Live-Reviews

Rockhard-Festival

02.06.2006 bis 04.06.2006, Gelsenkirchen, Amphietheater

Mercenary (02.06.06)

Mercenary
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Mercenary hielten auf der Kleinen Bühne des Festivalvorplatzes in allen Belangen, was die Ankündigung im Programmheft versprach. Bereits nach den erstem fünf Minuten sprang der Funke auf's Publikum über. Songs wie »Loneliness«, »Hate World Center«, »11 Dreams« usw. wurden unter jubelndem Applaus vom Fanpulk vor der Bühne erwidert.
Die eigenständige Mischung aus Power-, Progressive- und einer kleinen Prise Thrashmetal hatte es in sich. Crowdsurfen, Stagediven, Abmoshen und Pogen lautete die Devise des Abends! Kraftvoll, zielsicher und motiviert ging das Dänenquintett zu Werke. Zahlreiche Fans fanden Gefallen am Auftritt der Dänen und kletterten reihenweise auf die Bühne, um dort weiter abzurocken, ehe der Sprung ins Publikum folgte. An dieser Stelle sogleich ein dickes Lob ans freundliche Security-Team, das alles bestens unter Kontrolle hatte.
Mercenary räumten schon am Warm-up Tag mächtig ab. Meiner Maus gefiel's ebenfalls. Langanhaltende »Mercenary, Mercenary«-Rufe und laut gegröhlte Zugabeforderungen bestätigten der Dänencombo einen prima Gig. (Persönliche Anmerkung: Die Gitarren hätten vielleicht noch einen minimalen Tick lauter gestimmt sein können). Den positiven Gesamteindruck trübte dieser nicht wirklich ins Gewicht fallende Umstand keineswegs.
Nach dem packenden Mercenary-Auftakt räumten die Fans schon mal zufrieden den Platz, ehe nach knapp zwanzigminütiger Umbaupause der Headliner des Abends (die überraschend wieder unter ihrem alten Namen auftretende schwedische Powermetalkapelle Morgana Lefay) zum Tanz bat. Mir hingegen reichten Mercenary für den Abend völlig aus. Ordentlich warm geworden, hieß es für mich nun etwas Futtern.
Meine Freundin stimmte diesbezüglich widerspruchslos zu. Nach diesem feinen Auftakt bedurfte es keiner weiteren unnötigen Erläuterung dessen, was uns während der nächsten beiden Festival-Tage in Gelsenkirchen noch so alles an Überraschungen erwarten sollte ...! Toschi

Mystic Prophecy (03.06.06)

Mystic Prophecy
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Der Samstag sollte ganz hart für mich werden. Dafür sorgte allein schon der Umstand, dass die buchstäblich in letzter Minute ins RockHard-Billing hinein gerutschten Powermetaller Mystic Prophecy (deren megafetten Killer-Album »Savage Souls« schon jetzt ein fester Platz in meiner Top-Five-Liste sicher ist) das Festival nicht nur zu meiner aller größten Freude eröffnen sollten! Rike freute sich ebenfalls tierisch drauf. Die Band musste noch vor den Holländern Legion Of The Damned, (ein Gig, dem ich ebenfalls schon im Vorfeld mit Spannung entgegen fieberte), auf die Bühne.
Von der eingefleischten Powermetalfraktion des Rockhardfestivals mit offenen Armen empfangen, stellten Fronter Chris Liapakis und dessen Truppe sogleich die Weichen auf Sieg! Satte Gitarrenwände, schnelle Bassläufe, druckvolles Drumming und Sänger Chris' ausgeprägtes Organ ließen diesen energiegeladenen Auftritt zum Erlebnis werden! Einschließlich ihrer Musik gaben die Jungs auch beim Posen auf der Bühne eine mehr als ordentliche Figur ab. Vergesst zahlreiche bereits seit Jahren auf ein und dem selben Level herum dümpelnde biederen Durchschnittskapellen Marke Gamma Ray, Iron Saviour oder Helloween: Künftige Powermetalhymnen für's nächste Jahrzehnt heißen: »Shadows Beyond My Soul«, »Master Of Sins«, »Evil Empires«, »Savage Souls«, »Eternal Flame«, »In The Darkness«, »Nightmares Of Demons«, »Sign Of The Cross«, »Mystic Prophecy« und »Burning Bridges«!
Alle Mystic Prophecy-Songs besitzen ihren ureigenen Wiedererkennungswert. Man gewann beinahe den Eindruck als ob der aus den Flammen hervortretende Dämon den Fans direkt ins Gesicht schreien wollte: Seht her! Wir sind gekommen, die Hölle zu entfachen, macht euch auf was gefasst! Wie auch immer dies nun gedeutet werden mag: Mystic Prophecy entpuppten sich als exakt der Anheizer, den das Rockhard-Publikum am Freitag brauchte, um gleich zu Beginn des Samstages so richtig warm zu werden! Immer lauter durch's Rund des schönen Gelsenkirchener Amphietheaters hallende Zugaberufe und Mystic Prophecy-Sprechchöre verstärkten diesen Eindruck zusätzlich. Mystic Prophecy setzten gleich zum Auftakt des zweiten Festivaltages eine wirklich gut riechende Duftmarke mit erlesenem Geschmack! Toschi

