Live-Reviews

14. Wacken Open Air

31.07.2003 bis 02.08.2003, Wacken


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Auf nach Wacken! Am Mittwoch morgen ging es, den Kombi vollgepackt, nach Norden, um den alljährlichen Besuch in Metal-Mekka abzuleisten. Nach fünf Stunden Autofahrt trafen die vier Metal-Maniacs (darunter der Toschi und ich) in Wacken ein und begannen sogleich unsere Zelte aufzuschlagen. Nachdem alles Stand, ging es an die »Versorgung lebenswichtiger Körperorgane«. In unserem Falle die Leber.
Wir hatten das Glück, noch relativ früh am Mittwoch einzutreffen, daher hatten wir auf Ground M noch einen guten Platz erwischt. Wie es sich für Wacken gehört, gesellte man sich zu netten Leuten bzw. nette Leute zu uns, da sich im Laufe des Festivals unser mitgebrachter Pavillon zum großen inoffizieller Meeting-Point entwickelte. Das diesjährige Wacken war top, was anderes kann man nicht sagen. Mehr Toiletten, supernette Security, gute Organisation und vor allem: ein bomben Wetter!!
Lustige Geschichten erlebten wir, unter anderem der Versuch von unserem Toschi zwei Deutschen (!!!!) auf englisch den Weg zum Spar-Markt zu erklären (warum er das auf englisch gemacht hat, weiß bis heute keiner), die sehr lustige Diskussion zweier Camper, die ein schönes Lagerfeuer in mitten der Zelte entfacht hatten, mit der Feuerwehr, die sich grinsend die Argumente der beiden anhörte und dann das Feuer mit dem Schlauch ausmachte, ein menschliches Huhn, das Anal-Verkehr für einen Euro anbot, geniale Jonglage von unserem Zeltnachbarn (Gruß an Rolf, Daniela, Holger und Nadine und danke für das Kaffee-Wasser) und die »Verbal-Laola«: »Timmaay« und »Helga«. Alte Marotten sterben nie und machen jedes Festival genial.
Ein Wort noch zum Schluß. Wacken 2003 war ein extrem friedliches, super organisiertes, freundliches und gut besetztes Metal-Festival der Extraklasse. Trotz der vielen anderen, hochkarätigen Festival in und um Deutschland: Wacken hat den Spirit, den ein Festival für Metalheads braucht, das war dieses Jahr zu spüren. Also, Leute, auf zum Wacken 2004!! Ulath

Annihilator
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Annihilator (True Metal Stage, 31.07.03)

Als gegen 19.15 Uhr die Jungs um Jeff Waters die Bühne enterten, wurde mir gleich im ersten Moment bewußt: »das wird eine verdammt heiße Show«. Wie heiß sie werden sollte, wurde mir aber erst lange nach dem Set richtig bewußt. Aber mal langsam. Dass Annihilator live eine Macht sind, brauche ich wohl keinem mehr zu erzählen, doch selten habe ich eine Band gesehen, die soviel Spaß am Mucke machen hat. Ein fehlerfreies Set, natürlich geprägt von ihren Hammeralben Alice In Hell und Never, Neverland. Was mich besonders begeistert hat, war Joe Comeau, der Ex-Overkill Gittarero, der nun seine mehr oder weniger zarten Stimmbänder neben Jeff strapaziert. In dieser Dreiviertelstunde, die Annihilator auf der Bühne waren, konnten sie mich voll überzeugen und bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Meiner Meinung nach eines der Top-3-Konzerte des diesjährigen Wacken-Open-Airs. Ulath

Saxon (True Metal Stage, 31.07.03)

