Live-Reviews

Swedenrock Festival

08.06.2006 bis 10.06.2006, (S) Sölvesborg

Speckjackenrocker, alte Schweden, neue Schweden und Bripps Bla?!?
Nach stundenlangen Strapazen und mehrfacher wirklich teilweise nervraubender Umsteigerei (jaaa, Zugfahren mit schwerem Gepäck schlaucht manchmal ganz ordentlich (nächstes Jahr wird geflogen!), gelangten wir mit dem Taxi ab Sölvesborg direkt zum Festivalgelände.
Nun mussten wir uns erst noch den Campingplatz suchen. Irgendwie wich der Fahrplan, den wir uns von der Bahn besorgt hatten, doch mal wieder etwas mehr als nur ein bischen von der eigentlichen Route ab. Typisch Bahn ... Die entgegenkommende Securitycrew wies uns sogleich den richtigen Weg, welch beruhigendes Gefühl. Nun konnte der Spaß beginnen!
Auf dem Campingplatz angekommen, bauten wir unser Zelt auf und richteten uns gemütlich ein. Nach und nach füllte sich unser Platz mit Menschen aus unterschiedlichsten Ländern: Amis, Schweden, Franzosen, Briten, Schweizer und Deutsche, - Camping International! Das Swedenrock als echtes Kulturfestival zu bezeichnen, dürfte somit ebenfalls stimmen.
Innerhalb kurzer Zeit hatten wir Anschluß gefunden, und klönten gemeinsam in abendlicher Runde mit unserer Zeltnachbarschaft. Zwei unserer Zeltnachbarn, namens Larsa und Alex, denen wir am Donnerstag Nachmittag beim Zeltaufbau geholfen hatten (wodurch wir dummerweise Jeff Healy verpassten, da diese Aktion doch etwas mehr Zeit in Anspruch nahm als eingeplant - Schwamm drüber, das wird irgendwann nachgeholt), reichten uns zum Dank für unsere Hilfe zwei Dosen Cola und drei kleine 0-33er Dosen schwedisches Bier Marke »Bripps Bla«. Bripps Bla? Nie gehört, dachte ich mir, dankte ihnen per Handgeste und schob mir bedürftigerweise eine Hülse rein. Bripps Bla bedeutet, wie ich mir von unseren freundlichen schwedischen Zeltnachbarn erklären ließ, soviel wie Wellenbrecher, was zumindest in einer Hinsicht stimmte: Das Bier war zum Brechen! Nun ja soweit kam's löblicherweise doch nicht. Treffenderweise hätte man dieses fade Gesöff, das hierzulande eher als Wasser mit Bierbrause durchgegangen wäre, »Blubberwasser« nennen sollen.
Nachdem ich mir zuvor noch ein kleines Päckchen Birnensaft gönnte, genehmigte ich mir das erwähnte Döschen »Bripps Bla« zum Genießen (mein Fehler!) und wurde von dem Zeug sogleich schneller als ich wollte, zum sofortigen Shitting direkt auf den Abort geschickt. - Danke und Prost Mahlzeit! Nachdem ich mein unverhofftes Geschäft getätigt und meine Notdurft befriedigt hatte, schwor ich mir nur eines: Nie wieder Bripps Bla! Das Zeug hat 3,5 Umdrehungen und es schmeckt übel nach Wasser mit spürbar schwach vorhandenem Bieranteil.
Dachte ich bislang immer, Karlsquell sei mit Abstand das unbekömmlichste Bier aller Zeiten, wurde ich spätestens damit eines Besseren belehrt. Und welche Erkenntnis gewinnen wir daraus? Bripps Bla macht Shit-klar, - und wie ...! Brrr, welch eklige Plürre! Danach goß ich den Inhalt der übrigen beiden Dosen auf der Wiese hinter unserem Zelt aus und dachte mir dabei: Neee. Das tuste deinem Magen kein Zweites mal an. - Geh fort! Zur Erinnerung an dieses »magenfreundliche« Erlebnis rief ich mir spätestens nach diesem seltsamen Genuß mit unberechenbar-heftigen Nebenwirkungen die alte Binsenweisheit ins Gedächtnis zurück, dass es für alles eine Steigerung gibt.
Nach Dragonforce mussten wir dringend etwas Essen. Wir entschieden uns für ein Nudelgericht. Obwohl auf dem Schild der Fressbude »Pasta« geschrieben stand wussten wir bis dato (noch) nicht, dass damit nicht die italienische Bezeichnung für ein Nudelgericht gemeint war, sondern das sich dieses »Pasta« auf schwedisches Eis bezieht. So landeten wir unversehens beim Eisverkäufer ... Den eigentlichen Nudelstand haben wir komischerweise auch nicht mehr gefunden, dafür aber einen Stand an dem es original Thüringer Rostbratwurscht gab. Sei's Drum! Da aus den Nudeln leider nix wurde blieb es bei Currywurst, Pommes und Burgern.
Am allermeisten überraschte uns die Tatsache, dass es an der schwedischen Wurstbude die erwähnte Thüringer Rostbratwurst zu kaufen gab, wie sogar deutlich lesbar in deutscher Sprache auf dem Schild geschrieben stand! Alter Schwede, wo gibt's denn so was? Wahrscheinlich nur dort, - genial! Damit hätt' man nicht mal im Traum gerechnet!
Das warme Wetter war die richtige Erholung vom deutschen Wetter. Kein Tag unter fünfundzwanzig Grad, das muss man sich mal vorstellen! Wahnsinn, welche Besonderheiten das Schwedenrock für seine Gäste parat hielt! Thüringer Rostbratwurscht ist neben dem unverzichtbaren Markenbier ein wichtiger (nicht wegzudenkender) Teil unserer Kultur, den man durchaus auch mal positiv erwähnen kann!
Immerhin sollten diese selten komischen Erlebnisse nicht die einzigen Überraschungen auf dem Swedenrock bleiben, im Verlauf des Festivals sollten noch so einige weitere folgen ... Toschi

Gabria

Gabria
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Eine schwedische Metal-Coverband namens Gabria um Frontmann und Bassist Rick Evans bot schon am Vorvorabend des Swedenrockfestivals einen ersten Eindruck dessen, was uns auf unserem ersten SRF (Swedenrockfestival) erwarten würde. Die drei Musiker (Sänger/Bassist Rick Evans, Drummer Hank Black, Gitarrist Johnie Wilde) spielten am Dienstagabend drei unterschiedliche Sets bestehend aus diversen 70er/80er Rockklassikern und brachten das Zelt zum kochen! Bei klarem druckvollem Sound kamen Rockevergreens wie »Breaking The Law« (Judas Priest), »I Want Out« (Helloween), »Rock The Night« (Europe), »Heaven's On Fire« (Kiss), »Highway To Hell« (AC/DC), »Run To The Hills« (Iron Maiden), »Holy Diver« (Dio), »Come On Feel The Noize« (Slade), »Rising Force« (Yngwie Malmsteen), »Here I Go Again« (White Snake) usw. bestens zur Geltung. Die Jungs brachten den Spirit der 80er unverfälscht zurück, was schon an ihrem Outfit unschwer zu erkennen war. Die aus drei Mann bestehende Band spielte für fünf (Gitarrist Johnie Wilde, spielte allein schon für zwei!) Ich hoffe, dass diese talentierte Cover-Band nächstes Jahr wieder auf dem Swedenrockfestival spielen wird! Mann, was waren die geil!!! Rike

