ließen, zwischenzeitlich mit ihren Instrumenten von der Bühne zu springen, zwischen den Fans hin und herzutanzen und dabei noch zu singen bzw. Gitarre zu spielen. Die lustigen Ansagen des Guerillia-Sängers sorgten zwischendurch immer wieder für heiteres Gelächter und Entspannung. Zeitweiliges Stagediven war ebenfalls gegeben. Wie auch immer, das Publikum feierte die Kölner Trashmetaller nach allen Regeln der Kunst ab.
Auch das am Stand angebotene Guerilla Merachandise fand an diesem schönen Abend wieder zahlreiche dankbare AbnehmerInnen. Die Überraschung des Guerilla-Sets war diesmal der »als Ballade« angekündigte, bereits im letzten Jahr gespielte »Love-Song«, der sich noch einmal als brachialer Doomhammer mit 100 Prozent Schädelabschraubgarantie herausstellte - welch eine mächtige Walze! Druckvoller und intensiver können selbst eingeschworene Doom-Metalbands diese Art von Musik nicht zelebrieren! - Amtlich und oberhammergut. Guerilla dürfen gern auch nächstes Jahr wieder zum HiOA kommen, den Reaktionen vieler Fans nach zu urteilen, wäre es wirklich wünschenswert und schon im Sinne des Festivals zu empfehlen, dieses Thrashmetal-Killerkommando ein weiteres Mal anreisen und die Bühne in Schutt und Asche legen zu lassen. Wie schon im letzten Jahr: Guerilla waren und sind eine Macht, die ihren Platz weit hinten im Billing mit diesem gelungenen Auftritt mehr als eindrucksvoll bestätigte.

Symphorce
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Wer nun geglaubt hatte, der Guerilla-Auftritt wäre nicht mehr zu toppen, wurde vom Co-Headliner Symphorce gnadenlos eines Besseren belehrt. Beim ersten der beiden Samstags-Headliner fand sich zu vorabendlicher Dämmerstunde ein zahlreiches Publikum vor der Bühne ein, um einer absoluten Weltklassevorstellung beizuwohnen. Waren schon bei Guerilla viele Kutten- und MattenträgerInnen zu gegen, hatte sich der Platz vor dem Auftritt der Powermetalcombo spätestens jetzt sogar bis ganz hinten zum Bierpilz gefüllt - wahrhaftig ein beeindruckendes Bild! Hinzu kam, dass Symphorce wohl so ziemlich den besten Sound hatten, der je bei einer Band auf dem HiOA zu hören war: Klar, druckvoll, fett, laut, - ohne jeglichen Schnörkel - an dieser Stelle ein ganz dickes Kompliment an den Soundmann des HiOA, der an beiden Tagen wirklich hervorragende Arbeit geleistet hat. - Super!!!
Bereits nach dem zweiten Stück wurde klar, wer die meisten Sympathien des Samstags genoss: Symphorce! Was die beiden Gitarristen an diesem denkwürdigen Abend auf der Bühne der Himmelwiesen leisteten, war schier unglaublich - ein Gitarrenduell folgte auf's nächste wobei sie mit einer extrem sicheren und variablen Technik das gesamte Griffbrett rauf und runter spielend glänzten, dass einem fast schwindelig dabei wurde. Absoluter Wahnsinn!!!
Kollege Dirk war wie fast das gesamte Publikum derart aus dem Häuschen, dass er sich völlig zu recht die Bemerkung »Mir geht gleich einer ab« erlaubte und damit hatte er den Nagel so ziemlich auf den Kopf getroffen. Die Fans klinkten reihenweise aus, bereits seit dem ersten gespielten Stück der Band gab es kein Halten mehr, es wurde rumgetobt und gebangt, was die Matten hergaben! Symphorce dürften in ihrer momentanen Verfassung so ziemlich mit zum Besten gehören, was man zumindest hierzulande international auf europäischen Bühnen im Bereich Powermetal zu hören, bzw. zu sehen bekommt.
Wer derart brachiale Riffgewitter und variantenreiche Soli zelebriert und zudem mit einer jederzeit arschtight, extrem sicher und stets nach vorn treibenden Rhythmussektion aufspielt und obendrein noch einen charismatischen Fronter der Extraklasse mit enormer Ausstrahlung in seinen Reihen hat, kann eigentlich nicht verlieren! Die super aufgelegte Band spielte am Samstag Abend alles, aber auch wirklich restlos alles, was vorher auf der Bühne stand, mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks in Grund und Boden! Symphorce waren jeden einzelnen Euro ihres Eintrittsgeldes wert.
Fazit: Eine Traumvorstellung, nein geradezu eine schwermetallische Offenbarung einer wirklich sympathischen Band, die schon durch ihre grundehrliche Einstellung zahlreiche Fans auf ihrer Seite hatte - selbst dem als abschließender zweiter Headliner auftretenden Thrashcore-Quintett Hate Squad gelang es nicht mehr, diesen spitzenmäßigen Auftritt später noch zu toppen! Leider ließ das von der Gemeinde vorgeschriebene Zeitlimit es auch bei Symphorce nicht zu, dass die Band nach Ablauf der regulären Spielzeit weitere Zugaben bringen konnte. Im Nachhinein bleibt festzuhalten: Alle, die sich diesen hochqualitativen Powermetalleckerbissen der Sonderklasse entgehen ließen, haben definitiv etwas verpasst!