Legion Of The Damned (03.06.06)

Legion Of The Damned
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Hollands derzeit größte Hoffnung in punkto Thrashmetal gab sich keinen Illussionen hin und legte vom Start weg fulminant los, dass die Fans sogleich wussten, wo es langging. Mit ihrem »Malevolent Rapture« betitelten Debüt hatten die ehemaligen Occult in der Extremmetal-Szene schon gewaltig Staub aufgewirbelt, noch ehe sie richtig bekannt wurden.
Live ist der aus Käse-, Coffeeshop- und Windmühlenland stammende Vierer ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Macht. Legion Of The Damned donnerten das erwartet mörderische Old-Shool-Thrashbrett über die Köpfe der Fans hinweg, dessen Sound sich irgendwo in der Schnittmenge von Kreator, Sadus und Malevolent Creation trifft. Nein, hier gab es keine Gefangenen, sondern ordentlich auf die Glocke, - die ultimative Vollbedienung! Selbst der Verfasser dieser Zeilen moshte streckenweise mit, was das Zeug hielt.
Satte Gitarrenwände, Maurice Swinkles kreischendes Organ, Bassist und Gitarrist bearbeiteten die vier bzw. sechssaitige schnell und sicher sowie Erik Fleuren ein wahres Tier an Becken, Fellen und Kesseln ließen der Crowd kaum Luft zum Atmen! Abrissbirnen wie »In The Eye Of The Storm« oder »Bleed For Me« ließen die Pulsfrequenz rasen und den Adrenalinspiegel beinahe im Handumdrehen von Null auf Hundertachtzig nach oben schnellen! Im Pit ging's derweil übelst hoch und heiß her, jetzt gab's kein Halten mehr! Matten flogen, Krawaller pogten, die versammelte Crowd tobte!
Legion Of The Damned spielten straight, brutal, effektiv und sicher wie aus einem Guß! Als sich das Feld vor der Bühne sowie auf den äußeren Rängen im Rund des Amphietheaters nach fast genau einer dreiviertel Stunde Legion Of The Damned wieder auflöste, blieb zumindest bei mir das unweigerliche Gefühl, dass später noch etwas viel größeres, weitaus durchschlag kräftigeres kommen würde ...
Das einzige, was im Nachhinein betrachtet etwas störte, da es für heftige Verwirrung sorgte, war das megabescheuerte T-Shirt von Legion Of The Damned Frontmann Maurice Swinkle, worauf geschrieben stand: "Dackelkopf Deutschland". Nun mal ganz ehrlich Leute, Hand auf's Herz: Wer braucht solchen Scheiß? Na wenn er meint ...
Fazit: Diese Band kann neben allen möglichen Extremcombos bestehen, egal ob sie für Cannibal Corpse, Exodus, Bolt Thrower, Kataklysm, Morbid Angel oder sonst wen anheizt! Toschi

Primordial (03.06.06)