Bullet (08.06.06, Zeppelin-Stage)

Obwohl ich zunächst etwas traurig darüber gewesen bin, dass ich die britischen Doomer Cathedral leider verpasste, beschloß ich mir zum Festivalauftakt gleich mal eine unbekannte Band zu geben. Mit Bullet stellte sich am frühen Donnerstagnachmittag in brütender Hitze gleich ein echter Geheimtip vor. Die schwedische Newcomerband durfte ihr Können vierzig Minuten lang zeigen und überraschte mit geradlinigem Hardrock/Heavy Metal in klassischer AC/DC, Accept/Judas Priest-Tradition. Alle Songs einschließlich der fünf Musiker lebten und atmeten den Spirit der 80er. - Welch ein Auftakt! Nun hatte das Festival für mich begonnen ... Toschi

Dragonforce (08.06.06, Sweden-Stage)

Dragonforce
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Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass der Platz zur besten Nachmittagszeit schon wesentlich voller vor der Bühne sein würde. Damit lagen meine Freundin und ich zum Glück falsch. Wir erwischten unerwartet eine Position in der dritten bis vierten Reihe, die es uns prima ermöglichte, den Dragonforce-Gig aus allerbester Position mitzubekommen und im Bedarfsfall abzumoshen wie Sau. Nach drei Stücken verdichteten sich die Reihen hinter uns merklich. Dragonforce zeigten sich erfreut darüber und gingen in bester Laune ans Werk.
Der Multikulti-Sechser aus der englischen Hauptstadt (London) verbindet Neo-Klassik mit Heavymetal, allerdings in Hyperspeed-Geschwindigkeit gespielt. Man könnte diesen extravaganten Musikstil auch als Neoklassikhyperpowerspeedmetal bezeichnen, was vielleicht den Kern der Sache am ehesten trifft. Die Musik von Dragonforce ähnelt im Groben betrachtet, etwa einer Mischung aus Blind Guardian, Stratovarius und Helloween. Kein Wunder, dass sich im Laufe der Zeit Metalfans unterschiedlicher Coleur vor der Bühne einfanden, um dem Dragonforce Gig in gespannter Erwartungshaltung zu lauschen. Die Band kam auf die Bühne und gab vom ersten Ton an Vollgas! Die geschickt platzierten epischen Passagen bildeten einen tollen Kontrast dazu. Sound, Atmosphäre und Stimmung innerhalb des Publikums befanden sich bereits nach wenigen Minuten auf dem Höhepunkt.
Schon nach den ersten beiden Songs ging im Fanpulk mächtig die Post ab! Unglaublich, was das versierte Gitarrenduo auf der Bühne leistete. Hyperschnell gespielte Gitarrensoli, bei denen einem im wahrsten Sinne des Wortes schwindelig wurde! Traumhaft sicher, nahezu blind, bis auf die schwierigste Note perfekt beherrschen Herrmann Li und Sam Totman das gesamte Griffbrett von oben bis unten, spielen jede Note (wenn's sein muss nach Bedarf) gleich mehrfach rauf und runter. Beide Ausnahmegitarristen lieferten sich immer wieder rasante Gitarrenduelle und sind erwiesenermaßen auch beim Posen ein exzellenter Eye-Catcher vom Feinsten! Die Rhythmusfraktion entfachte immens viel Druck, Sänger ZP Theart veranlasste das Publikum immer wieder zu Beifallskundgebungen und zum Abgehen; dieser selbstbewusste Typ besitzt enormes Charisma, wie es nur absolute Weltklassefrontmänner in den Adern tragen; der durchgeknallte Keyboarder spielte das, was die beiden Gitarristen am Griffbrett runterzocken komplett auf der Tastenkonsole und legte nebenbei noch eine ober witzige Performance hin, das einem entweder nur fassungsloses Kopfschütteln oder entzücktes Staunen blieb.
Dragonforce sprengen den Rahmen des Normalen. Laute Zugaberufe seitens glücklicher Fans bestätigten es: Ein derart brutales Powermetalbrett, das in allen Belangen den Begriff »Heavy« verdient, hat meines Erachtens nach schon lange keine europäische Powermetalband mehr gespielt. Selbst seit Jahren bewährte Powermetalgrößen (als stellvertretende Beispiele seien an dieser Stelle Stratovarius, Hammerfall, Nocturnal Rites, Sonata Arctica oder Gamma Ray genannt) wirken gegen diese außergewöhnliche Übertruppe von der Insel wie sanfte Chorknaben!
Mit »Soldiers Of The Wasteland«, einem ihrer besten Songs, beendeten Dragonforce schließlich ihren Auftritt und hinterließen ein restlos zufriedenes Publikum. Fünfundsiebzig unvergeßliche Minuten, die im rasanten Eiltempo an mir vorüberzogen. - Phantastisch! Toschi

Raise Hell (08.06.06, Zeppelin-Stage)

Raise Hell
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Am frühen Abend des ersten Tages hottete ich erneut zur Zeppelin-Stage rüber, (die gleich um die Ecke unseres Zeltplatzes lag, wo schon Bullet am frühen Nachmittag sehr überzeugten), um mir erstmalig die schwedische Thrash-Band Raise Hell anzuschauen.
Was ich dort geboten bekam, brachte mich ebenfalls zum staunen. Statt auf reinen Knüppel-Thrash zu setzen, verbanden die fünf Schweden während ihres Gigs verstärkt Gothic-Sounds a la Type O Negative oder Sentenced mit brachialen Thrashattacken. Eine gutdosierte Mischung, die nicht nur der Band gut zu Gesicht stand, sondern auch beim Publikum verstärkt positiven Anklang fand. Trotz kurzweiliger soundtechnischer Probleme (ein Verstärker fiel für knapp zehn Minuten aus), gab es an der Musik von Raise Hell nichts auszusetzen. Die Band schaffte es trotz der kleinen Panne, dieses Manko geschickt zu überbrücken.
Auf der Zeppelin-Stage präsentierte sich nunmehr eine merklich gereifte Combo auf der Bühne, die zwar eine ganze Spur ruhiger und wesentlich abgeklärter zu Werke ging, dafür jedoch spielerisch auf ganzer Ebene überzeugte. Songauswahl und Mischung stimmten. Zwar hatten Raise Hell mehrere bekannte Stücke (z. B. »Devilin«) am Start, erstaunlicherweise kamen mit »City Of The Damned« und »The Ghost I Carry« auch zwei Songs vom neuen Album der Schweden ebenso zu verdienten Ehren.
Der schnelle Thrashknaller »Deathrace« bildete den gelungenen Abschluß, womit der Auftritt von Raise Hell würdig beendet wurde. Vom durchweg rüden, schnellen Hochgeschwindigkeitsthrash der Anfangstage zeugten stellenweise nur noch wenige Ausbrüche, diese brachen allerdings umso plötzlicher über's Publikum herein. Das Raise Hell mit diesem Rezept musikalisch einen Veränderung durchlaufen, einen Riesenschritt nach vorn gemacht haben und trotzdem durchaus erfolgreich sein können, bewiesen die Schweden innerhalb der ihnen zur Verfügung stehenden Spielzeit recht eindrucksvoll. - Interessante Mischung, toller Gig! Toschi