Hate Squad
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Hate Squad brachten anschließend zwar das Kunststück fertig, noch einmal eine größere Fanmasse vor die Bühne zu locken, allerdings waren das im Vergleich zu Symphorce gerade mal knapp etwas mehr als ein Drittel. Obwohl Hate Squad (deren vielumjubeltes Demo »Theater Of Hate« vor elf Jahren wie eine Bombe in der Metalszene einschlug), ihren Fans das gaben, was sie von der Band verlangten, war die Stimmung (von den Die-Hard-Fans des Fünfers einmal abgesehen) irgendwie nicht ganz so derartig frenetisch wie bei den zuvor noch soundtechnisch extrem straight aufspielenden Symphorce. Am Stil der Band kann es wohl nicht gelegen haben, denn Hate Squad spielen noch immer brachialen Thrashcore der heftigen Art und gaben sich alle Mühe, den Mob vor der Bühne noch einmal zum Kochen zu bringen. Die vor der Bühne versammelte Fanmeute ließ sich völlig zu Recht ihren Spaß nicht nehmen: Es wurde gebangt, ausgelassen getanzt, abgefeiert oder einfach nur die Band bestaunt - prima! Als eindeutiger Sieger des 3. HiOA ging jedoch nicht nur rein resonanzmässig seitens der Fans betrachtet, sondern auch optisch und spieltechnisch gesehen ganz eindeutig ohne Einschränkung, wenn und aber: die Powermetalband Symphorce hervor!