Primordial
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Primordial brachten gut sechzig Minuten Celtic-Doom von der »grünen Insel« (Irland) mit. Anfangs tat sich das sonst sehr aufgeschlossene Rockhard-Publikum mit der Musik der Iren noch etwas schwer, doch mit zunehmender Spielzeit wachte das Publikum im Amphietheater auf und ließ sich mehr und mehr von der Musik des irischen Fünfers verführen.
Primordial sind weder eingängig noch leicht zugänglich. Im Stageacting alles andere als glänzend, wirkt die Band (mit Ausnahme von Shouter Alan) eher unscheinbar und schlaftablettig. Wer ihrer Musik jedoch intensiv und geduldig lauscht, wird allerdings Nuancen entdecken, die ihm/ihr vorher bislang fremd geblieben sind. Sänger Alan Nemtheanga sorgte nicht nur durch seine auffällige Gesichtsbemalung der irischen Flagge für den optischen Farbtupfer des Festivals. Der während des gesamten Gigs keine fünfzehn Sekunden still stehende Frontmann trieb seine kriegerischen Posen auf der Bühne, zog das Publikum beinahe magisch in seinen Bann und feuerte die Fanschar immer wieder und wieder lautstark an. »The Gathering Wilderness«, »The Golden Spiral«, »The Coffin Ships«, »Gods To The Godless« hießen jene Perlen, welche dem tapfer ausharrenden Die-Hard-Fanpublikum geschenkt wurden. Sänger Alan steuerte das Boot ans sichere Ufer. Zahlreiche Fans dankten es ihm.
Zum Schluß brachte die Band in Gedenken an den verstorbenen Bathory-Mastermind Quorthon das Stück»Great Hall Awaits A Fallen Brother«; eine große Geste, die höchste Anerkennung und Respekt verdient, wobei Primordial nach dem Set eine nicht unbeträchtliche Schar glücklicher, teilweise mehr schlecht als recht staunender Fans im Rund des Amphietheaters zurückließen. - Prima! Toschi

Sodom (03.06.06)

Sodom
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Im Anschluß ans Nachmittagsprogramm, baten die Ruhrpott-Thrasher Sodom am frühen Abend zum Tanz. Das Trio genoß sein Heimspiel sichtlich und in den ersten Minuten ging's im Publikum heftig ab, ehe die Stimmung zur Mitte der Sodomperformance allmählich wieder abflaute und es doch ein wenig ruhiger wurde.
Trotz der auffälligen Präsenz des Trios war das Amphietheater zunächst gut, aber fankapazitätsmäßig betrachtet noch immer nicht vollständig ausgelastet. Wer weiß ob's an der wirklich durchwachsenen Songauswahl des Trios lag oder die Ruhrpotthelden gegenwärtig schon lange nicht mehr so groß angesagt sind, wie in ihren besten Zeiten?
Neben einigen alten Klassikern »Outbreak Of Evil« (!) »Ausgebombt«, »Remember The Fallen«, »The Saw Is The Law« und der Abschlußhymne »Bombenhagel« brachten Tom Angelripper, Bobby und Bernemann viele Tracks neueren Datums, was zwiespältige Publikumsreaktionen hervorrief.
Die groß angekündigte Pyroshow der Thrasher war ebenfalls nicht unbedingt das Gelbe vom Ei oder hegte ich in diesem Fall etwa zu hohe Erwartungen? Möglicherweise mussten Angelripper und Co. wegen unkalkulierbar hoher Sicherheitsrisiken ihre Pyroshow verständlicherweise auf ein Minimum reduzieren. Insgesamt zwar ein guter, trotz Heimspielbonus leider auch nicht überragender, geschweige denn bahnbrechender Auftritt. Sodom können definitiv mehr! Zumindest empfand ein Teil der Fans dies ebenso. Toschi

Randalica (03.06.06)

Randalica
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Gleich nach dem Sodom-Gig wurde es eine Viertelstunde noch einmal so richtig wild! Die mit keinem geringeren als Rockhard-Redaktionschef Götz Kühnemund am Mikro besetzte Funmetal-Band der Rock-Hard-Redaktion mit anderen Worten: Randalica gab sich anschließend noch für drei Songs die Ehre: »Tote auffe Tanzfläche«, »Nach uns die Sintflut« und »Potent, willig und Solo« heißen die Schlachthymnen, die jeder Proll- und Biermetaller im Schlaf auswendig kann.
Le Chef Götz erschien dabei im feinen Anzug auf der Bühne, rockte und tobte wie ein Irrer und feuerte immer wieder den heftig abgehenden Fanpulk an. Der Randalica-Bandleader brüllte lautstark seine Schlachthymnen ins Gelsenkirchener Publikum. Randalica bedeutet, Party-Rock 'n' Roll bis die Linse platzt! Sich selbst wieder mal nicht richtig ernst, stattdessen voll auf die Schippe nehmend, legten Götz und Co. auch diesmal wahre Entertainerqualitäten an den Tag und brachten die Stimmung unter den Fans zum Kochen! - Der Mann hat zweifellos Stil! Toschi

