Live-Reviews

Deep Purple, Lynyrd Skynyrd, Kickhunter

18.06.2003, Bad Arolsen, Hessentag

Zu meiner größten Überraschung trat die Hamburger Rock 'n' Roll-Combo Kickhunter, die weder auf dem Konzertticket stand, noch dass sie im Vorfeld überhaupt eingeplant war, mit Bassist Markus Großkopf am Bass im Vorprogramm von Lynyrd Skynyrd und Deep Purple auf. Es war den Veranstaltern also tatsächlich noch kurzfristig gelungen, die Band mit ins Billing rein zu nehmen, was sich für dieses Billing als sehr vorteilhaft herausstellen sollte. Der Platz vor der Bühne war bereits gut gefüllt. Kickhunter passten wie der Deckel auf den Eimer ins Rahmenprogramm, legten pünktlich um 19:30 Uhr vom ersten Takt an munter los, absolvierten einen prima Anheizerjob und ließen hinterher mit ihrem gut dreiviertelstündigen Auftritt ein teilweise sehr erstauntes Publikum zurück. Eine schon etwas größere Anzahl von Fans auf dem bereits zu früher Abendzeit gut gefüllten Platz in den vorderen Reihen kannte die Stücke des Sechsers bereits, und sang aus heiseren Kehlen mit. Der Gitarrensound klang erdig und rauh und Rock 'n' Roll Stücke wie Wild Emotions, Smile, Smile, Smile oder Hearts & Bones krachten im traditionellen Kick-Ass-Rock 'n' Roll-Style aus den Boxen, womit von Beginn an eine gute Stimmung im Richard-Beekman Stadion herrschte.

Nach einer knapp zwanzig minütigen Pause folgten die (mit Ausnahme von Molly Hatchet) unumstrittenen Könige des Southern-Rocks, Lynyrd Skynyrd. Bereits seit über dreißig Jahren beherrschen die Südstaatenrocker Lynyrd Skynyrd die Southern-Rock-Szene, zu deren unangefochtenen Größen sie zählen. Auf dem Hessentag in Bad Arolsen gab sich eine Legende die Ehre. Von müde bis antiquiert keine Spur, spielte die Gruppe um Mainman Van Zant ein abwechslungsreiches Programm, das einen interessanten Rückblick auf diese Band vermittelte, die Southernrock-Geschichte schrieb, wie nach ihr keine zweite. Mit Ausnahme von Molly Hatchet dürften Lynyrd Skynyrd die einzige noch lebende Southern-Rock-Legende sein, deren Name Programm für erdige Gitarrenmucke seit den frühen Siebzigern ist. Stücke wie That Smell, Simple Man oder What's Your Name zeigten die Band in guter Verfassung. Man merkte es der Gruppe an, dass sie ihren Auftritt genoss.
Nach der regulären Zugabe Sweet Home Alabama, die selbst ein jeder nicht Southern-Rock-Anhänger im Schlaf mitsingen konnte, verließ die Band zunächst die Bühne, um von frenetischen Fans angefeuert, wieder zurückgerufen zu werden. Die Frage welches Stück die Fans als Zugabe hören wollten, erübrigte sich fast von selbst. Es fehlte natürlich noch ein Titel, der zu einem jeden Konzert dieser Legende gehört, wie die Butter auf's Brot: Freebird! Spätestens jetzt machten sich die echten, eingefleischten Southern-Rock-Fans im Publikum bemerkbar: Lautstarke Freebird-Rufe ließen gar keinen Zweifel daran aufkommen, welcher Song gefordert wurde. Die Band ließ sich dementsprechend auch nicht lumpen und gab noch einmal alles. Freebird erwies sich als der erwartete Gitarrenreißer und das Lynyrd-Skynyrd-Publikum ging zum Abschluß des gut einstündigen Sets der Southern-Rock-Könige ein weiteres Mal begeistert mit. Das einzige Manko an diesem Abend war der zeitweise ein wenig dünne Sound, den die Südstaaten-Combo hatte. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass Lynyrd Skynyrd auch im Rahmen des Hessentags in Bad Arolsen einmal mehr ihrem Ruf als erstklassiger Southern-Rock-Act vollauf gerecht wurden. Eine Institution!

Gegen halb zehn betrat mit Deep Purple eines der Urgesteine des Hardrocks die Bühne. Seit mittlerweile gut fünfunddreißig Jahren im Geschäft und noch immer gut in Schuss, gingen sie mit der Alltime-Hymne Highway Star sogleich mächtig in die Vollen und ließen es oberamtlich fett krachen! Zu jenen Zeiten, als die einzigartige Karriere von Deep Purple begann, waren viele von uns noch gar nicht geboren oder lagen gerade einmal schreiend in den Windeln. Im Vergleich zu Lynyrd Skynyrd stimmte bei Deep Purple der Sound auf allen Ebenen. Filigran-Gitarrist Steve Morse erwies sich auch an diesem Abend als die erhoffte Verstärkung für die britischen Hardrockdinosaurier. Mit ihm haben Deep Purple einen klasse Fang gemacht. Der Ex-Kansas-Gitarrist verpasste dem Fünfer mit seinem virtuosen Gitarrenspiel eine längst überfällige Frischzellenkur wie schon lange nicht mehr. Allein das Spezial-Medley vor Smoke On The Water, das eine gelungene Hommage an weitere Legenden des Hardrocks wie AC/DC und Led Zeppelin darstellte, als die Band »Back In Black« anspielte, um daran anschließend den Mittelpart von »Stairway To Heaven« miteinzubauen, war schon sein Eintrittsgeld wert.
Ausnahmegitarrist Steve Morse präsentierte sich äußerst spielfreudig in bester Form und ließ die Gitarre kreisen, dass man aus dem Staunen schon nicht mehr herauskam. Unglaublich!
Ein breites Spektrum diverser Fan-Generationen genoss einen guten Auftritt der Gruppe, die eindeutig in die Sparte »generationenübergreifende Musik« gehört. Allerdings gab es auch hier ein kleines Manko zu verzeichnen. Die ganz hohen Tonlagen wie zu besten Purple-Zeiten bei Stücken Marke Child In Time erreicht Mr. Gillan zwar schon lange nicht mehr, doch andere zeitlose Klassiker wie Speed King, Lazy, Hush, Perfect Strangersoder den zeitlosen Alltime-Klassiker Smoke On The Water beherrscht der Maestro noch immer fast aus dem Eff Eff. Immerhin geht der gute Mann auch schon stark auf die sechzig zu, doch rocken kann er nach wie vor, nur eben ein wenig langsamer und gediegener als früher.
Die Rhythmussektion mit Roger Glover am Bass und Ian Paice hinter den Drums machte mächtig Dampf, womit jederzeit das Grundgerüst für einen kompakten Sound gelegt wurde. Das Publikum war völlig aus dem Häuschen! Fünfzehntausend Fans feierten eine ausgelassene Hardrock-Party auf dem Hessentag und verwandelten das Richard-Beekmann-Stadion in einen Hexenkessel! Ein gelungener Event, bei dem Wetter, Location, Sound und Einstellung aller drei Gruppen stimmten.

Toschi

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Interviews:

Interview: Kickhunter, 25.09.2007 Kickhunter ist nicht nur eine Band, KH ist eine Lebenseinstellung

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Kickhunter - Little Monsters
CD-Review: Kickhunter - Hearts & Bones

Live-Reviews:

08.06.2006 bis 10.06.2006: Swedenrock Festival ((S) Sölvesborg)


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