Der Dank des Verfassers dieses Berichts sowie zahlreicher Metalfans gilt einmal mehr dem gesamten HiOA-Team für einen megatollen Event, bei dem diesmal organisationstechnisch fast so ziemlich alles stimmte. Die Preise für Essen, Trinken und Merchandise lagen wieder in einem wirklich außergewöhnlich fairen Rahmen. Die Bandauswahl konnte sich schon aufgrund der großen Stilvielfalt sehen lassen und war (zumindest aus meiner Sicht) mit Abstand die Beste in den drei Jahren seit Bestehens des HiOA. Mit dem Wetter hatten die Veranstalter dieses Jahr ebenfalls mächtig viel Glück, die Location war ebenfalls wieder erste Sahne und die Resonanzen der sogar noch um einiges zahlreicher als im Vorjahr erschienenen Fans auf das 3. HiOA fielen sogar noch um einiges besser und positiver aus als in den vergangenen beiden Jahren - eine Tatsache, die dafür spricht, dass dieser Event auch im nächsten Jahr sinnvollerweise als Zwei-Tages-Festival einschließlich der Möglichkeit zum Campen durchgeführt werden sollte.
Ich für meinen Teil fiebere schon sehr dem im nächsten Jahr kommenden vierten HiOA im Jahre 2005 entgegen, um an einem weiteren superben Underground-Festival teil zu haben. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dementsprechend wieder viele wenn nicht gar noch mehr Fans nach Schauenburg begeben, um das fleißige Himmel-Open-Air-Team, das weder Mühen noch Kosten gescheut hat, um eine solch wunderschöne, attraktive und in allen Belangen vorbildliche Veranstaltung zu organisieren, nach allen Kräften zu unterstützen oder um es mit anderen Worten zu formulieren: Heavy Metal in Nordhessen lebt, and paradise is here (ach joooo????) - Support the Underground!!!
Wer nähere Infos zu den drei voran gegangenen HiOA-Festivals erhalten möchte oder im nächsten Jahr rechtzeitig vor dem Festival auf dem Laufenden sein will, sollte seine Aufmerksamkeit folgendem Link schenken: www.himmelopenair.de.
Toschi

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Interviews:

Interview: Contradiction, 26.08.2005 jetzt noch mal Gas geben, aber richtig
Interview: Hexenhammer, 14.03.2005 grausam, gnadenlos, brutal - alles das worum es im Death Metal geht

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Uncut Despite - Evolution Reverse
CD-Review: Uncut Despite - Demo 2003
CD-Review: Contradiction - The Warchitect
CD-Review: Contradiction - The Voice Of Hatred
CD-Review: Contradiction - Promo-Mix
CD-Review: Mortal Terror - We Set Your Thoughts On Fire
CD-Review: Hexenhammer - Divine New Horrors

Live-Reviews:

02.04.2004: Uncut Despite, Gutbucket, Havoc, Jack Slater (Kassel, K19)
16.07.2004 bis 17.07.2004: 5. Rocktown Open Air (Bebra, Biberkampfbahn)
26.07.2003: 2. Himmel Open Air (Hoof, Himmelwiese)
18.08.2002: Himmel-Open-Air (Schauenburg/Hoof)
28.04.2001: A Tribute To Metallica (Spot Kassel)
14.10.2000: 5. Musikförderverein Herbstfestival (Musikförderverein Kassel)
20.04.2002: Red To Grey, Personal War, Couragous (JUZ, Bad Hersfeld)
26.12.2006: 2. Masters Of Cassel-Festival (Kassel, Nachthallen)
18.11.2000: Mortal Terror (Kasten, Hann. Münden)


Diese Seite wurde 4 mal kommentiert
Frank (18.08.2004 15:29:47)
Auch wenn ich mich Toschi mit den Lobeshymnen für das Festival größtenteils anschliessen möchte, gibt es ein paar Kritikpunkte:
Bier in 0,25l-Bechern zu verkaufen ist ziemlich unpraktisch, da man den Becher ausgetrunken hat, bevor man zur Bühne zurückgekehrt ist.
Auch wenn die Veranstalter wenig Einfluss darauf hatten: Das Thekenpersonal war ziemlich lahmarschig ...
Insgesamt aber eine überaus positives Festival; ich hoffe es gibt nächstes Jahr das 4. HiOA
Karsten (19.08.2004 13:18:34)
hm... eine Sache ist aber nicht richtig. Lacrima haben das Death Cover gespielt...
Toschi (19.08.2004 14:09:14)
Okay, dann habe ich mich dahingehend geiirt,
danke der Korrektur, Karsten. Der Lacrima-Gig war jedoch wirklich nicht das gelbe vom Ei. Die Band kann definitiv mehr als sie an diesem Tag gezeigt hat, deshalb war es nciht nur aus meiner Sicht schade, das sie ihre besten Stücke nicht spielten. Vielleicht beim nächsten Mal wieder...
Karsten (19.08.2004 21:27:23)
Das sehe ich allerdings leider genauso...

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