Bolt Thrower (03.06.06)

Bolt Thrower sollten für die aus meiner Sicht nicht ganz unerwartete Überraschung des ersten Tages im spätestens jetzt richtig brechend vollen Amphietheater sorgen. Dass die fünf Engländer derzeit auf allen Bühnen eine unschlagbare Macht sind, stellten sie auch in Gelsenkirchen restlos überzeugend unter Beweis. Tonnenschwere Gitarrenriffs, gnadenlose Killerhooks, treibende Bassläufe, derb auf's Freßbrett hauendes Drumming und das herrlich tiefe Organ von Ur-Bolt-Thrower-Sänger Karl Willows ließen gar keinen Zweifel daran aufkommen, dass die britische Deathmetal-Legende an diesem Abend alles in Grund und Boden walzte!
Im Moshpit brach ein im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreibliches Inferno aus! Ein ganzes Meer diverser Langmattenfrisuren kreiste unentwegt hin und her! Bereits nach den ersten Klängen bildete sich in der Mitte eine kleine Traube, die sich innerhalb weniger Augenblicke in einen riesigen Moshpit verwandelte, der gnadenlos bangte, tobte und pogte! Vergleichsweise zu den an diesem Tag etwas hinter den Erwartungen zurück gebliebenen Ruhrpöttlern Sodom stimmte bei Bolt Thrower wirklich alles, was auch der höchste Zuschauerschnitt des Freitages unterstrich.
Druckvoll und punktgenau ließen »Rückkehrer« Karl Willets und seine Crew fast pausenlos den Hammer kreisen, dass keiner mehr ruhig sitzen blieb! Welcher Deathmetalhead kann Extremstahlwalzen Marke »Mercenary«, »Killchain« oder »Cenotaph« usw. schon allen Ernstes widerstehen? Die Briten feuerten kompromißlos aus allen Rohren.
Wer die Band nicht bereits vor dem Rockhard-Festival schon mal irgendwo live gesehen hat, wurde spätestens jetzt mit der Wucht eines gewaltigen Dampfhammers aus den Schuhen katapultiert! Bolt Thrower brannten ein wahres Deathmetal-Feuerwerk ab, welches der nicht minder glorreichen Erstürmung Roms durch die Westgoten durchaus zur Ehre gereicht hätte! Mit »No Guts, No Glory« und »For Victory« folgten die zwei besten Bolt Thrower-Songs passenderweise direkt hinter einander kurz vor Schluß. Mit gewaltigem Abstand zu allen anderen Gruppen des Billings das Highlight des ersten Tages. Prädikat: Besonders wertvoll!!! Toschi

Celtic Frost (03.06.06)

