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2. Schönbuch Open Air

10.07.2004, Ammerbuch-Altingen

Schönbuch Open Air? Noch nie gehört, aber es ist ja auch erst das zweite Festival dieser Art ... Der Anfahrtsweg war kurz und die Location gut zu finden. Mit einem Supermarkt gleich um die Ecke wird man super mit allerlei Trink- und Essbarem ausgestattet. Ein Acker als Campingplatz direkt vor dem Gelände ist besser als gar nichts, vor allen Dingen, wenn man ihn kostenlos benutzen darf. Allerdings wollten es es nur wenige wagen. Parkplätze gab es auch genug und ebenfalls für umsonst.
Einlass war an beiden Tagen für 16:00 Uhr angesetzt. Alles ging gut organisiert mit Eintrittskarten und Bändchen über die Bühne. Aber wo sie die grünen Krankenhausbänder her hatten, bleibt mir bis jetzt ein Rätsel. Drinnen angekommen kam ich mir ein wenig verloren vor, da scheinbar nur Mitarbeiter zu finden waren. Das Wiesengelände war gut überschaubar. Von den auf den Flyern angepriesenen Gimmicks konnte ich aber noch nicht allzu viel entdecken. Waren halt ein paar Aufbauten, z. B. mit Schmuck oder T-Shirts. Aber dafür gab es richtig viele Fressstände: Bratwurst (gegrillt über offenem Feuer! Lecker!) und Pizza (mmh ...) Mit allerlei Nassem wurde man im Zelt und an der Bar versorgt. Aber diese Bonkassen auf jedem Festival rauben einem auch den letzten Nerv ...
Ein schöner Pluspunkt war das große Lagerfeuer, um das sich viel zu späterer Stunde getummelt haben. Und noch etwas: Es gab saubere Dixies!! Es wurden 3000 Gäste erwartet, die sich aber irgendwie nicht getraut hatten. Für die Eintrittspreise vom Freitag 10 EUR VVK/13 AK und Samstag 15 EUR VVK/18 EUR AK konnte man aber nichts sagen!
Wie mir zu Ohren kam lockte am Freitag das Regenwetter nicht viele Leute an. Vielleicht lag es auch am Billing, welches ich aber nicht beurteilen kann und darf. Denn am Freitag war ich noch nicht zugegen. Unterhalten wurden die Leutchens mit Blacl Lemon, Good News, Sub7even und AC/DX.

Am Samstag sollte der Beginn um 18:00 Uhr sein. Irgendwie fing die erste Band aber schon um 16:30 Uhr an. Im Grunde genommen sind Diversion ja nicht schlecht. Es steckt Potenzial in der schwäbischen Band. Mit ihren leicht punkigen, zum Teil in den Nu Metal driftenden Stücken hätten sie bei einer größeren Zuschaueranzahl und mit einer später angesetzten Spielzeit sicher Anklang gefunden. Teilweise war der Gesang doch recht schräge, die Ansagen waren saublöde (haben wohl nur Insider kapiert) und zu viele Samples in den Songs plus vom Band eingespielter Backgroundgesang vernichteten den 35-minütigen Auftritt. Den drei eingefleischten Fans (wohl Freundinnen einiger Bandmitglieder) vor der Bühne, die mit Bandshirts ausgestattet waren, scheint es gefallen zu haben. Zumindest fand ich die drei lustiger anzuschauen ... Wie gesagt, das is was dran an Diversion. Doch eins müssen die Jungs noch tun: üben, üben, üben ...

Die nächste Band mit eigener Fangemeinde: Die 9-köpfige Jazz-Rock-Fusion-weiß-der-Geier-was-Kombo hatte immerhin schon um die zehn Fans vor der Bühne. Zwei Trompeter und ein Herr an der Posaune unterstrichen den kultigen Sound. Total crazy und abgedreht! Das ist alles, was mir zu Sixie & Fuchs einfällt! (Wer kommt eigentlich auf solch einen Namen?? Hat 'ne Weile gedauert, bis ich erkannte: Die singen ja deutsch! Aber das hat auch nichts gemacht. Im Gegenteil, die Texte waren so blöd, die passten zum Gesamtbild. Die Outfits aus den 70er Jahren unterstrichen die Hampelbewegungen des Keyboarders. Ein hoher Unterhaltungswert konnten sie durch (un?)freiwillige Komik erreichen. Selbst Tobias Sammet kann sich noch was abgucken! Purzelbäume und Handstände ... Im Prinzip besser als ihre Vorgänger, da lustig! Aber dauernd schwirrte mir eine seltsame Frage durch den Schädel: Woher wohl meine Kopfschmerzen kommen? Vom Stageacting von Sixie & Fuchs her kann ich sagen, dass sie mehr Professionalität an den Tag legten, als Diversion. Aber als dann noch der Keyboarder (wieder einmal ...) sein Instrument mit den Zähnen bearbeitete und schließlich einen kleinen Strip hinlegte, fragte mich meine Begleitung: »Wieso is' Stefan Raab net da?!«.

