Live-Reviews

Rock Hard Festival

09.05.2008 bis 11.05.2008, Gelsenkirchen, Amphietheater

Bei herrlichstem Frühlingswetter steigt unsere Laune auf's sechste Rockhard-Festival in Gelsenkirchen. Mit dem Taxi am Krokuswinkel aussteigend, freuen wir uns auf ein töftes Festival. Das Amphietheater am Rhein-Herne-Kanal ist und bleibt die Top-Adresse für ein unvergessliches Pfingstwochenende vom Allerfeinsten, wir strahlen mit der Sonne um die Wette.
Für den ersten Paukenschlag sorgen die Mädels von Mortal Remains, da es zunächst etwas eng mit dem Platz wird, wobei sie uns halfen unser bereits aufgebautes Zelt ein wenig nach hinten zu verlegen, so dass alle ihren Platz bekommen. Als Freundschaftsgeste revanchieren wir uns bei unserer entgegen kommenden Helferin Sandra, die uns so entgegenkommend bei der »Umräumaktion« unterstützte, mit einem Bier und feiern später noch ein wenig mit den Thrashern Mortal Remains aus Wuppertal, deren CD zum Reviewen an mich überreicht wurde, bis in die Nacht von Donnerstag auf Freitag hinein.
Mit unseren anderen Zeltnachbarn, u. a. Bandmitglieder von Supersoma verstehen wir uns prima, womit ein gemütliches Festival garantiert ist. Das einzig Nervige sind die etwas dummdreisten Emokids ... aaaaarrrrrghh! Keine Ahnung vom Metal, aber sich gerade über das Salz in der Suppe - gemeint ist das Leadgitarrenspiel, beschweren. Ohne das »blöde Gefrickel, das ihm voll auf den Sack geht« wie derjenige es während des Jorn-Gigs beschrieb, fehlt definitiv was! Heavy Metal ohne Leadgitarren??? Nie gehört. Wie bescheuert ist das denn?!? Das geht schon mal gar nich(t)!

The Claymore (09.05.08)

The Claymore eröffnen das sechste Rock-Hard-Festival am Nachmittag in knallender Hitze. Wie immer sind beim Festival-Opener des Freitags noch massig Platzreserven frei. Gut, dass wir auf allen Festivals auch in Gelsenkirchen Sonnenschutzlotion mit Schutzfaktor 30 dabei haben. Jede Gefahr eines Sonnenbrands wird damit sofort im Keim erstickt.
Stilistisch klingt der Fünfer aus Castrop-Rauxel schwer nach Iron Maiden, Edguy und Helloween, genauer dem Gemisch daraus, was in erster Linie dem Gesang von Andreas Grundmann geschuldet sein dürfte, der beinahe verräterisch oft zwischen Bruce Dickinson (Iron Maiden) und Tobias Sammet (Edguy) hin und her tendiert und über ein wirklich ausgezeichnetes Organ verfügt.
Immerhin ist der Fünfer mutig genug, »Trigger« von den Göteborg-Deathern In Flames zu covern, was allerdings nur eingefleischten Fans und Kennern der Schweden auffällt. Die Band nutzt ihre Chance. Schnell bildet sich ein Mini-Fanblock, der fröhlich headbangt. Bei manchen Besuchern macht sich ein unmerkliches Zucken bemerkbar. Alles soweit in bester Ordnung. The Claymore sorgen für einen lockeren Auftakt, und das Eröffnungsbierchen schmeckt.

Stormwarrior (09.05.08)

Stormwarrior kommen ohne viel Federlesens zur Sache. Das Hamburger Quartett legt gleich mit dem Opener »Heading Northe« vom aktuellen Album fulminant los, erntet zunächst neugierige Blicke des vor der Bühne und im Rund versammelten Publikums, ehe anschließend spätestens beim zweiten Stück das Eis gebrochen ist.
Punktgewinn auf ganzer Linie! Denjenigen, die spätestens nach Anhören des aktuellen Stormwarrior-Outputs »Heading Northe« noch immer der Meinung sind, dass es sich hier nach wie vor um eine vielfach mit Helloween ??? zu vergleichende Band handelt, kann sowieso nicht mehr geholfen werden ... oder sie haben schlicht das Signal verpasst. Es ist immer sehr einfach, solch realitätsfremde Behauptungen wie Stormwarrior seien die wahren Helloween aufzustellen, ohne tatsächlich mal die Feinheiten heraus zu hören. Das Kuriosum daran liegt bezeichnenderweise bereits im inhaltlichen Unterschied: Seit wann haben Helloween je mythologische Wikinger-Thematik auf ihren Alben verwendet? Spätestens an diesem Punkt sollte man als Fan ernsthaft ins Zweifeln kommen. Das ist weder in den »goldenen 80ern« noch bis heute der Fall gewesen.
Der einzige Vergleichsansatz mag vielleicht darin begründet sein, dass Stormwarrior und Helloween fast im gleichen Sektor musizieren, wobei mit »Powerspeed« nur die Helloween-Frühwerke Marke »Walls Of Jericho« gemeint sind (bei Keeper Of The Seven Keys Part I und II war der Stilwechsel bereits längst vollzogen!), während ein Großteil des danach entstandenen späteren Helloween-Materials mit Andy Derris eher in die klassische Metalschiene tendiert, während vom Powerspeed früher Zeiten mit Kai Hansen allenthalben recht wenig übrig geblieben ist, somit kann von »Powerspeed« grundsätzlich schon lange keine Rede mehr sein!
Aha, merkst was? Da Kai Hansen der Band in der Vergangenheit oft hilfreich unter die Arme griff, diesmal jedoch für den Gesang überhaupt nicht mehr benötigt wurde, erübrigen sich derartige Vergleiche mittlerweile ganz von selbst, womit auch diese Messe gelesen ist.
Stormwarrior verfügen über ihren markant-ausgefallenen, eigenen Stil, - Punkt, aus, Basta!!!
Bei so viel qualitativ überzeugendem Songmaterial fällt es Musikern und Fans gleichermaßen schwer, die richtige Songauswahl zu treffen. Vereinzelte »Signe Of The Warlorde«-, »Valhalla«-, »Odin's Warriors«-Rufe verhallen nicht ungehört. Alle Stücke werden im Set von der Band präsentiert. Welche Breitseite von den Schleswig-Holsteiner Wikingern auch in die Menge gefeuert wird, das Stageacting stimmt.
Die kleine aber feine True-Metal-Fangemeinde ist jedenfalls zufrieden, obwohl das Amphietheater am Freitag Nachmittag bei weitem längst (noch) nicht aus allen Nähten platzt, da den Hamburgern Stormwarrior die keineswegs einfache, wirklich undankbare Aufgabe zufällt, gleich früh am Nachmittag als zweite Band auf die Bühne zu müssen, weswegen sich die Besucherzahlen im Amphietheater zunächst etwas in Grenzen halten, während der Fankreis vor der Bühne um so mehr Gefallen am Auftritt der besten und zugleich härtesten Powerspeedband hierzulande findet.
Komme nun bitte keiner mit Helloween, Gamma Ray, Iron Saviour, Primal Fear oder gar Freedom Call? Geh fort! Diverse Kracher älteren und neueren Datums »Thunderer«, »Signe Of The Warlorde«, »Iron Prayers«, »Heavy Metal Fire«, »Northern Rage«, »Valhalla«, »Odin's Warriors« (wie lange habe ich drauf gewartet, dieses Stück live zu erleben), »Heading Northe«, »Metal Legacy«, »Into The Battle« usw. bringen die Fanmasse gnadenlos zum Toben und so manche Sicherung reihenweise zum Durchglühen!
Stormwarrior gehören zu der Sorte Bands, die sich absolut einen feuchten Kehricht um irgendwelche Massentrends kümmern! Geradliniger Powerspeed im Teutonenstahlgewand mit Wikingerthematik einschließlich mythologischen Inhalten und geradlinig-truemetallischer Ausrichtung lautet das Motto, dem gefrönt wird, - also definitiv nichts für Weicheier, Emos (was so gut wie das selbe ist), WarmduscherInnen und LeisetreterInnen.
Eine Dreiviertelstunde stilechter Heavy Metal in Reinkultur wie er schöner nicht sein kann, zum Mitbangen, -gröhlen und -feiern für die unverwüstliche KuttenträgerInnenfraktion der Helloween/Accept/Manowar/Priest/Running Wild-Gilde. Egal welcher Song auch gespielt wird, Stormwarrior bringen den treuen Fanpit zum Bangen und mich gehörig ins Schwitzen!