Auf das Highlight des ersten Tages folgte sogleich der Tiefpunkt, der mich völlig unerwartet aus allen Träumen riß: Alles wartete gespannt auf den Headliner, doch stattdessen spielten Bolt Thrower ne gute halbe Stunde länger. Dann wurde es plötzlich mucksmäuschenstill in der gesamten Arena. Rock Hard-Chef Götz Kühnemund erschien auf der Bühne, neben ihm Eric Martin Ain, seines Zeichens Basser der schweizer Deathmetal-Legende Celtic Frost. Beide kamen nicht umhin, den treuen Fans eine traurige Botschaft mitzuteilen: Sänger Tom G. Warrior hing aufgrund einer schweren Nierenkolik im Krankenhaus am Tropf.
Für mich der Tiefpunkt des ersten Festivaltages! Kein Wunder, dass dieser Abend ob mit oder ohne Celtic Frost besonders hart für mich werden sollte, schließlich hatte ich mich wie zahlreiche andere Fans auch bereits seit Wochen und Monaten auf die Schweizer Deathmetal-Legende gefreut! Schade, lässt sich nichts dran ändern. Großes Kompliment für die sofortige und gelungene Improvisation, von dieser Stelle ans gesamte Rockhard-Team, das sich bemüht hat, aus dieser schwierigen Situation noch das Beste heraus zu holen, indem bei verschiedenen Bands angefragt wurde, die sich auch prompt bereit erklärten, ein zweites Mal auf die Bühne zu kommen, um den Fans doch noch einen würdigen Abschluß dieses ersten Festivaltages zu ermöglichen.
Hut ab! Diese fanfreundliche Aktion wurde vom Publikum zurecht mit donnerndem Applaus begrüßt. Dass die Metalszene trotz all dieser nicht einkalkulierten Umstände zusammenhält, bewiesen anschließend Nevermore, Soilwork, Brainstorm und Sodom, die jeweils eine Viertelstunde unentgeltlich spielten, um die Fans damit noch ein wenig versöhnlicher zu stimmen, was letzten Endes auch super gelang! Toschi

Crucified Barbara (04.06.06)

Crucified Barbara
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Das vierköpfige schwedische Frauenkommando brachte knackigen 80er-Jahre beeinflussten Hardrock mit dreckig-rebellischer Attitüde, sauberen Drive und entsprechendem Groove. Die vier hübschen Mädels machten ihre Sache recht ordentlich, zogen bereits am frühen Mittag viele Zuschauer vor die Bühne und verabschiedeten sich dann stilgemäß von ihren Fans mit einer um zwei Oktaven langsamer gespielten, aber immerhin recht passablen Coverversion des Motörhead-Klassikers »Killed By Death«. - Nicht schlecht. Die Girls werd' ich mir irgendwann bei passender Gelegenheit auf alle Fälle erneut geben. Grins* Toschi

Finntroll (04.06.06)

Finntroll
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Finntroll verpassten ihren Fans im zum Spätnachmittag ausreichend gut besetzten Amphietheater die gewohnt volle Kelle bestehend aus schneller Black/Death/Dark/Vikingmetalpolkamucke. Durch ihr agiles Stageacting und die recht langen Mähnen war der Trollish-Metalfünfer nicht nur rein spielerisch, sondern auch optisch wie immer ein echter Genuß! Zahlreiche erhobene Arme und Hände, Mähneschüttelnde Fans und der geradezu frenetisch tanzend-lärmende Moshpit boten das überall gewohnte Bild. - Finntroll pur. So, wie man sie kennt und liebt! Toschi

Fates Warning (04.06.06)

Fates Warning gelten als Urväter des Progmetal, deren Scheiben zahlreichen Gruppen jüngeren Datums nachhaltig den Weg geebnet oder in deren musikalischen Schaffen zumindest stark beeinflusst haben. Ob die Amis ihr enormes Potenzial jedoch auch live würden umsetzen können, stand hingegen auf einem ganz anderen Blatt Papier. Alle Zweifel waren spätestens mit den ersten Klängen der Band fort gewischt: Und wie sie konnten!
Als Fates Warning die Bühne betraten wurde es zunächst mucksmäuschenstill im Amphietheater. Es herrschte große Anspannung unter den Fans. Zunächst waren die Ränge nur spärlich gefüllt. Je länger der Fates Warning-Set andauerte, desto mehr AnhängerInnen progmetallischer Musik fanden sich schließlich ein. Sie sollten ihr Kommen nicht bereuen.
Weltklassegitarrist Jim Matheos spielte das vielleicht traumhafteste Griffbrett des gesamten Festivals. Es war eine Augenweide, dem Mann bei der Arbeit zuzusehen! Das agile Stageacting der Band wurde vom Publikum mit kräftigem Applaus honoriert. Spätestens in der Mitte ihres Sets wurden Fates Warning abgefeiert als seien sie die heimlichen Headliner des Festivals.
Das unverzichtbare Point Of View und die gleich um drei Klassen besser gespielte Scorpions-Coverversion »He's A Woman, She's A Man« waren die Höhepunkte eines brillianten Gigs, den überzeugte Metal Gourmets stillschweigend genießen mussten! Fates Warning rissen die hiesige Fangemeinde im beschaulichen Rund des Amphietheaters mehrfach von den Sitzblöcken und zu lang anhaltendem Beifall hin. Heftig rockend, groovig und über weite Strecken sehr flüssig wie aus einem Guß agierend, bestachen die Musiker nicht nur durch tolles Stageacting, sondern auch durch Teamwork und spielerisch erstklassige Fähigkeiten. Selbst Rike, die anfangs sogar noch ziemlich skeptisch drein blickte, war danach völlig hin und weg von den Amis.
Mit diesem superben Gig hat die Band ihre Ausnahmestellung gebührend betätigt. - Klasse! Toschi