Die Überraschung des Abends des ersten Tages waren jedoch Saxon: da deren Drummer Fritz Randow nebenbei auch bei Victory spielt ließ Biff Byford, seines Zeichens Sänger von Saxon kurz mal so eben während des Auftritts von Circle II Circle per Mikro verlauten, dass es eine spätere Überraschung geben und Saxon spontan auf dem W:O:A spielen würden. Der Saxon Frontmann bedankte sich daraufhin noch kurz bei den Wacken-Fans und ließ verlauten, dass er immer wieder mitsamt Band sehr gern nach Wacken käme und ließ sogleich die Katze aus dem Sack: Saxon spielen im nächsten Jahr als einer der Hauptheadliner auf dem W:O:A!!! Eine gute Nachricht, zumindest für die Trumetal-Fraktion.
Das Gros der während des Circle II Circle-Gigs anwesenden W:O:A-Besucher reagierte auf die Ankündigung zunächst recht verwirrt, da der Fünfer von der Insel auf keinem offiziellen Tourplakat angekündigt stand. Als Saxon später gleich ohne Ansage direkt im Anschluß an den Victory-Gig komplett auf die Bühne stürmten, gab's kein Halten mehr: zahlreiche eingefleischte Hardrockfans eilten nach vorn, als Saxon auf der Bühne die drei nicht eingeplanten Zugaben Princess Of The Night, Motorcycle-Man und Denim And Leather zum Besten gaben. Spätestens jetzt sprangen bei zahlreichen Fans in den vorderen und hinteren Reihen plötzlich alle Sicherungen raus und es wurde wild abgebangt, reihenweise Bier verschüttet und gegröhlt, was die Stimmbänder hergaben; 100% Party pur, die Fans schwangen ihre Matten, was das Zeug hielt!!! Hinterher konnte man immer noch minutenlange, lautstarke »Saxon, Saxon, Saxon«-Sprechchöre hören, die sich wie ein gewaltiger Donnerhall über das Festivalgelände zu erheben schienen ... Toschi

Running Wild
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Running Wild (True Metal Stage, 31.07.03)

Ja ... das ist es, werden sich wohl viele MetallerInnen gedacht haben: endlich headlinen Running Wild einmal das W:O:A! Es war schon viel zu lange überfällig, dass die Hamburger Metalband ein Gastspiel, das eher als Heimspiel bezeichnet werden kann) auf Europas größtem Heavyrockevent gibt. Mit knapp fünfminütiger Verspätung legten Running Wild dann endlich los und packten einen schon lange nicht mehr gehörten Kracher als Opener ins Live-Programm: Ghenghis Khan!!! Überraschung gelungen. Es war unglaublich, was sich bei Running Wild abspielte, die Fans rasteten schaarenweise aus und spätestens jetzt war der gesamte Platz in und um die vier Bühnen proppevoll bis zum Bersten gefüllt. Zu lange schon haben gerade viele aus Schleswig-Holstein und Umgebung kommende Fans sowie aus anderen europäischen Ländern auf diese Gelegenheit gewartet, was sich in eine wahre Running-Wild-Manie steigerte. Leider gab es auch negative Randerscheinungen, die nicht nur den Verfasser dieses Berichtes ein wenig angepisst haben:
1. Wieso schlagen einige Fans wie die bekloppten um sich? Die taten ja gerade so als gäbe es keinen Kanten Brot mehr ...
2. Was sollte das blödsinnige sich-mit-aller-Gewalt-nach-vorne-Reingedränge? Bezeichnenderweise noch an Stellen, wo überhaupt keine Lücken mehr vorzufinden waren. Unsinnig, überflüssig, schlichtweg dumm!
3. Wasserpistolenspielchen mit Plastik-MGs bei einem solchen Event ... Wie krank muss man eigentlich noch sein? Stagediving (?) bei einer Band wie Running Wild??? Bekloppter geht's wohl nicht mehr ... bei Kreator, Six-Feet-Under und Co. wäre es durchaus verständlich und nachvollziehbar gewesen sich von der Menge tragen zu lassen und anschließend wieder hineinzuspringen - kein Thema, aber bei Running Wild??? Nee. Das hat selbst mir die Sprache verschlagen!!!
Kurz und gut: genannte drei Aspekte fallen in die Kategorie negative Randerscheinungen. Dass der Running Wild-Gig nicht zu einem Kinderkasperletheater ausartete, dafür sorgten schließlich allein die echten, eingefleischten Running Wild-Fans und all jene, die solche Kinkerlitzchen unterließen, stattdessen der gut aufgelegten Truppe um Oberpirat Rock 'n' Rolf den verdienten Respekt erwiesen, sowie die Band selbst, die sich zum Ende hin immer stärker steigerte und sich ihre besten Stücke, wohlweislich bis zum Schluss aufhob. Das Wetter und die Stimmung auf dem W:O:A hätten am Donnerstag-Abend besser gar nicht sein können. Ein großes Lob an dieser Stelle von meiner Seite geht an die Adresse aller drei vor Running Wild spielenden Bands sprich: Circle II Circle, Annihilator und Victory (sowie an die nicht eingeplanten Überraschungsgäste (Saxon - näheres hierzu an separater Stelle). Alle drei bzw. vier Bands spielten einen prima Gig, womit bereits vor dem Headliner-Set von Running Wild für eine prächtige Stimmung unter den hiesigen Fanmassen auf dem Gelände gesorgt war. Selbst Rock 'n' Rolf Kasparek zeigte sich begeistert von der Stimmung im Publikum und staunte wahrlich nicht schlecht über die gewaltige Resonanz, die Running Wild in Wacken entgegenschlug! Dementsprechend in bester Stimmung puschte der bis in die Haarspitzen motivierte Frontmann und Gitarrist sein Publikum in dem er die Fans anfeuerte und zum Chorgesang animierte. Neben zahlreichen älteren Songs kamen auch neuere wie Victory sowie unbekannte, allerdings textlich und musikalisch perfekt in den Set passende Songs zum Einsatz: Apocalyptic Rider sollte ursprünglich zu der Zeit als der Klassiker Under Jolly Roger veröffentlicht wurde auf das Album mit draufgepackt werden, doch leider schaffte es das Stück zu jenem Zeitraum nicht mehr auf das Album, wie Rock 'n' Rolf das Publikum gut gelaunt wissen lies. Hoffentlich wird sich diese Nummer, die sich als gelungene Midtempo-Hymne einschließlich des für Running Wild typischen Powerspeeds entpuppte, irgendwann auf einem der neueren Running Wild-Alben wiederfinden!
Zu den zahlreichen älteren Running Wild-Klassikern, welche von der Band ins Publikum gefeuert wurden gehörten: Brandet And Exiled, Conquistadores, Riding The Storm, Welcome To Hell, Bad To The Bone uvm. Eine weitere höchst gelungene Überraschung des Abends stellte die Live-Version des Monumental-Epos Treasure Island für mich dar, doch die besten drei Stücke hob sich der Hamburger Vierer bis zuletzt auf: gemeint sind natürlich keine geringeren als die unverwüstlichen Running-Wild-Hymnen Under Jolly Roger, Prisoner Of Our Time und Chains & Leather!!! Allesamt Metalklassiker, die auf keinem Konzert dieser True-Metal-Institution fehlen dürfen und standesgemäß ein starkes Running Wild-Konzert beendeten, das zweifellos in die mittlerweile bereits vierzehn Jahre andauernde Geschichte von Wacken, jenem unscheinbaren, kleinen Örtchen, das sich im Laufe vieler Jahre zum Hartwurst-Mekka Europas entwickelt hat, eingehen wird! Toschi