Lake Of Tears (09.05.08)

Gerade rechtzeitig nach Verzehr eines deftigen XXL-Burgers mit Fleisch, überbackenem Käse und Salat vom Stand ins Rund kommend, werden wir Zeuge der dreiviertelstündigen Offenbarung feinen Flower-PowerDoomHardrocks der Sonderklasse, so wie ihn vielleicht nur eine Band auf diesem Planeten bringt. (Vergleiche zu den stonerlastigen Kyuss, frühen Monster Magnet und The Quill entfallen hier komplett.)
Lake Of Tears beschallen den Rhein-Herne-Kanal mit schleppend-doomigen Düsterhardrockhymnen eingelegt in viel Melodie, versehen mit reichlich Pathos. Wunderschöne Musik zum Abspacen, Tanzen, Relaxen, Träumen und vereinzelt die Matte fliegen zu lassen, je nachdem wie der Lake Of Tears-Set ausfällt.
Trotz leichter Soundprobleme zu Beginn und Ausfall des Basses bei »The Greyman« ist bei Lake Of Tears alles im grünen Bereich, wobei das Stageacting eher zum Kaffetrinken einlädt. Außer dem schnarchnasigen »Like A Leaf« – das trotz Ohrwurmrefrains aufgrund seiner schwachen Livequalitäten (zwischen Studioversion und Live-Umsetzung liegen Welten) wie immer der völlig deplazierte Stimmungskiller im Set der Schweden bleibt, der aus welch unverständlichen Gründen heraus nach wie vor gebracht bitte, bitte, bitte endlich mal komplett von der Setliste gestrichen wird? Warum packen die Psychedelic-Gothic-Doomer um Bandleader Daniel Brenare statt dessen nicht probeweise mal den Überhammer »The Path Of The Gods« oder eine andere Nummer vom kultigen Headstones-Album aus dem Köfferchen?
Ein weiterer Track vom sahnigen »Forever Autumn« täte es sinngemäß auch. Von dieser kleinen Panne abgesehen, bieten Lake Of Tears musikalisch ausnahmslos interessante Kost auf hohem Niveau, während der Bewegungsfaktor bei den Schweden konstant auf der Strecke bleibt.
Der eingeschworene Lake Of Tears-Fanblock tanzt ausgelassen beinahe im Synchronschritt zu Takten von knapp einem Dutzend bunter Lake Of Tears-Perlen wie »Ravenland«, »Sweet Water« etc., die eigentlich keines weiteren Kommentars bedürfen. Im Gegensatz zum völlig verkorksten RockHarz-Gig vor einem Jahr, steigern sich die schwedischen Flower-Power-Doomer enorm, weshalb auch dieser Auftritt zu den besseren der RockHard-History gezählt werden darf, was den kläglichen Absturz beim RockHarz-Gig 07 in Osterode/Förste endgültig vergessen lässt.
Y & T lassen Rike und ich aufgrund dessen, das wir uns beim Essen zu lange fest quatschen, sausen, vielleicht beim nächsten Mal. Auch das gehört zum Kultfestival in Gelsenkirchen.