George Thorogood & The Destroyers (08.06.06, Rock-Stage)

Irgendwie schien ich an diesem Tag meinen experimentierfreudigen zu haben, anders kann ich mir auch nicht erklären, was ich am frühen Abend bei George Thorogood und Band verloren hatte. Zumindest stellte sich mir anschließend die Frage, ob ich mir hier nicht ein wenig fehl am Platze vorkam. Völlig antiquierter 60er Jahre Blues mit durchweg hoher Trägheitsfrequenz und ein recht komisches, teilweise entweder stark besoffenes oder bekifftes bzw. in anderen Sphären weilendes Volk, das zumindest in einer Nachtbar wesentlich besser aufgehoben wäre, raubten mir schnell die Lust am Gig. Hallo - das konnt's doch nun wirklich nicht sein ...
Als mir dann noch ein halbzugekiffter, Hippy-like aussehender Zeitgenosse (oder sollte es besser Lackaffe heißen?) seinen deutlich nach Gras, schwarzem Afghanen oder ähnlich seltsam riechenden Joint (wenn auch eher unbeabsichtigt) fast unter die Nase hielt, (puuuhhh, was stank das Teil entsetzlich beißend, penetrant!), wusste ich: Toschi, hier hast du definitiv nix verloren! Hau dich lieber wech, bevor du selbst als extremer Passivraucher völlig weg spacest oder einschläfst, dachte ich mir. Gesagt, getan. Somit ergriff ich schleunigst die Flucht und zog mich gleich zur Entspannung auf den Zeltplatz zurück. Immerhin schien's der zahlreich erschienenen Veteranengeneration tatsächlich gefallen zu haben, wie die lautstarken Publikumsresonanzen, die zum anderen Platz herüber drangen, bewiesen.
Sorry, da hätte man schon beinharter Grateful Dead-Fan sein müssen, um mit der Mucke tatsächlich etwas anzufangen. Mein Ding sollte der Sound zwar nicht sein, doch immerhin war ich danach um eine Erfahrung reicher ... - das ist doch schließlich auch was! Toschi

Grave (08.06.06, Zeppelin-Stage)

Grave
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Als letzte Band des Abends auf der Zeppelinstage ließen mich dann wieder hoffen. Meine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Während die eine Seite des Zeltplatzes beinahe eine ganze dreiviertel Stunde(!) mit Journey-Weichspülrock beschallt bzw. verseucht wurde, war spätestens jetzt mit Beginn des Grave-Auftritts auf der anderen Seite der Stage sowie innerhalb der Camp-Area Schluß mit Lustig als die Deathmetaller ihren Set mit drückenden Gitarrenwänden, ohrenbetäubend bollernden Drums, treibend-schnellen Doublebassattacken und brutalen Deathgrowls eröffneten! - Geil!
Gespannt fieberte ich dem Auftritt von Grave entgegen. Mit der dazugehörigen Aggression und gut motiviert, zog die vom Tourstreß sichtlich gezeichnete Band auf der Bühne kompromißlos ihr Ding durch und trat gewaltig Arsch, womit das Fanklientel der harten Gangart verdientermaßen zu seinem Recht kam.
Soundtechnisch bestens ausstaffiert (nein, diesmal gab's keine Pannen!), schlugen Todesbleigranaten Marke »Deformed«, »You'll Never See« oder »Into The Grave« mit der Wucht eines zentnerschweren Hammers auf's Geweih! Mörderisch dumpf rockend, rollend, groovend und kraftvoll zugleich ging das schwedische Deathmetalurgestein satt in die Vollen, dass es nur so krachte, wobei die gut aufgelegte Truppe das Gros zahlreicher Fans an diesem Abend auf ihrer Seite hatte.
Leider mussten Grave anschließend sofort weiter ziehen wodurch die von den Fans gewünschte Zugabe nach gut sechzig Minuten entfiel, da sich die Band gerade auf Tour durch heimatliche Gefilde befand, womit das heimische Swedenrock-Festival quasi »nur als Durchgangsstation« während der anstehenden Konzertreise mitgenommen wurde. Dennoch: Starke Band, beachtenswerter Gig! Toschi

Deep Purple (08.06.06, Festival-Stage)

Deep Purple haben sich bereits seit geraumer Zeit von der einstigen Hardrockband zur mittlerweile fast vollständigen Bluescombo entwickelt. Nicht zuletzt dank Ex-Kansas-Gitarrist Steve Morse und Tastensoundmann Don Airey (u. a. Ex-Whitesnake). Inwiefern sich diese Entwicklung positiv auf die britischen Hardrockveteranen ausgewirkt hat, ist fraglich.
Ian Gillan und seine Crew fuhren das erwartungsgemäß bunt gemischte Programm älterer und neuerer Songs auf, da durfte auch so mancher Klassiker nicht fehlen. Ebensowenig wurde auf das überflüssige Gitarrenspezialsolo und die gewohnt obligatorische Klimpereinlage an der Orgel verzichtet, die man sich wohltuenderweise geschenkt hätte!
»Hush«, »Strange Kind Of Woman« oder das unendlich in die Länge gezogene »Lazy« waren selbst im Bluesgewand noch einigermaßen genießbar und (v)erträglich, doch was ist aus Klassikern vom Schlage »Highway Star«, »Perfect Strangers«, »Black Night« oder »Smoke On The Water« geworden? Letztere vier Stücke klingen im beinahe einhundert prozentigen Bluesoutfit trotz des zweifellos hohen musikalischen Könnens aller Akteure nur noch schrecklich!
Die Krönung des ganzen Spektakels erfolgte, als die Band ihre weltbekannte Ballade »When A Blind Man Cries« derart bluesüberlastet und ohne Esprit runternudelte. Damit wurde der Kultsong beinahe gänzlich seiner Seele beraubt. Wo blieb das stets zum Markenzeichen von Deep Purple gehörende mitreißend rockend-groovige Flair? Von der einmaligen Magie der Vergangenheit keine Spur ... Was ist bloß aus der einst erfolgreichsten Hardrockband der frühen 70er-Jahre geworden, die reihenweise am Stück zeitlose Klassiker für die Ewigkeit komponiert hat? Ohne Ex-Supergitarrist Richie Blackmore, der mit seinem innovativen Mittelalter-Soloprojekt Blackmore's Night ungeahnte Erfolge feiert und Klangzauberer John Lord hinter den Tasten der guten alten Hammond-Orgel sind Deep Purple nur noch ein trauriger Schatten ihrer selbst.
Für mich die größte Enttäuschung des Festivals! Ähnlich sahen es wohl Hundertschaften von Fans, die bereits während »Smoke On The Water« gespielt wurde und kurz danach direkt vor dem abschließend folgenden Zugabeteil in größeren Scharen den Platz vor der Festival-Stage verließen. Selbst meine Freundin fragte mich hinterher auf dem Weg zum Zeltplatz ganz verwundert: »Das waren Deep Purple?« Ihr Fazit folgte auf dem Fuße: »Nichtssagend langweilig, ich hätte von Deep Purple mehr erwartet«, womit sie den Nagel auf den Kopf traf. Das legendäre Mark II-Line-up ist seit geraumer Zeit Geschichte.
Deep Purple sollten aufhören, ihren Ruf zu ruinieren. Die Legende stirbt mehr und mehr. Der Glanz früherer Jahre ist längst verblaßt. Autsch! Dieser Schluß tut unendlich weh. Toschi

