Live-Reviews

Reaper

17.05.2003, Kassel, Musiktheater

Reaper

Als Reaper etwa um 21:30 Uhr die Bühne betraten, hatte sich der Saal bereits gut gefüllt, um den restlos überzeugenden Set einer Formation zu bewundern, deren Name im näheren Umkreis von Kassel sowie in Kassel selbst schon lange kein Unbekannter mehr sein dürfte. Zahlreiche krachende Hooks, viele Breaks, herrliche klassische Leadgitarrensoli, oberamtlich fett groovende Gitarren, viele lange Leadgitarrensoli, mächtige Grooves, die geradewegs zum Bangen animieren, kraftvoll treibende Drums - und ein Sänger mit einer prägenden Stimme, die irgendwo im Bereich von Grave Digger Shouter Chris Boltendahl oder ein wenig an Peavy von Rage erinnernd, angesiedelt sogar um einige Oktaven tiefer liegend, stellenweise in den Deathmetalbereich tendiert. Wenn es der Band gelingt, dieses hohe Level zu halten, kann sich nicht nur die einheimische Konkurrenz aus dem klassischen, traditionellen Heavy/Powermetalbereich warm anziehen!
Die von der Band an den Abend gelegte Spielfreude übertrug sich gleich vom ersten Takt an auf's Publikum. Viele Altmetaller sowie jüngere Semester dürften ihr Kommen an diesem Abend nicht bereut haben. Wer krachende Metalhymnen, mal langsam schleppend, häufig aber im Midtempo-Bereich oder im Speedmetal-Stil der klassischen alten Schule vorgetragen zu seinen Faves zählt, liegt mit dieser Band völlig richtig! Den Anfang des knapp über einstündigen Reaper-Sets machte die Speedhymne Fields Of Joy von ihrer aktuellen Mini-CD die sich als exakt passender Opener für einen erstklassigen Gig in der ausreichend gefüllten Dark Area entpuppte.
Nach Fields Of Joy folgte mit Azrael die nächste unentbehrliche Reaper-Hymne. Sänger und Leadgitarrist Daniel kündigte anschließend Goethe's Erlkönig mit den Worten »dieses Stück dürften noch einige von euch aus dem Musikunterricht kennen« an. Reihenweise verwunderte Blicke und lautstarke Lachsalven brandeten in der Dark Area auf, als Frontmann Daniel die verwunderliche Feststellung bekannt gab, dass Reaper in einem CD-Review als »Grave Digger auf Doom« bezeichnet wurden. Daraufhin verfiel fast der gesamte Saal einschließlich Band in ein lautstarkes Lachkonzert. Entweder hat diejenige Person, welche diese Behauptung aufstellte, gewaltig einen im Tee gehabt als sie dieses Review schrieb oder sich die Band hörtechnisch nie richtig zu Gemüte geführt, geschweige denn, sich wirklich intensiv mit der zu reviewenden CD befaßt!
Die gelungene Kate-Bush Coverversion Wuthering Heights fügte sich nahtlos in den Set ein, ehe das gigantische, zunächst leicht doomig angehauchte The Raven, ein klassischer Song, der sich nach kurzem, schleppendem Beginn zu einer gewaltig groovenden Speedhymne steigert, folgte. Danach wurde mit Wolfssong ein Stück angestimmt, das an die Anfangstage des Vierers erinnerte. Ein weiteres beeindruckendes Stück folgte etwa kurz nach der Hälfte des gespielten Sets. Rising From The Sea ist schon lange nicht mehr aus dem intensiven Live-Set der Band wegzudenken.
Den Zugabenteil beschlossen ein gelungenes Slayer Cover (Black Magic) und Judas Priest's (Breaking The Law in einer Slow-Motion-Version). Zwei Stücke, die die ohnehin schon gute Stimmung in der Dark Area vollständig zum Überkochen brachten, wie zahlreiche Zugaberufe des begeisterten Publikums bewiesen. Mit Lucifer's Rising vom 92er Album »The Years Within« liess die Band den gelungen Abend mehr als stilgemäß ausklingen. Das Stück stellte sich als absoluter Volltreffer und Speednackenbrecher erster Güte heraus! Hoffentlich wird es auch bei zukünftigen Live-Konzerten von der Band gespielt. Gnadenlos und voll auf die Glocke, wurde den Fans des Kasseler-Metal-Urgesteins über eine Stunde lang Heavy-Metal pur bis zum Abwinken serviert. Alle dargebotenen Stücke bestachen durch superben Groove, die Band harmonierte gut aufeinander abgestimmt, spielte von Beginn an kompromißlos nach vorn und verfügte obendrein über einen enorm druckvollen Sound!
Einer derart ehrlichen Band wie Reaper wäre der Erfolg auf breiterer Ebene nur zu wünschen. Wer diese grundsolide Combo, die sich im wahrsten Sinne des Wortes den Allerwertesten für ihre Fans abspielt und immer 100 Prozent alles gibt, je einmal live erlebt hat, wird mir hoffentlich Recht geben. Eine restlos beeindruckende Vorstellung, mit der Reaper weiter an Boden gewonnen haben. So und nicht anders muss traditionell unverfälschter Heavy Metal reinsten Wassers klingen. Highsteel-Faktor Zehn, - Daumen hoch!!!

Toschi

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CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Reaper - Victory V
CD-Review: Reaper - Elements

Live-Reviews:

25.12.2008: 4. Masters Of Cassel-Festival (Kassel, Nachthallen)
26.12.2005: Masters Of Cassel-Festival (Kassel, Musiktheater)
16.07.2004 bis 17.07.2004: 5. Rocktown Open Air (Bebra, Biberkampfbahn)
26.07.2003: 2. Himmel Open Air (Hoof, Himmelwiese)


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