Testament (09.05.08)

Als Headliner des Freitags angereist zur besten Nachtzeit den Bretterwald stürmend, geben sich die Bay Area-Thrasher um Chuck Billy (zu meinem vollen Entsetzen ohne Saitenhexer Alex Skolnick antretend) Mühe, das recht zahlreich im bestens gefüllten Rund anwesende Publikum zu erreichen.
Mit einem Top-Programm im Gepäck soll der Auftritt der Formation Of Damnation als Höhepunkt des Rock-Hard-Festivals verbucht werden, pfff ... scheiße war’s! Der brutale Nackenschlag kommt spätestens beim Sound! Statt diesen Job einem Fachmann als Techniker vor Ort zu überlassen, der mit dieser Location eingehend vertraut ist, haben die Amis subtilerweise ihren privaten (!) Soundmann am Start, der seiner Aufgabe überhaupt nicht gewachsen, regelrecht überfordert wirkt.
Ein besonders erzürnter Fan ist wie mir in Teil eins der Geschichte durch Aussagen eines Bekannten und verschiedener anderer Leute zu Ohren kam, sogar drauf und dran, dem Kerl aufgrund dieses Umstandes verdientermaßen (?!?) eins in die Fresse zu geben ... weil der Unbelehrbare alle Regler in den roten Bereich fahrend, keinen Gedanken daran verschwendet, woran es liegen könnte, dass der Sound so dermaßen grottenschlecht ist, benötigt er schließlich die Hilfe des Security-Mannes und eines Kumpels des aufgebrachten Fans, womit der Versuch, dem Soundmann die Fresse vollzuhauen, laut Teil zwei der Aussagen, gerade rechtzeitig im letzten Augenblick unterbunden wird.
Selbst nett gemeinte Hinweise, werden vom seiner Materie unkundigen Soundmischer in den Wind geschlagen. Tja, da hilft weder zittern, zedern, fluchen, noch beten ..., obwohl das eklantante Soundresultat völlig mit Recht als ziemlich peinlich bezeichnet werden kann: Bass zu laut, Gesang zu leise, teils fehlende Mitten ... und völlig übersteuert ... nein, - so kann und darf man einerseits Bands der Größenordnung Testament nicht abmischen.
Zwar lässt die Songauswahl der Bay Area-Thrasher keinerlei Wünsche offen, doch einer Band wie Testament, die schon gut zwanzig Jahre im Geschäft ist, muss in der Lage sein, diesbezüglich zu improvisieren, statt es bei dem in permanenter Regelmäßigkeit auftretenden Soundmatsch zu belassen! Allein deshalb hätte seitens der Musiker für die Maßnahme, den bandeigenen Soundmann hinter die Reglerkonsole zu lassen, überhaupt kein Bedarf bestanden, weshalb sich auch nicht alles am Soundmann festmachen lässt, wenn die Band nicht auf ihrer Extrawurst bestanden hätte.
Da schmecken die Würstchen vom Berliner Stand doch wesentlich besser, oder hat bei dieser Entscheidung vielleicht das Management seine Finger im Spiel gehabt? Wenn ja, - Zum Teufel damit! Wenn nein, - selbst Schuld, Leutchens, wenn ihr solchen Dünnbrettbohrern die Tastenkontrolle überlasst. Unfassbar!!!
Testament kommen mit einer Weltklasse-Songauswahl nach Gelsenkirchen, wie sie vielleicht besser nie sein könnte und dann dieses Malheur, Dilemma, Fiasko, Desaster, - ach Scheiße – nennt es einfach wie ihr wollt! »Raging Waters«, »Practice What You Preach«, »The Preacher«, »Reign Of Terror«, »Alone In The Dark«, »C.O.T.L.O.D. (Curse Of The Legions Of Death)«, »The Henchmen Ride«, »Low«, alles Kracher vor dem Herrn ... was hätte das trotz des wiedereinmal durch Abwesenheit glänzenden Mr. Skolnicks, dem es fadenscheinigerweise unmöglich war, etwas Zeit fürs Rock Hard-Festival zu erübrigen, für einen Bomben-Gig gegeben, zumal der nach längerer Krankheit genesene Mister Billy als fleißiges Bühnentier eigentlich zu den besten Frontmännern im Thrashbereich gehört.
Zwischenzeitlich nimmt der oft auch mal bangende Sänger sein Mikro, zockt beständig Luftgitarre, stachelt das Publikum an und baut mittlerweile sogar extrem tiefe Deathgrowls in den Gesang mit ein, die jeder Deathmetalband zur Ehre gereichen. All diese Trademarks helfen kaum. Die reichlich deplatzierte Ansage von Chuck Billy, der sich die Blöße gibt, das Rock Hard Publikum willkommen zu heißen, sowie das ständige Anschubsen von Gitarrist Eric Peterson, der den Fronter an seinen Gesangseinsatz erinnert, ist der Gipfel eines reichlich desolaten Auftritts, über den schnell das Mäntelchen tiefsten Schweigens gedeckt werden muss. Derartige Schnitzer können vielleicht einer blutigen Anfänger-Schülercombo unterlaufen.
Immerhin schüttelt zumindest ein Teil des treuen Die-Hard-Fanblocks beständig das Haupt zu den genannten Brechern. Viel zu wenig für eine große Thrashband wie Testament, die gemessen an ihrem sonstigen Leistungsniveau zu den besten ihres Fachs gehört. Jene Formation Of Damnation, der ungeachtet des Ausfalls von Celtic Frost schon im Vorfeld zahlreiche Fans entgegen gefiebert haben und an diesem Abend mehr als bitter enttäuscht wurden!
Wenigstens bleibt die aktuelle Studioabrißbirne »The Formation Of Damnation« als kleiner Trost bestehen. Eine wirkliche Rechtfertigung für dieses inakzeptable Fiasko plus hochgradiger Müllproduktion erübrigt sich nahezu komplett! Ich hätte mir nie träumen lassen, einmal folgende Zeile festzuhalten: Die für die Schweizer-Deathmetal-Legende Celtic Frost eingesprungene, stolz angekündigte Formation Of Damnation, Testament, entpuppt sich als desolater Reinfall des 6. Rock Hard-Festivals! Sehr dürftig.
Am nächsten Morgen hält sich meine Ernüchterung trotz des Tesamentdebakels in Grenzen. Sonnenaufgang überm Rhein-Herne-Kanal, einige schlaftrunkene Gestalten sind unüberhörbar viel zu früh morgens unterwegs! Spätestens als die Sonne bei uns ins Zelt sticht, ist es mit dem Schlaf vorbei. Der Samstag wird lang und hart, schießt es mir gleich nach dem Aufstehen durch den Kopf. Heute geht's richtig ab! Kein Wunder, wenn auf der Setlist des Tages nacheinander Moonsorrow, Helstar (im Remnants Of War-Line-up!), Enslaved, Exciter, Amorphis, Exodus und Immortal aufgeführt stehen ... Dieses superbe Traumbilling will ich um keinen Preis der Welt verpassen! Jetzt erst einmal waschen, Zähne putzen, eincremen, die üblichen Verdächtigen Hygienemaßnahmen vornehmen, frühstücken und dann weiter sehen.