Gamma Ray
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Gammy Ray (True Metal Stage, 01.08.03)

Um 21.00 Uhr durften Gamma Ray die True-Metal Stage entern und ihr lustigen Melodien vortragen. Doch was musste ich zu Anfang des Gigs von Kürbiskopf Kai hören: »keine alten Klassiker, verlangt erst gar nicht danach, wir werden es sowieso nicht spielen«. Was war denn mit dem Hansen los? Ziemlich beschissene Art und Weise mit seinen Fans unszugehen.
Aber naja, wollen wir mal den Gig abwarten. Es zeigte sich, dass der gute Kai scheinbar einen verdammt schlechten Tag erwischt hatte. Musikalisch gut wie immer (kann man von solchen Profis auch erwarten), aber mit so einer Lustlosigkeit vorgetragen, dass man schon dachte, er hätte bei Star Search in der Vorauswahl nur läppische zwei Punkte von Hugo Egon Balder bekommen. Eineinviertel Stunde zockten die Jungs ihr Standart-Repertoire runter, ohne auch nur ansatzweise viel Elan dabei zu zeigen. Musikalisch ein durchschnittliches Konzert, doch von der Bühnenpräsenz, der Freundlichkeit zu den Fans und der Stimmung meiner Meinung nach ein echter Flop. Ich hoffe, auf meinem nächsten Gamma Ray Konzert wird's besser, denn sowas kenne ich eigentlich überhaupt nicht von den Jungs. Ulath

In Flames
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In Flames (Black Metal Stage, 01.08.03)

Yes, meine Freunde der harten Musik. Das war der Knaller des Festivals. Ich habe selten bei einem Konzert eine Band gesehen, die so genial war. Musikalisch Spitzenklasse, geniale Bühnenshow und eine hammer Stimmung.
Aber fangen wir mal von vorn an. Eröffnet haben In Flames mit Cloud Connected, woraufhin sich sofort ein riesiger Moshpit bildete. Weiterhin folgten absolute Brecher wie Colony und Episode 666 bis zum durch seine Bühnenshow perfekten System. Bei Only For The Weak entwickelte sich das größte Gehüpfe, was ich je auf eine Metal-Festival gesehen habe (ja, auch Metaller hüpfen).
Leider durften In Flames nur eine Stunde spielen, was absolut zu kurz war. Diese Band hat nicht nur das Potenzial zu den Großen zu gehören, für mich gehören sie schon dazu. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bis zu diesem Abend In Flames nicht wirklich mochte, doch durch dieses Konzert haben sie einen neuen Fan in mir gefunden. Ein Konzert der Extra-Klasse, für mich das Beste vom diesjährigen W:O:A. Ulath