Cloudscape (09.06.06, Zeppelin-Stage)

Cloudscape
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Cloudscape waren am Freitag die erste Band des Tages.

Während sich vor der Bühne ordentlich Leute ansammelten, ging das schwedische Power-Progmetalquintett in die Vollen, sprich spielte sich den Arsch ab. Der Leadgitarrist schien mit seiner Gitarre zu verschmelzen. Songs wie »Preaching In My Sanity«, »Everyday Is Up To You«, »Shape Shifter« usw. kamen druckvoll und klar. Das Publikum war geteilter Meinung. Einige fanden Cloudscape gut, andere weniger. Als einziger Wermutstropfen des Gigs machte sich das Fehlen des Keyboards bemerkbar, das leider nur vom Band kam. Basist Haynes Pherson sagte mir hinter her dazu, dass die Keyboardsounds so vielfältig seien, dass sie drei Keyboarder auf die Bühne stellen müssten, um diesen Sound abzudecken und dass es nicht nötig sei, eine weitere Person in die Band aufzunehmen. Rike

Gehenna (09.06.06, Zeppelin-Stage)

Gehenna
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Gehenna machten schon am frühen Nachmittag gewaltig Dampf auf der Zeppelin-Stage, deren knapp dreitausend Besucher umfassender Vorplatz trotz warmen Temperaturen bereits eine recht hohe Besucherzahl aufzuweisen hatte. Mit ihrer unverhohlen an Motörhead, Venom und Celtic Frost erinnernden Old Shool Black-Thrash 'n' Roll-Mischung lagen die vier Schweden bei der härteren Fraktion genau richtig.
Obwohl ich die Band heuer zum ersten Mal sah, war ich schwer beeindruckt. Rotzig, groovend, roh und mit extrem viel Biss: - Yeah! So muss Rock 'n' Roll der knallhart-rauhen Gangart in seiner ungeschliffensten Form klingen! Gerade wegen des garagenmäßigen Schreddersounds sowie der intensiven Proll-Attitüde des Vierers kamen Nummern vom Typ »Skeletons In Leather«, »Bitch With A Bulletbelt«, »Hard Rocker«, »We Love Alcohol«, »Hangover«, »Piss Of ... And Drinking!« bei den zahlreich erschienenen Fans richtig gut an!
Das Schlagzeug schepperte, der Bass rumpelte, polterte und knarrzte, die Gitarren röhrten und der Sänger kotzte seine wütenden Messages ins verdutzt dreinschauende, streckenweise sogar recht derb abgehende Publikum! Ein herrliches Bild welches sich mir bot, das glatt an die frühen Anfänge des Blackmetals erinnerte.
Von den fiesen Grimassen des vierköpfigen Gerstensaftvernichtungskommandos hätten sich zahlreiche in schwarz/weißem Corpsepaint geschminkte Dusterheimerkindergartenkapellen jüngeren Datums direkt etwas abschauen können! Nach einer beinahe viel zu knappen Dreiviertel Stunde verabschiedete sich die Band zufrieden von ihren dankbaren Fans und versprach am Ende nach dem Set, dass sie irgendwann auf's Swedenrock-Festival zurückkommen würde, weshalb anschließend heftiger Applaus aufbrandete. - Fighting Streetblackmetal-Thrash für die beinharte Front. Genau das Richtige, um den Stimmungspegel deutlich anzuheben. - Skol!!! Toschi

Metal Church (09.06.06, Sweden-Stage)

Metal Church
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Pünktlich auf die Minute enterte die Mannschaft um Ausnahmegitarrist Kurt Vanderhoof die Swedenstage. Das konnte nur eines bedeuten: Powermetal vom Fass bis die Verstärker glühen! Hochmotiviert bis in die Haarspitzen starteten Metal Church ins Programm. Allein die super gewählte Songauswahl hätte an diesem Tag kaum besser sein können und obendrein dicke ausgereicht, jedem Freund kraftvoller Schwermetalmucke lechzend vor Gier das Wasser im Munde zusammenlaufen zu lassen.
Im Gegensatz zum soundmäßig dünnen Wacken-Gig anno 2005 stimmte diesmal auch der Druck bei Krachern Marke »Ton Of Bricks«, »Start The Fire«, »We Watch The Children Pray«, »Metal Church«, »The Dark«, »God's Of Wrath« usw., womit alle Voraussetzungen gegeben waren, die eine Band wie Metal Church braucht, um den in sie gesetzten hohen Erwartungen gerecht zu werden.
Fette Gitarrenwände, mörderische Grooves, sichere Tempowechsel und ein unglaubliches Gespür für Melodien brachten die Fans vor der Bühne reihenweise zum Ausklinken, dass auch dem verschlafenen (zu Beginn des Sets noch völlig uncool abwinkenden) Thrash-Freak (mit Nuclear Assault-Shirt) hinter mir klar wurde, wo der Barthel den Most holt (der Typ sah plötzlich um sich herum nur noch Haare, Haare, Haare ..., hö, hö, hö!) Derart tight und mit mächtig viel Saft auf der Wumme überzeugten Metal Church auf ganzer Linie. Salve um Salve feuerten die Gitarristen in die tobende Menge, die Rhythmussektion spielte punktgenau und sicher, während Fronter Ronny Munroe das Publikum immer wieder antrieb.
Gegen Ende der regulären Spielzeit kehrten die US-Powermetaller angetrieben von lautstarken standing Ovations der beharrlich jubelnden Fans verdientermaßen zweimal auf die Bühne zurück. Sänger Ronny Munroe bedankte sich brav bei den hartnäckigen Fans, die Metal Church nach diesem Topgig gar nicht erst von der Bühne lassen wollten.
Als Nachschlag griffen Vanderhoof und Co. dann noch einmal tief in die Trickkiste um den begeisterten Fans zur Belohnung »Beyond The Black« und die insgeheim herbeigesehnte, tatsächlich auch mal wieder gebrachte, endgeile Coverversion des Deep Purple Smashers »Highway Star« auf dem Tablett zu servieren, die sogar deutlich um Längen besser aus den Boxen kam als das mittlerweile unerträglich blues-versemmelte Original.
Ein Spitzenset, der noch lange im Gedächnis haftend in guter Erinnerung bleiben wird. Sicher, druckvoll, solide, gehörten Metal Church zu den klaren Gewinnern des Festivals! Toschi