Moonsorrow (10.05.08)

Die Gesichter in roter Kriegsbemalung eingefärbt, löst der Finnenfünfer frenetischen Jubel im Auditorium aus und sorgt gleich mal eben für das erste Highlight des noch jungen Tages! Neben dem eingeschworenen Fanklientel sind es auch viele, die in Gelsenkirchen Gelegenheit haben, diese echte Ausnahmeband im Viking/Paganmetal zum erstenmal live zu sehen.
In der am frühen Nachmittag begrenzt zur Verfügung stehenden Spielzeit laufen die Männer aus Suomi zur Hochform auf. Nein, mit Bierseligkeit, Humpa- und Polkagedöns haben Bathorys potenzielle Erben(?) glücklicherweise definitiv rein gar nichts am Hut!
Schweißtreibende Rhythmus- und reichliche Tempowechsel in Verbindung mit düsteren Stimmungskontrasten stehen auf dem Programm der Finnen, die trotz mörderisch knallender Hitze vom begeistert mitgehenden Auditorium abgefeiert werden und sich danach völlig zurecht verdientermaßen wie Sieger fühlen dürfen als die Truppe erhobenen Hauptes den Ort des Geschehens verlässt.
Schweiß, Blut und Ehre im Zeichen von Schnee, Frost und Eis und das bei fast sommerlich drückend heißen Temperaturen. Genial Verrückt! Überschwengliche Zugabeforderungen nach Ende des Sets bestätigen den seit Wochen beständig anhaltenden Aufwärtstrend der Finnen dank Studioalben wie »Vides Luku - Hävitetty« diesmal auch live on Stage. – Großartig!

Helstar (10.05.08)

Die im original »Remnants Of War«-Line-up angereisten Texaner brennen nach fünfzehnjähriger Abwesenheit der beiden Gitarristen ein astreines US-Powermetalfeuerwerk ab, das sich gewaschen hat! Eine der wenigen Reunions, die tatsächlich Sinn ergibt.
Wenngleich die Gitarrenfraktion bestehend aus Larry Barragan und Rob Trevino, deren Anblick mit den brav zurecht gestutzten Mähnen selbst bei mehrfachem Hinschauen des öfteren fürs Erste noch etwas gewöhnungsbedürftig wirkt, entscheidet vor allem die Musik. Auf ihre Fähigkeiten können sich die synchron zueinander herrlich duellierenden Gitarristen verlassen!
Eine sehr agile Rhythmussektion legt das grundsolide Fundament für Hymnen wie »Nightmare Suicide«, »Run With The Pack«, »Winds Of War« oder »Multiples Of Black«. Über all dem Ganzen thront der majestätische, in jeder Hinsicht erhabene Gesang von Ausnahmevocalist James Rivera, der stimmlich und in punkto Bühnenpräsenz zu den Weltbesten seines Fachs gezählt werden muss.
Leider ist die herrliche Lektion trendfreien US-Oldshool-Metals nach gerade fünfundvierzig wie im Fluge vergehenden Minuten auch schon wieder vorbei. Dennoch freut sich die Band über ausreichend positive Publikumsresonanzen. Mehrfache Zugaberufe, der Rezensent dieses Artikels und ein begeistert applaudierendes Auditorium sprechen für sich!

Enslaved (10.05.08)

Enslaved gehören neben Darkthrone, Mayhem, Burzum, Immortal und Emperor zur Speerspitze der frühen norwegischen 90er-Blackmetalbewegung. Mit Ihrer gegenwärtigen Mixtur bestehend aus Pagan/Blackmetal und progressiven 70er-Jahre-Einflüssen Marke Rush, Pink Floyd usw., spalten die Norweger zahlreiche Gemüter und können mit zunehmender Dauer nur bedingt beim Gelsenkirchener Publikum zumindest teilweise punkten.
Nach schleppendem Beginn entfalten die langatmigen Songs ihre Wirkung. Bei der Auswahl ihrer Setlist bedienen sich die Norweger durchweg ihrer neueren Alben jüngster Vergangenheit, womit durch die Bank weg nur Material von »Isa«, »Ruun« und »Below The Lights« dargeboten wird.
»Path To Vanir«, »Fusion Of Sense«, »Bounded By Allegiance«, »Violet Dawning«, »As Fire Wept Clear«, »Isa«, »Return To Yggdrasil« und »Ruun« sorgen bei Enslaved-Fans der frühen Alben des norwegischen Fünfers, denen brachial schneller Knüppelblackmetal erster Stunde vorschwebt, für lange Gesichter.
Die Anspruchsvolleren unter den Extremmetallern denen das neuere Material der norwegischen Blackmetaller liegt, bangen nach Herzenslust. Der Gig zeigt, dass Enslaved ihren alten Pfad lediglich in Bezug auf rasende Geschwindigkeit schon seit Mitte der Neunziger verlassen und mit progressiven Einflüssen kombiniert haben, ihren Wurzeln allerdings noch immer treu geblieben sind.
Durchwachsener Gig für die einen, großartiger Gig für die anderen; ergibt unterm Strich zumindest ein achtbares Ergebnis vor speziellem Publikum. Enslaved haben keineswegs enttäuscht, sind reifer geworden und spieltechnisch um so wertvoller einzustufen!