Nach 50 Minuten war Schluss mit lustig und Crystal Ball begannen mit ihrem rockigen Set:

  • Hellvetia
  • Forever And Eternally
  • Opposites Attract
  • Dance With The Devil
  • Am I Free
  • Soulmate
  • Stare At The Sun (Sänger Mark hierzu: »Jetzt kommt ein Song für die Mädels. Die Männer können ruhig Bier holen gehen ...«)
  • One Day At A Time (Mark wieder: »Und jetzt kommt ein Song für die Männer. Nun können die Mädels das Bier holen gehen ...«)
  • Savage Mind (zwischendurch durfte die Menge auch Princess Of The Dawn von U.D.O. singen)
  • Lay Down The Law
  • Last Dance
  • Private Visitor
Und plötzlich kam an diesem kühlen, bewölkten Tag doch noch die Sonne raus! Die Schweizer überzeugten mit einem klaren Sound, rockigen Riffs und herzlich guter (Spiel-)Laune. Sänger Mark hatte das Publikum mit seinen frechen Ansagen im Griff: »Wer hat's erfunden?« - Publikum zurückhaltend: »Die Schweizer??«. Das musste nochmal geübt werden: »Wer hat's erfunden??« - »Die Schweizer!!«. Na also, geht doch! Die Stimmung war klasse und die mittlerweile zahlreichen Leute wurden gut zum Mitsingen und Mitklatschen animiert. Nach gut einer Stunde Headbangen gab's noch keine Pause.

Stormwitch enterten mit ihrem riffbetonten Power Metal die Stage und hatten die Besucher sofort um den Finger gewickelt. Die sechs Deutschen haben ganz klar gewonnen! Eine Stunden und fünfzehn Minuten klasse Melodien, stampfender Rhythmen und ein Sänger ganz nach meinem Geschmack - super!

Die heimlichen Headliner des Tages waren allerdings definitiv Axxis! Nach einer Zwangspause von einer Stunde (Gitarrist Guidos Monitorbox hat Feierabend gemacht), gingen die Ruhrgebietler auf die Bühne. Mit dem momentanen Neuzuwachs am Bass, Rob von Cyberya, legten Axxis eine tighte Show hin. Uns wurde eine bunte Mixtur aus allen Alben geboten. Das zuvor geduldig wartende Publikum rastete förmlich aus und feierte eine riesige Party. Fan Angela dufte dann noch das Akustikset zusammen mit Berny singen. Sie wollte aber lieber zu goodlooking Guido ... Alles in allem: fett!!

Hinterher hatten The Sweet mächtig Probleme, die Stimmung zu halten. Es war auch schon sehr spät (ca. 1 Uhr) und einige verließen bereits das Festival. So war wohl auch der Großteil des Publikums sehr über die Performance der Band enttäuscht. Als irgendwann einmal ganz spontal der Saft abgedreht wurde, war eigentlich jeder ganz froh darüber. Aber nach ein paar Minuten sollte es weitergehen. Naja.

Fazit: Nettes, kleines Festival mit ein paar tollen Bands! Ausbaufähig!!



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Tanja


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Biografie:

Biografie: Axxis

Interviews:

Interview: Axxis, 25.02.2004 Rockmusik ist 'ne Lebenseinstellung und kein modischer Trend

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Axxis - Time Machine

Live-Reviews:

28.08.2004: Crystal Ball, Fit und Fun Rocknight ((CH) Rothenburg, Chärnshalle)
25.09.2004: Axxis, Wayward (Meitingen-Herbertshofen, Zeltfestival)
18.09.2004: Kiss Forever Band, Chinchilla, Axxis (Bad Liebenzell,Sun Rise Benefiz Festival)
28.07.2006 bis 29.07.2006: Rock Of Ages-Festival (Seebronn)


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