Nasty Idols (09.06.06, Zeppelin-Stage)

Irgendwie kam es mir spontan in den Sinn, am späten Nachmittag den Pilgergang zur Zeppelin-Stage anzutreten. Eine gute Idee, wie sich herausstellen sollte. Vom Namen sagte mir die Band sogar irgendwas, gesehen hatte ich sie allerdings bislang noch nie. Die Nasty Idols spielten simplen, US-Westcoast/Glam/Sleaze Hardrock mit leichter Rotzrock-Attitüde und brachten damit das weitestgehend Glam- und Sleazerock orientierte Fanklientel vor der Bühne zum Kochen!
Aus welchem unersichtlichen Grund heraus auch immer erinnerten mich die Jungs an eine Mischung aus Guns 'n' Roses, Faster Pussycat, Cinderella und Black 'n' Blue, (obwohl sie optisch deutlich mehr an Moetley Crüe erinnerten), was eigentlich recht ungewöhnlich ist, da es sich bei den Nasty Idols nachweislich um eine schwedische Gruppe handelt. Allerdings waren sie vom Stil der L.A. Glamrock-Könige meilenweit entfernt.
Scheißegal: - die Band rockte wie Sau und das ist's was zählt! Kultige Titel (»Westcoast City«, »House Of Rock 'n' Roll« etc.), standen ganz im Zeichen der Musik, deren Power und immensem Drive man sich einfach nicht entziehen konnte.
Ein großer Teil des anwesenden Publikums ging ziemlich töfte auf die Musik der Nasty Idols ab. Die »Nasty Idols«, was übersetzt soviel wie schreckliche Idole bedeutet, wurden ihrem kultigen Namen in aller Form gerecht, traten auf der Bühne gewaltig Arsch und hoben sich die Überraschung für den Schluß auf: Als während der Zugabe plötzlich eine hübsche schlanke, sonnengebräunte Blondine mit langen Beinen in Stöckelschuhen über die Bühne stolzierte und dabei in aufreizend verführerischer Manier ihren BH und Slip lüftend einen kurzen Strip hinlegte, war's (wie bei vielen anderen auch, die sich den schönen Anblick natürlich ebenfalls nicht entgehen ließen) zumindest beinahe (!!!) um mich geschehen ... Unabhängig davon: Toller Auftritt, coole Band! Toschi

Venom (09.06.06, Festival-Stage)

Venom
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Als um zwanzig Uhr das legendäre Intro:»Ladies and Gentleman: From the very, very dephts of hell, ...Venom!« aus den Lautsprechern dröhnte und den Auftritt der Gründerväter des Blackmetals einleitete brach im Publikum zunächst verhaltener Jubel aus. Cronos und sein infernalisches Trio scherte dieser Umstand jedoch relativ wenig. Mit den dreisten Ankündigungen, dass heutiger Black-Metal kein Black Metal mehr sei und Venom in der Lage wären den heutigen Schwarzheimer-Acts aufzuzeigen, wie echter Blackmetal zu klingen hat, verscherzte sich das Trio aus Newcastle bereits im Vorfeld so manche Sympathien; Tja ..., Venom wären eben nicht Venom, wenn sie nicht aus dem Rahmen fallen würden! Diese Band war schon immer provokativ, weshalb mich derart gespaltene Reaktionen auf das Trio während des gut neunzig minütigen Gigs auch nicht wunderten.
Der eingeschworene, vor der Festival-Stage sehr enthusiastisch mitgehende Die-Hard-Fanblock bestärkte die Band in ihrem Bewusstsein. Soundmässig war's durchaus okay, was Venom ihrem Publikum boten. Songauswahl und Motivation des infernalischen Trios ließen ebenfalls kaum Wünsche offen. »Die Hard« und »Witching Hour« läuteten den Venom-Auftritt gelungenermaßen ein. Mit »Bloodbath«, »Antichrist«, »Ressurrection«, »Welcome To Hell«, »Countess Bathory«, »Seven Gates Of Hell«, »Inferno«, »Warhead« und »Metal Black« (dem Titelsong vom aktuellen Album) folgten weitere (fast überwiegend ältere Kracher), wobei die Band durchweg straight und häufig das Gaspedal durchtretend zur Sache ging.
Cronos und Co. bewiesen am Freitag auf der Festival-Stage an Bass, Gitarre und Schlagzeug, dass sie noch immer unverändert antiquiert aus den Boxen rumpelnden und dröhnenden Black-Metal-Thrash der alten Schule bringen können. Am Ende bestätigte sich wieder einmal die alte Weisheit, dass man sich das Beste stets bis zum Schluß aufhebt. Die beiden unentbehrlichen Mega-Kulthymnen »Black Metal« und »In League With Satan« beendeten einen durchaus zufriedenstellenden, aber keineswegs überragenden Gig! Die eingeschworene Die-Hard-Fans verließen hinterher mit sich und der Welt zufrieden den Platz, während sich die Venom-Gegner voll und ganz in ihrer Meinung bestätigt fühlten. Fazit: Zwiespältig. - Ordentlicher Gig mit durchwachsener Resonanz. Toschi

W.A.S.P. (09.06.06, Rock-Stage)