Exciter (10.05.08)

Kanadas Urgestein in Sachen Speedmetal drischt seinen Fans erwartungsgemäß ein Speedgeschoß nach dem anderen um die Ohren. Nostalgiefans, Frickelfreaks, Hardliner, Oldshooler und Geschwindigkeitsfanatiker kommen spätestens jetzt durchweg auf ihre Kosten. Treue Exciter-Fans lassen permanent ihre Matte im Rund kreisen, während zahlreiche HärtnerInnen denen die kanadischen Speedster, die als Erfinder des Speedmetals Schwermetallgeschichte geschrieben, (den Heavy Metal geschwindigkeitsmäßig in eine neue Dimension führend, somit wenn auch unwissentlich in nie gekannter Weise wie keine andere Band nach ihr beeinflusst haben) bislang unbekannt sind, ziemlich blöde Gesichter machen.
Der Einstieg erfolgt prompt mit »Thrash Speed Burn«, dem Titel des saustarken aktuellen Scheibchens der vier Holzfäller, wie er besser kaum gewählt sein könnte! »Violence & Force«, »Heavy Metal Maniac« und das knappe Dutzend weiterer Kracher lösen reihenweise innere Jubelstürme und wahre Glücksgefühle in den Köpfen gestandener MetallerInnen aus.
Allein Exciter-Bandboss John Ricci beim Gitarrespielen zuzuschauen ist eine wahre Augenweide. Der neue Frontmann Kenny Winter überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie, pusht beständig das Publikum, holt letzte Reserven aus den schwitzenden Fans heraus, womit sich der sympathische Sangesakrobat als echter Gewinn für Exciter entpuppt, der dem Vierer hoffentlich noch lange erhalten bleiben wird.
Leider geht dieser hammerfette Set ähnlich wie das beeindruckende Helstar-Gastspiel in Gelsenkirchen beinahe viel zu schnell vorbei. Exiter zeigen einmal mehr, dass sie kein Retro sein wollen, sondern hundert Prozent ungekünstelt, ehrlich, pflichtbewusst, gezielt und mit extrem viel Schmackes in die Fresse hauen! Speedmetal in rauher Vollendung, rotzig roh, direkt, schnell, kraftvoll, straight, dynamisch. Eine Legende mit Seltenheitswert, die man sich wirklich nicht oft genug auf Konzerten geben kann, sofern sich Gelegenheit dazu bietet. Exciter schreien euch das Wort M e t a l ins Gesicht! Thrash, Speed, Burn! - Geil, Geil, Geil!

Amorphis (10.05.08)

Wie lange musste ich darauf warten, diese Band einmal live zu sehen. Am frühen Samstag abend ist das Amphietheater erstmals prächtig gefüllt. Kurz vor Spielbeginn stürmen abrupt scharenweise Leute ins Rund. Die Entscheidung, mir gleich noch während der Umbaupause einen Platz an der Sonne zu sichern, erweist sich schließlich als goldrichtig!
Amorphis aus Finnland stehen für Deathmetal, folkige Melodien, siebziger Anleihen, vermischt mit etwas Prog und klassischem Heavy Metal; woraus sich eine hochexplosiv-eigenständige Mischung ergibt. Dank Sänger Tomi Joutsen mit der knackigen Rastamähne befinden sich die Finnen auch live endlich wieder auf dem richtigen Weg. Der Mann wirkt wie eine Frischzellenkur im zuvor sandverstopften Getriebe, dem zwischenzeitlich der Schmierstoff arg ins Trocknen geriet.
Nach vorübergehender Schwächephase um die Jahrtausendwende als man sich weit gehend von den Metalwurzeln verabschiedete, hat sich die Band eines besseren besonnen und steht seitdem wieder für hochwertige Qualität, kreatives Schaffensniveau und starke Liveauftritte.
Der kleine Amorphis-Shouter mit der knielangen Rastamähne ist schon rein optisch ein wahrer Blickfang. Durch unermüdlichen Arbeitseifer die Menge permanent anfeuernd und pushend, zeigt das umfangreiche Stimmvolumen (von Klargesang bis Deathgrowls hat Joutsen so ziemlich alles drauf) des Shouters mit der überlangen Mähne schnell Wirkung bei den Fans im Amphietheater; sie fressen dem kleinen Amorphis-Fronter regelrecht aus der Hand! Wirklich beeindruckend, wie sicher Tomi die Menge im Griff hat.
Das zwischen packenden Grooves und Tempowechseln pendelnde Material kommt bei den ausgelassen bangenden Fans im Amphietheater an. Der ausgelassen tanzende und feiernde Fanpulk im Amphietheater hat keine Chance, sich der superben Materialauswahl die zwischen Klassikern (»The Castaway«, »Drowned Maid«), ohne Growls dargebotenen Songs vom Tuonela-Scheibchen sowie einem Deathmetalgeschoss vom Amorphis Debüt »The Karelian Isthmus« hin und her pendelt, zu entziehen.
Der gesamte Set lässt eine motiviert abgehende Amorphis-Fanschar vor Glücksseligkeit strahlend im siebten Himmel schweben. Damit sind die Finnen resonanzmäßig heimlicher Headliner des Samstags. Es gibt nur wenige Formationen, denen es vergönnt ist, ein solch dichtes Maß purer Live-Atmosphäre auf der Bühne freizusetzen. Satte Gitarrenwände einer insgesamt recht locker aufgelegten Band tun ihr übriges, um das Stimmungsbarometer im Amphietheater am frühen Abend in obere Bereiche zu navigieren.
Den krönenden Abschluß des Klassegigs der Nordlichter bildet standesgemäß der ultimative Amorphis-Rausschmeißer »Black Winter Day«. - Amorphis haben auf ganzer Linie überzeugt!

Exodus (10.05.08)