Twisted Sister
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Twisted Sister (True Metal Stage, 01.08.03)

Noch extra viele Große Worte über diese Hardrock-Formation zu verlieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Twisted Sister sind schlichtweg Kult! In Zeiten, als zahlreiche Metaller gerade im sanften Teenie-Alter anfingen, harte Rockmusik zu hören, viele von uns noch nicht einmal geboren waren, zahlreiche Generationen lagen bis dato noch nicht einmal in den Windeln, gab es diese Ur-Ikone des Hardrocks schon, die mit ihrem schrillen Outfit zahlreiche Bühnen unsicher machte. Twisted Sister haben den Hardrock der 80er geprägt wie keine zweite Band. Es ist geradezu unglaublich, dass sich diese 1987 aufgelöste Combo sage und schreibe nach 16-jähriger Abstinenz längst für tot gehalten, wieder zusammenfand und ihren Fans einen Gig servierte, der in die Metalgeschichte eingehen wird!
Pünktlich um 23:30 war es dann also endlich soweit: Twisted Sister standen auf der Bühne um eine Rock 'n' Roll-Orgie zu starten, die reihenweise nostalgische Erinnerungen weckte und das Publikum mit einem Schlag in die Zeit der 80er Jahre zurückversetzte. Der Jubel im Publikum kannte keine Grenzen. Die Amis wurden bei jedem einzelnen Song zurecht nach allen Regeln der Kunst abgefeiert! Ähnlich wie in Balingen präsentierte sich der »Leader Of The Pack«, Dee Snider mit seiner Truppe in Topform: What You Don't Know, The Kids Are Back, Ride To Live, Live To Ride, Under The Blade, Destroyer, Burn In Hell, The Price, The Nature Of The Beast, I Believe In Rock 'n' Roll, Shoot 'em Down, You Can't Stop Rock 'n' Roll, Stay Hungry, I Am, I'm Me, We're Not Gonna Take It, I Wanna Rock, S.M.F. - welch eine Playlist, allein die Namen all dieser Titel klingen wie pure Magie, eine Magie, die man erlebt haben muss!
Die Legende lebt: Welcome back - Twisted Sister! Fast so, also ob es nie eine Pause gegen hätte, rockten Twisted Sister auf der True-Metal-Stage, was das Zeug hielt! Bei We're Not Gonna Take It, jenem Stück, dessen Refrain ein jeder Schulbubi im Schlaf mitsingen kann, ging das Publikum derart euphorisch mit, dass die begeisterte Menge den Songrefrain permanent in den Pausen zwischen den Songs mitsang, selbst Mr. Snider himself, seines Zeichens ein Entertainer von Format blieb vor lauter Staunen die Spucke weg! Gitarrist Jay Jay French bedankte sich kurz vor den beiden Zugaben noch einmal artig beim Publikum für dessen jahrelange unerschütterliche Treue und den festen Glauben an die Band.
Twisted Sister präsentierten sich auch in Wacken in beeindruckender Form, ebenso wie das frentische Publikum, das diesen Auftritt ganz sicher nicht so schnell vergessen wird. Ein Auftritt, der ohne wenn und aber Wacken-Geschichte schrieb und der erstklassigen Vorstellung in Balingen wirklich in überhaupt nichts nachstand. Eine denkwürdige Rock 'n' Roll-Offenbarung. Das abschließende Feuerwerk beendete einen denkwürdigen Freitagabend, an dem eine Legende zurückkehrte, die sich wie Phoenix aus der Asche erhob, um in den siebenten Himmel zu fliegen. Groß, größer, Twisted Sister - die Wiedergeburt einer Legende!!! Toschi

Malevolent Creation (Black Metal Stage, 02.08.03)