Hmmm ... irgendwie ist es mir noch immer ein unbegreifliches Rätsel, warum WASP mit der Rockstage vorlieb nehmen mussten, während beispielsweise die Schmuserocker Def Leppard die Festivalstage für sich in Anspruch nahmen. Seltsam das alles doch ist ... . Dass es voll würde beim Auftritt der US-Hardrocklegende WASP lag auf der Hand, doch dass es dermaßen berstend voll würde, damit rechneten wahrscheinlich weder die Band noch der Verfasser dieses Berichtes!
Obwohl ich mich schon wenige Minuten vor dem WASP-Auftritt vor der Rockstage einfand, gab es nicht mehr das geringste Durchkommen, so derart dicht gedrängt standen die Reihen zusammen. Also entschloß ich mich schnell für den Rückzug. Kaum dass Blackie Lawless und Co. die Bühne betraten schoß über mir ein riesiges Heer unzähliger Hände in die Höhe und im riesigen Pulk vor der Bühne brach plötzlich die Hölle los! WASP ließen von der ersten Minute an keinen Zweifel daran aufkommen, wer das Swedenrock-Publikum dirigierte! Arschtight, ultrabrutal und voll auf die Zwölf dröhnten die scharfen Gitarren. Das Schlagzeug hämmerte, der Bass wummerte und Blackies heiseres Krächzorgan befand sich an diesem wirklich denkwürdigen Abend ebenso in Weltklasseverfassung, wie überhaupt die gesamte Band!
»Murders In The Rue Morgue« vom »Crimson Idol« Album eröffnete den Abend mit der Wucht einer Stahlwalze, ehe sogleich ein kombiniertes Medley bestehend aus den WASP-Klassikern »Widowmaker« und »Sleeping In The Fire« folgte. Mit »Wild Child« wurde der nächste Hammer ausgepackt, ehe »Love Machine«, »The Real Me«, »What I Never Find«, »The Crimson Idol«, und »I Love You To Hate Me« den Reigen fortsetzten!
Bei »I Wanna Be Somebody« rasteten sogar die zehnjährigen Kids (die ebenfalls schon längere Haare trugen) hinter der Behindertenstage total aus! Als ich plötzlich selbst im Begeisterungstaumel fett einen hinlegte, und dabei die Luftgitarre kreisen ließ, war ich unerwartet von mehreren Kids umringt, wobei mir eines seine Plastikgitarre in die Hand drückte, während die anderen um mich herum abrockten, wie die Großen und dabei schon das Zeichen des Gehörnten bis über die gesamte Begriffspalette diverser Schlachtrufe wie Rock 'n' Roll, Crazy Shit oder Metal Forever etc., drauf hatten: Eine hübsche blonde weibliche Person, die in Metalklamotten gekleidet (Jeans, Band-T-Shirt und diverse Buttons auf der Jacke) gekleidet sich das Ganze breit grinsend anschaute, entging mir ebenfalls nicht. Ich unterhielt mich nach der spontanen Abfahrt mal kurz mit der Mutti dreier dieser fett abrockenden Kiddies, die mich sogleich anlächelte als ich sie fragte, ob das ihre Kinder seien. Die hübsche Blondine (sie dürfte etwa in meinem Alter oder sogar noch ein wenig älter gewesen sein) lächelte mich freundlich an, bestätigte meine Vermutung und steckte mir unverblümt (in englisch), dass es durchaus nichts ungewöhnliches in Schweden sei, wenn die Kinder dort schon im zarten Alter mit Hardrock aufwüchsen, pffffffff ...., allein der pure Gedanke daran haut mich noch immer fast aus den Socken!!! Alter Schwede, das rockt! *Fassungsloskopfschüttel, wenn man nur daran denkt* Unfaßbar, - das ist Schweden!
Rot, gelb, grün, blau ...: jede Plastikgitarre der Kiddies trug eine andere Farbe. Saugeil und oberamtlich kultig: In Schweden kommt der Nachwuchs gleich mit der richtigen Mucke in der Wiege zur Welt ... Bei uns im prüden Deutschland wären solche Zustände undenkbar ...
Bei WASP schien das gesamte Swedenrockfestival Kopf und die Zeit still zu stehen. Von allen(!!!) fünf Bühnen, egal ob Festivalstage, Rockstage, von der weit entfernten Swedenrockstage, sowie vom Rockklassikerzelt und sogar von der ebenfalls recht weit entfernten Zeppelinstage sah man spätestens schon nach der ersten Viertelstunde nur noch ein gigantisches, in Worten kaum zu beschreibendes Menschenmeer. Der Auftritt von WASP stellte alles bislang dagewesene um ein nie dagewesenes Vielfaches in den Schatten! Welch unvergesslich gewaltiger Anblick, dass einem der Atem stockte! Mir läuft noch immer ein eiskalter Schauer über den Rücken, wenn ich daran zurückdenke. Nein, dafür gibt es keine Worte ... das lässt sich einfach nicht beschreiben, man muss es wirklich selbst erlebt haben!
Überall erhobene Arme und Hände, neugierige und staunende Fans wohin der Blick schweifte. An diesem Abend lag eine unerklärlich elektrisierende Spannung in der Luft, eine seltsam angespannte Atmosphäre, wie man sie sonst bei Iron Maiden verspürt!
Wo kamen nur überall diese riesigen Menschenmassen her? Ganze Rockgenerationen tummelten sich in riesigen Schaaren vor der Bühne und drum herum! Blackie Lawless und seine Truppe lieferten eine spitzen Show an diesem Abend, brachten mit »Blind In Texas« noch ne fette Zugabe und verließen hinterher fassungslos die Bühne. Für diese Band hätte es eigentlich nur eine Bühne geben dürfen: Die riesige Festivalstage! Allerdings hätte es dort spätestens bei der Kapazitätenauslastung des Platzes unüberwindbare Probleme gegeben, da die riesige Hauptbühne zu weit links am Rand des gesamten Festivalgeländes lag, während sich die Rockstage zentral im Mittelpunkt befand. An dieser Stelle ein Riesenkompliment an die Veranstalter des Swedenrockfestivals, welche diesen Punkt schon während der Planung im Vorfeld des Festivals richtig einkalkuliert hatten. - Exakt die richtige Entscheidung!
Ein Gig, der Metalgeschichte schrieb. Damit dürften WASP spätestens jetzt als Legende in die Annalen der harten Gitarrenmusik eingegangen sein!!! Die großen Abräumer des Swedenrockfestivals und mit weitem Abstand das Beste, was ich dort gesehen habe, weshalb ich mir jegliche Superlativen erspare und zum Ende des Berichts gleich den Grund dafür mitliefere: WASP, WASP, WASP, WASP, WAAAAASSSSSPPPPP!!!!!!!!! Toschi

Storyteller (10.06.06, Zeppelin-Stage)