Puuuh! Während Exodus spielen habe ich richtig »den Kanal voll«, bin exakt auf die Minute pünktlich und immer noch stets Herr meiner selbst. Muss wohl am für meine Verhältnisse wirklich immens großen Bier-Durst gelegen haben. Trotz erwähnten Zustandes springen bei den Thrashern um Gary Holt und Lee Altus spätestens ab dem vierten Song urplötzlich auch bei mir alle Sicherungen raus! Kein Wunder. Exodus gehören zu den Gründerbands des Thrashmetals und sind live immer eine Macht.
Das gewohnt tödliche Gitarrenkreuzfeuer der Achse Holt/Altus definiert den Begriff Inferno im wahrsten Sinne des Wortes neu! Diese Band gleicht in punkto Härte, Intensität und Vernichtungskraft einer wahren Höllenmaschine! Ungemein fett wie auf ihren letzten beiden Studioalben lassen die amerikanischen Kult-Thrasher auch diesmal die Bretter des ehrwürdigen Amphietheaters beben, will heißen, zahlreiche Fans komplett am Stück allein vor purer Begeisterung völlig ausrasten!!!
Kein Wunder, wer zahlreiche Thrashgranaten durchschlagfähigsten Top-Kalibers wie »Funeral March«, »Children Of A Worthless World«, »And Then There Was None«, »Blacklist«, »War Is My Shepherd«, »In Palace«, sowie den unverwüstlichen All-Time-Klassiker »Toxic Waltz« (muss man dazu noch viel sagen?) im Repertoire hat, dazu über den erwartet knallharten Bulldozer-Sound und ein Kraftpaket wie Rob Dukes als Shouter verfügt, der auf den Brettern alles in Grund und Boden schreit, stampft und brüllt, wobei der Mann den häufig bei vielen Bands schwer vermißten »bösen Blick« draufhat, als wäre die letzte Schlacht im Gange, kann eigentlich kaum wirklich etwas falsch machen.
Nach ihrer kurzen Auszeit Ende der 90er bis nach der Jahrtausendwende sind Exodus besser und erfolgreicher denn je, was gerade auch daran ersichtlich wird, dass momentan fast kaum eine andere Band aus dem Thrashbereich diversen Death/Blackmetalkommandos live on Stage so sehr das Fürchten lehrt, wie das in die Jahre gekommene Thrashurgestein! Dass dieser intensiv-brachiale Live-Gig im Rahmen des Rock-Hard-Festivals auf DVD festgehalten wird, interessiert dabei lediglich am Rande.
Im neuen Line-up klingen die Amis besser und professioneller denn je. Gary Holt und seine Mannschaft sind tourfreudig, fit und durchtrainiert wie noch nie und hinterlassen beinahe überall, wo sie auftreten geschlauchte Fans in Massen. Exodus haben das Feld bereitet, ihr Soll erfüllt; was daran ersichtlich wird, dass die alten Thrash-Heroen sich mit zunehmender Dauer in einen wahren Spielrausch hineinsteigern, der erst damit endet, als ihnen wegen zeitlicher Überziehung der Saft abgedreht wird. Dieses Mißgeschick fällt der Band erst auf, als ihr vom zuständigen Mischer zwecks Einhaltung der ihnen zustehenden Spielzeit unwissentlich im wahrsten Sinne des Wortes (!) bei »Strike Of The Beast« (natürlich darf auch die Granate nicht fehlen!) »der Saft entzogen« wird, weil Amorphis ihren Set um zehn Minuten überzogen haben. Nächstes Mal sollten die Finnen wirklich besser auf die Uhr schauen.
Ungeachtet dessen: dem anschließend folgenden Headliner Immortal, kein geringeres Zerstörerkommando als die norwegischen Ausnahmedüsterheimer um Frontkanonier Abbath, steht wahrlich eine schwer lösbare Aufgabe bevor ... carpe noctem!

Immortal (10.05.08)

Insgesamt können Immortal den Exodus-Gig zwar nicht toppen, kommen aber in punkto Intensität und Power ziemlich nahe ans Thrash-Urgestein heran, womit die Blackmetaller ihrem Status im Billing würdig geworden sind.
Genremeilensteine vom Typ »Blashyrk Mighty Ravendark«, »Battles In The North«, »One By One«, »Tyrants«, »Damned In Black« oder »At The Heart Of The Winter« eingebettet in ein oberamtlich fettes, überraschend klares Soundgewand, bedürfen keiner vielen Worte!
Die Norweger spielen wie fast immer ausnahmslos in ihrer eigenen Liga. Abbaths Feuerspuckeinlage darf ebenfalls nicht fehlen und auch die mittlerweile im Szene-Jargon etablierten Pandabär-Vergleiche der schwarz-weiß-geschminkten Düsterheimer, lassen ihn völlig kalt. Immortal-Bandchef Abbath nimmt selbst die drei ihm in den vorderen Reihen entgegen gehaltenen Pandas schmunzelnd hin und gibt mit dem Zitat des Jahres verdächtigen Satz »These are the real pandas of Northern Darkness« postwendend die passende Antwort auf solche Kindereien.
Drummer Horgh macht den standesgemäß soliden Job hinter seiner Schießbude, punktgenaues Doublebassbombardement bis zum Anschlag und permanentes Dauerfeuer wirken äußerst beeindruckend, während die Gitarrenfraktion bestehend aus Abbath an der Gitarre und Apollyon am Bass enorm viel Druck entfacht, wobei Abbath Organ ohnehin wieder eine Klasse für sich ist.
Der krönende Abschluss eines mega-steilen Samstags im Gelsenkirchener Amphietheater mit ausnahmslos faszinierenden Bands!
Den Samstag noch gut in Erinnerung machen wir uns gegen Mittag auf, das Gelände zu erkunden. Anschließend nehme ich mir etwas Zeit, den Festivalbericht zu verfassen. Den Rest des Tages lassen wir's bis zum frühen Abend zunächst etwas gemütlicher angehen, bis der nächste Programmpunkt bevorsteht: Volbeat! Wie sehr habe ich auf diesen Gig gewartet! Rike hat zunächst überhaupt keine richtige Meinung, was sich aber spätestens nach Volbeat gewaltig ändern soll ... Mein Riecher sagt es mir: Dieser Auftritt verpflichtet!

Volbeat (11.05.08)