Die Ami-Deather gehörten eindeutig zu den positiven Überraschungen des Festivals. Schon auf dem Weg zur Black-Stage hatte ich ein gutes Gefühl, dass ich mit der Entscheidung, dem Auftritt Band zu lauschen, absolut richtig lag. Mein Gefühl täuschte mich nicht, Malevolent Creation sind auch live wie ihre bislang erschienen sechs Studioalben konstant. Auf die Combo war auch in livetechnischer Hinsicht Verlass.
Gleich von Beginn an knüppelte die Band munter drauf los, dass es eine wahre Freude sein musste, sich den Fünfer zu geben. Bereits zur frühen Mittagszeit wurde der Deathmetalfraktion ein brutal derbes Brett vor den Rüssel geknallt, das es gewaltig in sich hatte! Ältere und neue Kracher wie Children Of Innocence, Bloodbrother oder The Will To Kill kamen gleichermaßen prima beim Publikum an. Hitzebeständige Die-Hard-Fans der Combo schüttelten ihre Matten bis zum ultimativen Exitus! Die Amis wurden völlig zurecht bereits zu früher Mittagszeit spielend, mit großem Applaus bedacht und bei jedem einzelnen Song regelgerecht abgefeiert. Manch einer staunte nicht schlecht über die Combo, die mit ihrem kompromisslosen Oldshool-Deathmetal mit leichtem Slayer-Einschlag jederzeit zu überzeugen wusste. Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch im Halbschlaf lag oder die Band bis dato überhaupt noch nicht kannte, wurde spätestens jetzt richtig wach, nachdem er von dieser tonnenschweren Stahlwalze aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gnadenlos überrollt wurde. Malevolent Creation entfachten ein wahres Todesblei-Inferno für alle eingefleischten DeathmetalanhängerInnen, das bei knallender Hitze sichtbare Spuren hinterließ.
Brettharte, sägende Gitarren, schnelle, treibende Bassläufe, arschtightes Drumming und dazu ein Sänger, dessen Growls eindeutig in die erste Liga des Todesblei-Genres gehören: nach Ende des Sets wurden lautstarke Zugaberufe im Publikum vernehmbar. Zwar war der Platz zu dieser Zeit noch nicht ganz so zahlreich mit Leuten gefüllt als bei später agierenden Bands, doch diejenigen, die den Amifünfer sahen, bekamen eine kräftige Vollbedienung vom Allerfeinsten geboten. Wer diese Truppe nicht gesehen hat, hat definitiv etwas verpasst. Gnadenlos thrashig, technisch versiert, punktgenau und voll auf's Maul. So muss ein amtliches Deathmetalbrett klingen.
Fazit: eine Band, die nächstes Jahr unbedingt wieder auf dem W:O:A spielen sollte, schon allein deswegen, um bei Gelegenheit möglicherweise endlich mal ein längst überfälliges Livealbum mitzuschneiden. Um es kurz zu machen: exzellent! Toschi

Sentenced (Black Metal Stage, 02.08.03)

Eine für Wacken recht ungewöhnliche Mucksmäuschenstille herrschte zunächst trotz der gewaltigen Publikumszahl vor der Bühne als die Finnen Sentenced die Black-Stage betraten. Dies sollte sich jedoch spätestens nach jedem einzelnen gespielten Song ändern.
Ähnlich wie bei einigen mittlerweile anderen schon lange nicht mehr unbekannten Bands erfreute sich auch der Finnenfünfer großer Beliebtheit. Während des gesamten Autritts herrschte eine gute bis ausgelassen-fröhliche Stimmung im Publikum, und das zu recht früher Abendstunde. Sentenced brachten einen gut dosierten Set, das überwiegend aus Stücken aus den Anfangstagen der Band als sie noch klassischen Heavy Metal mit leichtem Deathmetal artigem Gesang spielte und ihren aktuelleren stark Gothicmetal lastigen Alben bestand. Doch bevor die zahlreichen Fans mit klassischem Metal vom Feinsten verwöhnt wurden, gab's zunächst einmal drei klar gothicmässig angehauchte Songs des Fünfers um den charismatischen Frontmann Ville Laihiala für die zahlreichen Fans der Finnencombo.
Sphärische Stücke wie Sun Won't Shine verfehlten ihre Wirkung zwar nicht, doch am besten rockten die Finnen bei ihren älteren Songs wie Farewell, Nepenthe, The Suicider, Moon Magic oder New Age Messia. Dementsprechend steigerten sie sich nach eingangs recht verhaltenem Beginn. Endlich wachte auch das zunächst recht erstaunte Publikum in den hinteren Reihen auf und Sentenced wurden mit zunehmender Spielzeit immer besser. Frontmann Ville gab wiedereinmal alles und drehte unermüdlich seine Runden mal nach rechts, dann wieder nach links rotierend, dann in der Mitte.
Bei alten Krachern wie Nepenthe, The Suicider etc. wurde langsam und allmählich auch die Gitarrenfraktion aktiver, was deutlich am zunehmenden Stageacting und Headbanging der Musiker sowie des Publikums vor der Bühne erkennbar war. Als Frontmann Ville beim letzten Stück des gelungenen Sets mit der Ansage »Let's Get A Little Bit Crazy« das Publikum anfeuerte und nur wenige Augenblicke später eine oberamtliche Coverversion des Maiden-Klassikers The Trooper aus den Verstärkern dröhnend folgte, klinkten die Fans reihenweise aus. Einen schöneren Abgang für's WOA-Publikum hätte man seitens der Band nicht wählen können. Aus meiner Sicht gehört die sympathische Finnentruppe neben Annihilator und Running Wild zu den Abräumern und somit großen Gewinnern des 14. W:O:A, punkt, aus Ende - obwohl sie (aus meiner Sicht) eigentlich wesentlich günstiger platziert im späten Abendprogramm hätte spielen müssen ... Toschi