Storyteller
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Rechtzeitig und beinahe überpünktlich begab ich mich zur Zeppelin-Stage, wo mit Storyteller eine neue schwedische Powermetalhoffnung ihr Stelldichein geben sollte. Die Schweden spielten astreinen (häufig schnell und melodisch vorgetragenen) Fantasy-Powermetal in der Schnittmenge zwischen Helloween, Running Wild und Nocturnal Rites mit Iron Maiden-Touch. Storyteller boten einen durch die Bank weg sauberen Gig. Das Hauptmaterial ihres Sets erstreckte sich auf Songmaterial des kürzlich veröffentlichten aktuellen Longplayers »Underworld«, der schon so manches Lob in der Metalpresse einfuhr.
Möglicherweise sah ich an diesem Samstagmittag eine der vielleicht schon bald stärkesten Powermetalbands Europas. Storyteller sind eine Band auf dem Weg nach oben, der die Zukunft gehört. Songs wie »Book Of History«, »Beauty Is The Beast« oder »The Storyteller« sind episch und hymnisch zugleich. Herrliche Melodiebögen zwischen Midtempo und Powerspeed erfreuten die wenigen Fans vor der Bühne.
Schade, dass sich der Platz erst in den letzten Minuten kurz vor Ende des Storyteller-Auftritts mehr und mehr füllte. Nicht nur zu meiner Überraschung zogen Storyteller sogar noch eine richtig gute Coverversion des Motörhead-Gassenhauers »Ace Of Spades« aus dem Sack. Vocalist L. G. Persson brachte das seltene Kunststück fertig beinahe direkt an Lemmys Stimme heranzureichen. Ein weiterer Beleg dafür, wieviel Potenzial in dieser talentierten Truppe steckt. Die Schweden Storyteller haben mich spätestens nach diesem fulminanten Auftakt am Samstag davon überzeugt, dass ich mir »Underworld« mit Sicherheit zulegen werde. - Toller Gig! Toschi

Overdrive (10.06.06, Zeppelin-Stage)

Overdrive
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Nach dem furiosen Storytellerauftritt hegte ich große Hoffnungen, das mich die schwedischen Heavy Metal Altmeister Overdrive nicht enttäuschen würde und sah mich nur wenig später, als die Band auf die Bühne kam in dieser Denkungsweise bestätigt.
Overdrive gehören neben Heavy Load und Torch zu den dienstältesten schwedischen Heavy Metalformationen. Dass ich meine alten »Undergroundhelden« einmal in deren Heimatland und auch noch direkt aus der ersten Reihe sehen und abbangen würde, was das Zeug hielt, hätte ich mir beim besten Willen nun wirklich nicht träumen lassen! Von Beginn an hoch motiviert, enorm druckvoll und mit herrlich viel Power zu Werke gehend, überzeugte mich die Band auf ganzer Linie.
Mächtige Soundwände, mitreißende Gitarrenduelle, eine zielsichere Rhythmussektion und des Fronters ausgeprägtes Charisma, dessen variables Organ keinen Deut schlechter als das seines Vorgängers klingt, ließen den Overdrive-Auftritt zum puren Genuß werden! Gut, dass die Mannen um Gitarrist Janne Stark mit »Back On The Hunt« gleich zu Beginn einen ihrer drei besten Songs (eine Speedhymmne par excellence) in die abgehende Menge feuerten.
Weitere Kracher folgten: »Black Revenge«, »Dream Away«, »Swords & Axes«, »Broken Hearted« etc., ehe die unverzichtbare Overdrive-Hymmne »Mission Of Destruction« unter dem Jubel restlos überzeugter Fans einen tollen Auftritt beendete.
Unüberhörbare Zugaberufe und Standing Ovations nach dem Set waren der Lohn für vierzig Minuten klassischen Heavy Metals gemischt mit Powerspeed vom Allerfeinsten! Overdrive hätten gern sechzig Minuten oder noch länger spielen dürfen. Schade, dass es am Samstag lediglich bei vierzig Minuten ohne Zugabe blieb, die aus Sicht der Die-Hard Fraktion des Schwedenfünfers viel zu schnell zu Ende gingen ... Hardliner und Nostalgiker hätten an diesem Gig sicher Freude gefunden! Toschi

Molly Hatchet (10.06.06, Rock-Stage)

Molly Hatchet
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Welchem echten Southernrock oder Molly Hatchet-Fan sind Nummern der Bauart »Beatin' The Odds«, »Bounty Hunter«, »Bloody Reunion«, »Dreams I'll Never See«, »Devil's Canyon«, »Warriors Of The Rainbow Bridge«, »Fall Of The Peacemakers«, »The Journey« etc. völlig unbekannt? Neben Lynyrd Skynyrd gibt es außer Molly Hatchet wohl keine andere Band, die den Geist dieser Musik derart verkörpert. Schon aus dem Grund ist Southern Rock für die entsprechende Anhängerschaft mehr als nur ein Gefühl: Es ist eine Lebenseinstellung!
Frisch, kernig und mit viel Spaß in den Backen aufspielend servierten die Südstaatenrocker ihrem treuen Fankreis schon am Nachmittag das volle Programm und feuerten einen Klassiker nach dem anderen in die jubelnde Menge. Der Umstand, dass Molly Hatchet zu eigentlich recht unpassender Zeit am frühen Nachmittag »ran« mussten, machte den Southernrockern recht wenig zu schaffen. Es gelang der Band, gleich zu Beginn einen Teil der Fans vor der Rockstage mitzureißen oder zeitweise schwer ins Staunen zu bringen! Viele hatten sich auf Molly Hatchet gefreut. Und sie wurden für ihre Geduld von der Band mit einem starken Auftritt belohnt. Mancher setzte sich (aus welchen Gründen mag dahingestellt sein), schon rein demonstrativ den obligatorischen Southernrockhut auf's Haupt, um aus seiner Sympathie für die Südstaatenlegende gar keinen Hehl zu machen.
Bloß schade, dass auch Molly Hatchet ebenfalls klar das Motto the south will rise again nach außen hin vertraten, (die große Südstaatenflagge im Bühnenbackground sagt alles), wodurch sich das Gros des leicht patriotisch angehauchten und dementsprechend eingestellten amerikanischen Publikums in seiner Ansicht möglicherweise noch zusätzlich bestärkt fühlen durfte, (ähnliches gilt auch für Gitarrenvirtuose Ted Nugent, dessen Bericht an späterer Stelle nachfolgt).
Die Tatsache, dass ein Teil des Molly Hatchet Publikums aus Amerikanern bestand, ließ den Auftritt der Band fast zum Heimspiel werden. Sieht man jedoch einmal ganz davon ab, wussten die fröhlichen Southernrocker ihr Publikum mit schnörkellos-kernigem Blueshardrock und beeindruckender Live-Präsentation zu überzeugen, weshalb sich die Band trotz drückend sonnig warmer Temperaturen (oder gerade deswegen?) berechtigterweise eines guten Zuspruchs erfreute. Toschi

Onslaught (10.06.06, Zeppelin-Stage)