Edguy (04.06.06)

Edguy waren definitiv die Abräumer des letzten Festivaltages! Kaum kamen die Fünf »Superheroes« on Stage ging das Powermetalgewitter auch schon los. Songs wie »Save Me«, »Out Of Control«, »Rivers Of Babylon«, »Vain Glory Opera«, »Tears Of A Mandrake«, »King Of Fools« etc. kamen so druckvoll und klar rüber, dass selbst mein Freund total baff und aus dem Häuschen war!
Frontshouter Tobi Sammet hüpfte und rannte wie von der Tarantel gestochen über die Bühne (wie das große Vorbild aus den 70ern (Ex-Van Halen Sänger David Lee Roth); überhaupt war die ganze Band sehr beweglich und in Topform, was nicht nur allein am Sänger lag. Edguy überzeugten durch druckvollen Sound, agiles Stageacting und eine geile Performance, die fast das gesamte Rock-Hard-Publikum mitriß! Die Band hatte einen super Tag erwischt. So gut habe ich Edguy noch nie live erlebt! Mein Freund teilte diese Meinung. - Ein arschgeiler Gig! Rike

Dio (04.06.06)

Dio
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Nach dem wirklich in allen Belangen superben Edguy-Auftritt folgte der Headliner des zweiten Tages, Ronnie James Dio. Jener Mann, dessen Musik zahlreiche Hardrock-Generationen beeinflusst haben dürfte, wie vor ihm kein anderer. Der kleine Mann mit der großen Stimme stieg samt Band pünktlich auf die Bühnenbretter, um das Rockhard-Festival 2006 in aller Würde ausklingen zu lassen. Die Tatsache, dass Edguy zuvor den besseren Autritt hinlegten, wurde von der Hardrock-Legende im anschließend bis auf den allerletzten Platz gefüllten Gelsenkirchener Amphietheater mit einem Jahrhundertprogramm wettgemacht, das sich geradezu als traumhaft bezeichnen lässt: Allein schon der Einstieg mit »Children Of The Sea« (!!!) ist aller Ehren wert. Damit ging endlich ein von mir selbst insgeheim schon recht lange gehegter Wunsch in Erfüllung! Es folgten »Holy Diver«, »Stand Up And Shout« (immer wieder geil!), das mystische »Don't Talk To Strangers«, »I Speed At Night«, der kultige Midtempokracher »Rainbow In The Dark«, die schöne Ballade »All The Fools Sailed Away«. Mit »I« und »One Night In The City« kamen völlig unverhofft noch zwei außergewöhnlich seltene Perlen zum Zuge!
Der von den erhabenen alten Sangesgrößen vielleicht noch immer beste Sänger der Welt, verstand auch an diesem Abend sein Handwerk prächtig. Mit geheimnisvollen Mimiken und passenden Gestiken strahlte Ronnie James Dio auch bei diesem Gig all das aus, wovon unzählige selbst ernannte Bühnencowboys vielleicht nachts gern träumen! Die stets in anderen Farben variierende Lightshow verlieh allen Songs des Altmeisters das besondere Etwas. Sound und Atmosphäre stimmten ebenfalls.
Ex-AC/DC Drummer Simon Wright gehört immer noch zu den Besten seiner Zunft, wie das kraftvolle Spiel des Schotten bewieß und Gitarrist Graig Goldy versetzte mit seiner Gitarrensoloeinlage zahlreiche Fans harter Klänge ins Staunen. Dem langen Fantasy-Epos »Man On The Silver Mountain« blieb es schließlich vorbehalten, das Schlußfinale einzuläuten.
Der Rainbow-Klassiker »Long Live Rock 'n' Roll« und die Black Sabbath-Hymne »Heaven And Hell« als (einzige!) Zugabe ließen das Festival ausklingen. Als pünktlich um 0:45 Uhr die Lichter angingen, blieb nur die Erkenntnis, dass auch dieser wunderschöne Konzertabend vorbei und es Zeit für uns zum Aufbruch war. Im Gegensatz zum letztjährigen BYH-Festival zog der Meister an diesem denkwürdigen Abend im standesgemäß proppevollen Amphietheater alle Register seines Könnens und setzte dem Festival verdientermaßen die heiß ersehnte Krone auf! Schade, dass es nur bei einer Zugabe blieb und sich der Meister samt Band nicht mehr für eine weitere Zugabe auf die Bühne bitten ließ. Eine Zugabe mehr hätt's ruhig schon sein dürfen. Somit bleibt allenthalben gewiß, dass auch ein Star wie Ronnie James Dio eben nicht jünger wird, aber dafür in Anmut und Würde altert. - Gelungener Abschluß eines erstklassigen Festivals! Toschi