Rage
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Rage (True Metal Stage, 02.08.03)

Zum ersten mal, seit Rage in der Besetzung Wagner, Smolski und Terrana, komme ich in den Genuß eines ihrer Konzerte. Ich war, damals schon zu Trapped-Zeiten, begeistert von den Live-Qualitäten der Band. Und auch diesmal sollte ich nicht enttäuscht werden.
Von alten Klassikern bis zum relativ neuen Stuff wurde alles in wunderbarer Rage-Manier runtergezockt. Dass die Band musikalisch mit Leuten wie Smolski und Terrana noch ein Quentchen nach vorn gekommen ist, dürfte jedem klar sein, was mich aber extrem beeindruckt hat, war die gute Stimmung auf der Bühne. Der glatzhaarige Peavey moshte sich bei jeder Gelegenheit das Kleinhirn weich, Mike Terrana verprügelte sein Drum, als wäre es seine Schwiegermutter und Victor Smolski zelebrierte sein Gitarrenkönnen, aber nicht, ohne auch gelegentlich mit der Matte zu wackeln. Musikalisch ein perfekt inszeniertes Konzert (Viele haben sich bei Straight To hell gefragt: aus welchem Film kenne ich den dieses Riff?), das nur noch durch die gute Stimmung, den verdammt gut aufgelegten Peavey und die noch minutenlang andauernden Chöre nach dem letzten Lied (Higher Than The Sky) getoppt wurden. Platz zwei in meiner Wacken Ranking Liste. Ulath

Stratovarius (True Metal Stage, 02.08.03)

Das diese deutsch-finnische Powermetalformation mittlerweile längst nicht mehr zu den Unbekannten in Europa bzw. auf dem W:O:A gehört, dürfte eh den meisten klar sein. Dementsprechend proppevoll war denn auch der Platz vor der True-Metal-Stage. Die Fans standen Reihe an Reihe dicht nebeneinander gedrängt, um dem Gastspiel von Guitarmastermind Timo Tolkki und dessen Crew zu lauschen.
Vom Stageacting her betrachtet, gehörten die Finnen noch nie zu den Allerbesten, so auch an diesem Abend nicht. Dieser Nachteil wurde jedoch durch ein sehr sicheres und technisch unheimlich hohes musikalisches Niveau mit Leichtigkeit wettgemacht, zumal auch die Songauswahl am Samstagabend absolut passte, wie der Allerwerteste auf den Deckel! Stratovarius ist ein Name, der bereits seit Jahren für erstklassige Qualität in punkto Powermetal bürgt. Davon konnte sich ein großes, zahlreiches Publikum überzeugen.
Im Gegensatz zu den später folgenden Gamma Ray beging die deutsch-finnische Band nicht den Fehler, alte Klassiker außen vor zu lassen, sondern präsentierte ihren Fans ein Best-Of-Programm, passend zum internationalen Heavy Metalevent, wie es besser nicht sein könnte: schon der Einstieg mit dem überragenden Opener Kiss Of Judas liess von der Combo eine Menge erwarten, die sich auch nicht lumpen liess und den Fans reihenweise Klassiker wie Hunting High And Low, Against The Wind, Speed Of Light, Twilight Symphony, Forever Free, Visions, Paradise oder Black Diamond entgegenschleuderte.
Das einzige, was zuweilen ein wenig befremdlich wirkte, waren Sänger Kotipeltos Ansagen, dass die Schweden gern laut und heftig feiern würden, ist der Mann Schwede? Dann wird diese Aussage umso verständlicher, ansonsten bleibt festzuhalten, dass er diese Ansage zweimal ans Wacken-Publikum richtete, das nicht nur aus schwedischen Metalfans allein bestand. Keine Ahnung, was sich der Stratovarius-Shouter dabei gedacht hat ... Wie dem auch sei: Stratovarius lieferten eine grundsolide Vorstellung und erhielten nicht umsonst zahlreiche positive Resonanzen seitens glücklicher und zufriedener Fans, die während des Sets viel applaudierten. Massenhaft dem gehörnten zum Gruße erhobener Hände sprechen Bände. Damit gehörten Stratovarius eindeudig zu den großen Abräumern des Events! Ein Bringer. Toschi