Ob Napalm Death zuvor überzeugten oder nicht lässt sich kaum beurteilen, da ich von der englischen Deathmetalcombo um Fronter Mark »Barney« Greenway keine Notiz genommen habe. Wer braucht schon Napalm Death? Ich jedenfalls nicht, - Monster Magnet sind mir wesentlich lieber! Bereits während des Beginns der Umbaubause füllt sich das weite Rund im Amphietheater ganz erheblich. Alle haben’s jetzt furchtbar eilig. Scheinbar will niemand etwas verpassen.
Egal, wo sie hinkommen, überall räumen Volbeat auf ganzer Linie ab. Keine Ahnung, woran es liegt, dass der extrem rasant gespielte Mix aus Heavy Metal, Country und Rock 'n' Roll des dänischen Vierers unheilbar in Kopf, Herz und Beine geht, dass die Massen binnen weniger Takte reihenweise ausklinken! Jede Menge Spaß und eine gesunde Portion Metal/Rockv 'n' Roll versprühend, bringt das locker und leicht auf der Bühne agierende Quartett innerhalb kurzer Zeit mühelos das gesamte Amphietheater zum Kochen!
Mit der Bildung eines gigantischen Circle-Pits, der wie ein Hurrican durch's Amphietheater tobt, während selbst bis in den hintersten Sitzreihen kräftig abgefeiert, gemosht und wild getanzt wird, vervollständigt sich das durchweg positive Gesamtbild, das der Vierer auch bei uns hinterlässt. Lustige Witzeinlagen und das besondere Faible von Fronter/Gitarrist und Bandkopf Michael Poulsen für Elvis und Johnny Cash, wie dieser freimütig zugibt, tragen ebenfalls zur lockeren Stimmung im gesamten Rund bei.
Stimmlich klingt der Volbeat-Leader wie eine Mischung aus Johnny Cash trifft Glen Danzig. Als hätte man's geahnt, folgt mit »Sad Man's Tongue« tatsächlich zur Bestätigung das Cover eines Johnny Cash-Songs. Volbeat mit dem Rollbeat sind derzeit unumstrittene »Band der Stunde«.
Ihr herzerfrischend schneller Metal-Country- Rockabilly'n'Roll-Mix durchzieht die gesamte Metalszene wie ein roter Faden. Auch ich lasse mich gern ohne den geringsten Widerstand von der im Amphietheater grassierenden Volbeat-Mania anstecken und zolle wie viele andere dieser herrlich erfrischend aufspielenden Truppe verdientermaßen Beifall und Respekt.
Gestandene Rocker, Metaller, Punkrocker, Rockabillys, Rock 'n' Roll-Freaks, eventuell anwesende Hippies, Hardliner, sogar manch Ewiggestrige und blutjunges Emo-Volk sind sich in Bezug auf die vierköpfige Dänen-Crew komplett einig: Volbeat burns the Stage! Zweifelsfrei der Abräumer des Tages, können es die vier Dänen auf dem Livesektor locker mit jeder Combo aufnehmen und würden stets Sieger bleiben!

Paradise Lost (11.05.08)

Nach den kultigen Country-Rock 'n' Rollern Volbeat steht nach kurzer Umbaupause pünktlich um 19:00 Uhr mit Paradise Lost die nächste »Pflichtübung« auf dem Programm.
Die Briten sind der nahezu perfekte Typ einer sahnigen Studioband mit spielerisch erstklassigen Fähigkeiten, die mangels ausgiebigen Stageactings am Sonntagabend ein wenig untergehen. Dieses Manko wird dank eines immens druckvollen Gitarrensounds zumindest halbwegs kompensiert. Paradise Lost-Sänger Nick schaut trotz angenehmer Temperaturen des öfteren ziemlich trübe ins große Rund. Hatten wir drei Tage lang Regenwetter in Gelsenkirchen? Tja, Rock am Ring-Dimensionen sind eben eine etwas andere Größenordnung.
An der cremigen Songauswahl der britischen Trauerweiden kann's jedenfalls definitiv kaum liegen, dass nur ein geringer Teil der Fans motiviert abbangt und sich ausgelassen zu Gothic-Metal-Klassikern älteren und aktuelleren Perlen jüngeren Datums wie »As I Die« (nicht schlecht gewählt als Opener, würde sich der ultimative Alltime-Smasher auch super als Schlusstrack eines Paradise Lost-Gigs eignen), »Pity The Sadness«, »Gothic«, »Embers Fire«, »Remembrance«, »Say Just Words« und »One Second« bewegt. Prima Songauswahl.
Das Programm ist wahrlich nicht von schlechten Eltern! Trotz handwerklich ansprechender Fähigkeiten fällt das Stageacting insgesamt ziemlich dürftig und mager aus. Der Die-Hard-Fraktion des Inselfünfers ist's reichlich egal, womit der einstündige Gig zumindest resonanztechnisch noch ein wenig gerettet wird. Gegen den gewaltigen Fanpulk, der kurz vorher am noch recht frühen Sonntagabend voll abräumenden Dänen Volbeat können Paradise Lost heute keineswegs ernsthaft anstinken.

Iced Earth (11.05.08)

Nach der lediglich zu Überbrückungszwecken dienenden Karaoke-Allstar-Jam betritt gegen 21:30 Uhr Abendzeit das von Rock-Hard-Chef Götz Kühnemund angekündigte, heiß ersehnte Top-Highlight des Festivals, auf das nicht wenige (darunter auch Rike und der Verfasser dieses Berichts) schon seit geraumer Zeit sehnsüchtig gewartet haben: Iced Earth!!!
Der mittlerweile ins Yngwie Malmsteen-Camp über gewechselte Tim »Ripper« Owens gilt zweifellos als Sänger mit starken Fähigkeiten, war bei den US-Powermetallern jedoch irgendwie seit er das Mirko anstelle des zurückgetretenen Matt Barlow übernahm, fehl am Platze.
Während des Openers »The Dark Saga« zunächst noch ein wenig nach der passenden Stimmlage suchend, steigert sich Matt Barlow, dessen ausgeprägtes Charisma nach wie vor unübertroffen ist, anschließend in einen wahren Rausch, der sich nahtlos aufs Publikum überträgt. Bis auf die mittlerweile vollständig fehlende überlange Haarpracht des Sängers ist ansonsten alles wie immer, sprich beim alten geblieben. Die Gitarren kommen druckvoll, klar und schneidig scharf. Der wunderbar knallig-fette Schlagzeugsound lässt ebenfalls nicht den geringsten Wunsch offen.
Statt langer Pausen werden fast alle Tracks direkt hintereinander gespielt, ehe sich Iced Earth-Mastermind John Schaffer inmitten des grandiosen Sets aus gutem Grund eine kurze Auszeit nimmt. Sein Dank gilt den zahlreichen Fans, für die seiner Band jahrelang entgegengebrachte Treue. Zurecht, wie sie an diesem denkwürdigen Abend im Amphietheater herausstellt. So darf die zahlenmäßig recht groß vertretene Powermetal-Gemeinde diverse Klassiker wie »Dark Saga«, »Vengeance Is Mine«, »Travel In Stygian«, »Watching Over Me«, etc. bejubeln. Dementsprechend eifrig und zahlreich werden diverse Matten im Moshpit durch geschüttelt, - je nachdem, was Frisurentyp, Längen, Fülle und Spitzen hergeben!
Von zwei Stücken aus der neueren Schaffensperiode (»Declaration Day« und »Ten Thousand Strong«) einmal abgesehen, kommen glücklicherweise nur ältere Stücke aus der Zeit vor Matt Barlow und während seiner Ära zum Zuge, was von den Fans dankbar quittiert wird. Spätestens bei Traumhymmnen wie »Melancholy (Holy Martyr)« und »A Question Of Heaven« rinnen selbst hartgesottensten Iced Earth-Fans erster Stunde fast eimerweise Freudentränen in die Augen!
Mit dem extra langen Überstück Iced Earth vom gleichnamigen Debütalbum lassen die Amis den Abend sinngemäß ausklingen. Bis auf das einzig schmerzhaft vermisste Hymnenhighlight »Angel's Holocaust«, vom starken Zweitling »Night Of The Stormrider« bedankt sich der hoffentlich künftig wieder desöfteren mit dem herausragenden Matt Barlow tourende Floridafünfer auf seine Weise bei den ausgehungerten Fans.
Was wäre die Powermetal-Szene ohne ihren Klassenprimus, Iced Earth, geschweige denn ohne Ausnahmesänger vom Format eines Matt Barlow? Wie ranzige Mozzarella oder Pizza ohne Pilze und Salami! Danke, John und Matt, für einen traumhaften Sonntagabend veredelt durch einen Hammerset beim Rock-Hard-Festival, der noch lange in bester Erinnerung bleiben wird! Das Aushängeschild hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Mit Iced Earth darf wieder stärker denn je zu rechnen sein.
Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle die komplette Iced Earth-Setlist nachgereicht:
  1. The Dark Saga
  2. Vengeance is Mine
  3. Burning Times
  4. Declaration Day
  5. Violate
  6. Pure Evil
  7. Watching over me
  8. Ten Thousand Strong
  9. Dracula
  10. The Coming Curse
  11. Travel in Stygian
  12. A Question of Heaven
  13. Melancholy (Holy Martyr)
  14. My Own Saviour
  15. Iced Earth