Ein kurzes Schlußstatement zum Festival:

Der einzige Wehrmutstropfen des vom veranstaltenden RockHard-Team wieder einmal bestens organisierten Festivals war die traurige Absage von Celtic Frost aufgrund der Krankheit ihres Sängers, Tom Gabriel Warrior, dem wir auf diesem Wege noch gute Besserung wünschen. Wirklich Schade, doch leider nicht zu ändern. Vielleicht kommen Celtic Frost dann im nächsten Jahr ... Am besten haben mir: Dio, Bolt Thrower, Mystic Prophecy, Legion #Of The Damned, Fates Warning und Edguy gefallen. Rike war beeindruckt von Edguy, Dio, Mystic Prophecy, Fates Warning, Finntroll und Mercenary.
Die Preise für Essen und Trinken waren okay, die angebotene Palette an Lebensmitteln ebenfalls super wie immer! Metalmarkt, Campingplatz und Location waren auch wieder vom Feinsten. In diesem Jahr stimmte alles: Das Wetter, die Preise, das anwesende Publikum, die Organisation und natürlich auch die Bandauswahl.
Der Nudelstand am Eingang bestach durch eine breite Palette italienischer Kochgerichte. Da konnte ich einfach nicht widerstehen. Alle Bands hatten optimale Soundbedingungen. Danke Götz, danke RockHard-Team und allen freiwilligen Helfern für ein tolles Festival! Wir freuen uns schon jetzt auf's nächste RockHard-Festival 2007', mit hoffentlich wieder mindestens ebenso vielen guten Bands! Toschi und Rike

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Interviews:

Interview: Edguy, 02.11.2001 Immer schön im sitzen pinkeln!
Interview: Sodom, 04.08.2007 WOA Pressekonferenz

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Dio - Master Of The Moon
CD-Review: Edguy - Burning Down The Opera (Live)
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CD-Review: Sodom - Sodom
CD-Review: Sodom - One Night In Bangkok
CD-Review: Celtic Frost - Monotheist
CD-Review: Mystic Prophecy - Savage Souls

Live-Reviews:

24.06.2005 bis 25.06.2005: Bang Your Head-Festival (Balingen)
01.08.2002 bis 03.08.2002: Wacken Open Air 2002 (Wacken)
02.11.2001: Edguy, Lullacry, Nostradameus, Heavenly (Grüne Messehalle, Fulda)
25.05.2007 bis 27.05.2007: Rock Hard-Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
07.08.2008 bis 09.08.2008: Party San Open Air (Bad Berka)
16.08.2007 bis 18.08.2007: Summer Breeze 2007 (Dinkelsbühl)
26.01.2002: Bolt Thrower, Benediction, Fleshcrawl, Disbelief (Kallewerk, Bad Salzungen)
19.08.2004 bis 21.08.2004: Summer Breeze 2004 (Abtsgmünd)
03.08.2006 bis 05.08.2006: 17. Wacken Open Air (Wacken)
18.08.2006 bis 19.08.2006: Summer Breeze 2006 (Dinkelsbühl)
27.04.2005: Mercenary, At Vance, Brainstorm (Ludwigsburg, Rockfabrik)


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