Slayer
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Slayer (True Metal Stage, 02.08.03)

Hmpf, ich stehe gerade vor einer meiner schwierigsten schreiberischen Aufgaben. Ich versuche, in den nächsten paar Sätzen, ein Slayer Konzert zu rezensieren und das, wo ich ein ziemlich fanatischer Slayer Fan bin. Eigentlich ja keine schwere Aufgabe, denkt man sich, aber mal der Reihe nach.
Nachdem Slayer, wie gewohnt eine viertel Stunde zu spät, am Samstag Abend die True Metal Stage enterten, traf mich das erste Problem in akustischer Art. Ich hörte nix. Beim Intro der God Hates Us All dachte ich noch: OK, beim Intro ist die Musik immer etwas leiser, doch als ich dann beim darauf folgenden Disciple immer noch nix hörte, war ich doch etwas verwundert. Die Soundschwierigkeiten sollten sich dann das Konzert über nicht wesentlich verbessern, was mir die Möglichkeit einräumte, weiter nach vorn zu gelangen, da sich ein Drittel der Besucher während des Konzertes wieder zu den Zelten schlich. Dies hatte, neben dem miesen Sound, vor allem einen zweiten Grund: Ich habe noch kein Slayer-Konzert gesehen, wo sie so wenig Lust am Spielen hatten. Man kam sich wirklich vor, als müssten die Jungs den Sch*&%-Gig in Wacken hinter sich bringen, um wieder ins gemütliche Hotelzimmer zu kommen.
Tom Araya fiel die leicht aggressive Haltung des Publikums auf und versuchte am Schluss des Sets zumindest ein wenig zu beschwichtigen. Musikalisch gibt es nichts Negatives zu dem Konzert zu sagen, die Jungs sind halt Profis und haben, wie es sich für ein Festival gehört, einen bunten Mix aus alt und neu gemacht. Was mich allerdings sehr verwundert hat war, dass sie die komplette Reign In Blood am Stück durchgespielt haben. Doch trotz der guten musikalischen Leistung kann ich nur ein schlechtes Resümee aus diesem Konzert ziehen. Neben dem viel zu leisen Sound (für den die Band nichts konnte) war für mich die extrem arrogante und lustlose Haltung der Band auf der Bühne der Hauptgrund, dieses Konzert nicht positiv zu bewerten. Als langjähriger Fan sehe ich mit etwas Abstand über einen schlechten Abend hinweg, aber für Leute, die Slayer noch nie vorher gesehen haben, wird dieser Abend (leider negativ) prägend sein. Ulath