Nachwort

Nach dem unübertrefflichen Iced Earth-Showdown befinden wir uns bald wieder in der Realität des Arbeitsalltags. Schade, dass es nun schon wieder vorbei ist. Traditionsgemäß hat auch das sechste RockHard-Festival am Rhein-Herne-Kanal zahlreiche Erinnerungen bei uns hinterlassen, in dessen Rahmen neue Bande geknüpft und alte Verbindungen erneuert wurden.
Metallische Grüße von Toschi und Rike vom Metallic-Zine und ein fettes Danke (!!!) ans gesamte Rock-Hard-Team, das wieder einen sahnigen Event organisiert hat, der wie immer unter dem Motto »von Fans für Fans« stand. Rettungskräfte und die netten Leute der S.E.T.-Security haben ebenfalls wieder einen Klasse Job gemacht! Das härtere, ziemlich bunt gemischte Billing kam prima beim Publikum an.
Vor allem der Samstag hatte es aus meiner Sicht mächtig in sich, aber auch das Restprogramm gefiel. Essens- und Getränkepreise waren human, was ebenso für das Angebot an Speis- und Trank gilt. Auf der unter anderem mit reichlich Raritäten bestückten Metalbörse wurden wir ebenfalls fündig. Schade, dass Celtic Frost wieder nicht gespielt haben, mussten die Schweizer sich denn kurz zuvor auflösen? Testament als Ersatz geht sicher okay, in Rückbesinnung an den gurkigen Auftritt der Band inklusive Soundfiasko kam völlig unverhofft alles ganz anders, was jedoch nicht der Organisation des Rockhard-Teams geschuldet ist, sondern gleich mehreren seltsamen Komponenten, wodurch das Testament-Gastspiel zum Albtraum wurde!
Und natürlich nicht zu vergessen: Der Stand von Schwermetall @ Andy Karsten Iller & Schwermetall-Team: ihr habt uns viel Freude bereitet! Für einen intensiven Austausch würden selbst Stunden nicht ausreichen! Viel Glück für Euren Film, freuen uns jetzt schon darauf! Bis zum nächsten Mal, wenn das Rock Hard-Festival bei vielleicht ebenso traumhaft-schönem Frühlingswetter wie in diesem Jahr zum großen Stelldichein ins Amphietheater, Deutschlands geilster Konzertlocation lädt.
Bitte auch nächstes Jahr wieder mit zahlreichen Bands, Metalmarkt, unschlagbar sahnigem Wetter, so manchen Extras und sucht anregendem Berliner Currywurst-Stand - welch ein Genuß!!! Zu den Gewinnern des sechsten RockHard-Festivals gehörten dieses Jahr: Volbeat, Moonsorrow, Amorphis, Exodus, Helstar, Exciter und natürlich: Iced Earth!!!
Weniger prickelnd, sind Aussagen eines unterbelichteten Emo-Kids, während des Jorn-Auftritts, dass Leadgitarren beim Metal ganz draußen bleiben sollten ... Loses Geschwätz. Weder tragbar, noch in irgend einer Form vertretbar. Wenn dem so ist, gehören solche Leute nicht auf's Festival! Heavy Metal ohne Leadgitarren? Unvorstellbar! Ebensowenig prickelnd wie der katastrophal-schwache Freitag-Shotout!
Das Festival-Highlight aus unserer Sicht war der super Samstag – allein das Billing (The Sorrow einmal ausgenommen), spricht für sich!
@Götz, Frank, Jenny, Jan, Hansi und das gesamte Rock-Hard-Team - ihr seid die Besten!!!
Toschi

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Interviews:

Interview: Iced Earth, 21.05.2001 Kein Fan wird von der neuen Scheibe enttäuscht sein

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11.08.2005 bis 13.08.2005: Party San Open Air (Bad Berka)
18.08.2006 bis 19.08.2006: Summer Breeze 2006 (Dinkelsbühl)
21.08.2003 bis 23.08.2003: Summer Breeze 2003 (Abtsgmünd)
24.06.2005 bis 25.06.2005: Bang Your Head-Festival (Balingen)
04.08.2007 bis 06.08.2007: 18. Wacken Open Air (Wacken)
20.07.2006 bis 22.07.2006: Earthshaker Festival (Rieden)
08.08.2003 bis 09.08.2003: Fun & Crust V (Höchstenbach)
01.08.2002 bis 03.08.2002: Wacken Open Air 2002 (Wacken)


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