In diesem Jahr spielte das Wetter außerordentlich gut mit, obwohl es mir persönlich wieder mal eine ganze Spur zu heiß gewesen ist, doch das soll kein Grund zur Kritik am W:O:A sein. Alles in allem war die Organisation gut. Ordner und Hilfskräfte, weitestgehend freundlich, die Preise für Essen, Trinken und die angebotenen Waren lagen weitestgehend im erschwinglichen Rahmen und die WCs waren sauberer als in den vergangenen Jahren zuvor. Mit Ausnahme der Dixis, das lässt sich jedoch eh nicht ändern, da für ein Dixi-Klo eigentlich nur ein Motto gilt: wenn's um die Wurst geht ...! Wer sich mittlerweile noch immer über den Gestank bei den WCs und die 50-Cent WC-Benutzungsgebühr beschwert, möge sich doch bitte ein aufblasbares Dixi mitnehmen, sich eines schnitzen, stricken, basteln, bauen, malen, zaubern, für's Festival einfliegen lassen oder sollte gar nicht erst nach Wacken kommen.
Die angebotene Food- und Warenpalette an Verpflegung, auf der Plattenbörse, dem Metalmarket im Paulaner Biergarten ( übrigens ein guter Orientierungspunkt), sowie der Service der Prince-Denmark-Waschstrasse etc. lagen wieder einmal in einem äusserst fairen Rahmen. Es fanden zahlreiche interessante sprachliche und gedankliche Konversationen mit Menschen anderer Kulturen statt. Das ist geradezu unglaublich, wenn man bedenkt, dass an diesem Wochenende locker mehr als 30.000 Fans ein kleines Hundertseelen Dorf irgendwo am Ende der Welt eine Woche lang unsicher machen und eine riesige Metal-Party feiern, wie sie multikultureller, humaner und somit vorbildlicher für die Gesellschaft nicht sein könnte!
Es wäre gut, wenn sich das Rockhard dazu durchringen könnte, das W:O:A wieder in die Hard-Union aufzunehmen. Nicht nur allein aus dem Grund, weil das W:O:A Europas größtes Hardrock- und Metalfestival ist, sondern weil die Veranstalter aus meiner Sicht weder Kosten noch Mühen gescheut haben, Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr vorzunehmen und einzuführen, wie sie es im anschließend zum Festival folgenden Rockhard-Interview mit Götz Kühnemund zugesagt haben.
Die Gewinner des Festivals heißen aus meiner Sicht Running Wild, Annihilator, Testament, Sentenced und Malevolent Creation sowie das W:O:A bzw. dessen Veranstalterteam selbst. Ein würdiges Festival, bei dem wirklich schon aus rein organisatorischer Sicht so ziemlich alles stimmte! Auf ein schwermetallisches 15. Wacken im nächsten Jahr, dann hoffentlich mit dem gesamten Met@llic-Team!
Die große Enttäuschung des diesjährigen W:O:A heißt für mich eindeutig Gamma Ray. Die Band weigerte sich konsequent, ihre Klassiker zu spielen. Mastermind Kai Hansen glänzte mit der feinen Aussage, dass man seitens der Fans gar nicht erst auf die Idee kommen solle, sich Stücke wie Rebellion In Dreamland zu wünschen, es würde sowieso nicht gespielt. Schließlich sollte man auf Europas größtem Hardrockfestival bei einer Band dieser Klasse normalerweise davon ausgehen können, dass sie ein Best-Of-Programm für ihre Fans spielt, welches zwangsläufig deren Klassiker beinhaltet. Pfui, Herr Hansen (*Naserümpf*) - eine solche Einstellung stinkt!
Alles in Allem war das 14. W:O:A wieder ein interessanter Event und ein voller Erfolg, mit zahlreichen Überraschungen. Mein größter Wunsch für's nächstjährige 15. Jubiläums-W:O:A wäre ein Headliner vom Kaliber Iron Maiden oder Judas Priest für den zweiten Tag. Toschi


alle Bilder (C) www.Metaltix.com


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Biografie:

Biografie: Stratovarius

Interviews:

Interview: Annihilator, 28.03.2002 Riff Puzzle
Interview: Sentenced, 21.05.2002 Alkohol und seine Ausmaße, oder auch einfach »nur« ein day off!!!
Interview: Rage, 22.04.2002 Mit Stress im Nacken kann man nicht komponieren

CD/DVD-Reviews:

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Live-Reviews:

05.06.2007 bis 09.06.2007: Swedenrock-Festival (Sölvesborg (S))
26.05.2002: Debase, Seven Witches, Annihilator (Ludwigsburg Rockfabrik)
02.08.2001 bis 04.08.2001: Wacken Open Air 2001 (Wacken)
04.08.2007 bis 06.08.2007: 18. Wacken Open Air (Wacken)
20.07.2006 bis 22.07.2006: Earthshaker Festival (Rieden)
24.06.2005 bis 25.06.2005: Bang Your Head-Festival (Balingen)
05.08.2004 bis 07.08.2004: 15. Wacken Open Air (Wacken)
07.04.2003: Saxon, Evidence One (Kassel, Musiktheater)
06.11.2001: Saxon, Rawhead Rexx (LKA - Longhorn, Stuttgart)
12.10.2002: Soilwork, Pain, In Flames (Osnabrück, Hyde-Park)
28.07.2006 bis 29.07.2006: Rock Of Ages-Festival (Seebronn)
04.08.2005 bis 06.08.2005: 16. Wacken Open Air (Wacken)
13.05.2005 bis 15.05.2005: Rockhard Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
22.08.2002 bis 24.08.2002: Summer Breeze 2002 (Abtsgmünd)
04.07.2003 bis 06.07.2003: With Full Force X (Roitzschjora, Flugplatz)


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