Onslaught
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»Power From Hell« und »The Force« dürfen ohne Wenn und Aber mit Berechtigung zu den besten und stärksten Thrashmetalscheiben der 80er gezählt werden. Dass Onslaught nach sechzehnjähriger (!!!) Abstinenz wieder aus der Versenkung auftauchen und auf dem Swedenrock thrashen würden, was die Instrumente hergaben und dabei mindestens eben so arschtight waren wie in den alten Zeiten, sollte nicht die einzige Überraschung der Truppe bleiben.
Ungewöhnlich viele Fans hatten sich bereits am Samstagnachmittag zahlreich vor der Bühne eingefunden, um den neuen/alten Onslaught zu lauschen, deren Material vorwiegend aus älteren Highlights der oben genannten beiden Alben bestand. Trotz heißer Temperaturen, legten die Briten einen schweißtreibenden Set hin. Der Platz vor der Zeppelin-Stage wurde innerhalb von Minuten in ein wahres Tollhaus verwandelt.
Bei den britischen Thrashern ging so richtig der Bär ab! Gerade die ausgehungerten Thrashfans sollten vom 80er Jahre gezeichneten Stil des Fünfers die volle Packung verabreicht bekommen. Härte, Technik, Sound und Geschwindigkeit stimmten, wobei selbst die Tatsache, dass von der Original-Besetzung nur noch das halbe Line-up dabei ist (aus der Ur-Formation sind Drummer Steve Grice und Gitarrist Nige Rockett sowie Vocalist Simon Keeler verblieben) und nicht im geringsten daran kratzen konnte, dass Onslaught mit altem Namen und gleichem Sound so erfolgreich sind wie nie!
Die Musiker gingen derart sicher zu Werke als hätten sie seit den 80ern nie etwas anderes gemacht als derben Thrashmetal zu zocken! Bei dieser Band schien die Vergangenheit zurückzukehren. Der Leadgitarrist wusste häufig mit tollen Soloeinlagen zu gefallen, während dessen Kollege an der Rhythmusklampfe mit seiner Punkfrisur für den optischen Farbtupfer sorgte. - Wirklich Originell!
Basser Jim bearbeitete sein Instrument wie ein Berserker, Drummer Steve Grice entpuppte sich als Kampfmaschine hinter den Kesseln, während der sehr aktive Frontshouter Simon Keeler beständig das Publikum anfeuerte. Eine direkte Aufforderung, der zahlreiche Fans gern nachkamen.
Wer Stücke wie »Shellshock«, »Metal Forces«, »The Slayer Of Worlds« das ein positives Licht auf's demnächst erscheinende neue Onslaught Album warf oder »Power From Hell« im Gepäck hat und obendrein über zwei erstklassige Gitarristen, eine starke abgehende Rhythmussektion und mit Simon Keeler auch noch über den passenden Sänger verfügt, der keinerlei Berührungsängste zum Publikum zeigt, die Lage jederzeit sicher im Griff hat und es sich nicht nehmen lässt am Ende sogar von der Bühne zu springen und den dankbaren Fans nach der unerwartet starken Vorstellung noch die Hand reicht, kann eigentlich nicht verkehrt liegen.
Der Mann hinterm Mikro ist nicht nur ein Hühne, der alle vier anderen Bandmitglieder um mindestens einen Kopf überragt, - er weiß auch mit dem Publikum umzugehen. Über mangelnde Reaktionen konnten sich Onslaught, die als Treuebonus noch einige T-Shirts verschenkten, also wirklich nicht beklagen, wie spätestens nach diesem Gig deutlich wurde. Lange Rede, Kurzer Sinn: - Welcome back guys! Toschi

Blitzkrieg (10.06.06, Zeppelin-Stage)

Blitzkrieg
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Mit den Engländern, deren gleichnamiger Song »Blitzkrieg« von Metallica in den 80ern gecovert, der Band einen etwas größeren Bekanntheitsgrad im Underground einbrachte, verhielt es sich ähnlich wie schon bei der schwedischen Undergroundlegende Overdrive. Blitzkrieg hatten ihre kleine aber um so eingeschworenere Fangemeinde sicher im Griff.
Ein interessantes Programm, das zahlreiche bessere Songs des Fünfers enthielt (nur für Insider: Sind Hymnen des Kalibers »Unholy Trinity«, »Legin«, »Escape From The Village«, »Blades Of Steel« nicht über alle Kritik erhaben?) Fronter Brian Ross (der in Lederkluft gekleidet und mit schwarzer Sonnenbrille posierend wirkte als käme er aus einer anderen Welt) und seine gut aufgelegte Truppe hatten die treue Fangemeinde vor der Bühne sicher im Griff.
Blitzkrieg sind nicht nur für die nostalgisch veranlagte Headbangerschaft interessant. Mit dem völlig berechtigt von den Fans zwingend verlangten Kultkracher »Blitzkrieg« und zwei darauf folgenden schweinisch fett abgehenden Judas Priest-Coverversionen (»Electric Eye« und »Hell Bent For Leather«), die vom Blitzkriegmastermind mit großer Respektsbekundung für das britische Metal-Flaggschiff einschließlich dem fairen Zugeständnis, dass es ohne Judas Priest Bands wie Blitzkrieg möglicherweise nicht gäbe, angesagt wurden, wurde ein starker vierzigminütiger Gig in gelungener Manier beendet, so dass am Ende folgende Feststellung zu Buche stand: Sehens- und empfehlenswert! Toschi

Ted Nugent (10.06.06, Festival-Stage)

Ted Nugent
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Ted Nugent ließ es sich nicht nehmen, die Festivalstage zu rocken. So geteilt die Meinungen über den Betonkopf (aufgrund seiner extrem patriotischen Einstellung) auch sein mögen, an der Sechssaitigen ist Ted Nugent ein Ass, wie man kein zweites findet! Der Kerl kommt mit Cowboyhut auf die Bühne und rockt derart kraftvoll ab, dass kein Auge trocken bleibt.
Der Amerikaner brachte alle bekannten Klassiker, z. B. »Dog Eat Dog«, »Motorcity Madman«, »Cat Scratch Fever«, »Stranglehold« und setzte bei der letzten Zugabe »Great White Buffallo« wie immer die bei einer jeden Ted Nugent-Show überhaupt nicht fehlen dürfende Federschmuckindianerperücke auf's Haut.
Seine Songs kamen bestens an, fanden mehr als ausreichend Resonanz beim Publikum. Nebenbei wusste der gut aufgelegte Gitarrenvirtuose so einiges aus dem Nähkästchen zu erzählen, beispielsweise, dass seine Mutter schwedischer Herkunft sei.
Bei jedem dritten Song warf der schräge Ami den zum Standard erkorenen Gruß »Helloooooooooooo Sweeeeeeeeden« ins Publikum. Welcher internationale Top-Star des Hardrocks kann es sich überdies erlauben, einen neuen Song anzukündigen und sich dafür beim Publikum zu entschuldigen und den Song schließlich zu spielen, ohne dafür auch nur die geringste Mißfallenskundgebung in Form eines Buh-Rufes oder Pfiffes zu ernten? Solche Tatsachen sprechen Bände.
Ted »Gonzo« Nugent, das wurde an den Reaktionen des Publikums deutlich, ist sehr beliebt in Schweden. Der Ami fühlt sich dort richtig wohl. Ständig am grinsen und mit seinen beiden Komparsen an Bass und Schlagzeug das fetteste Rock 'n' Roll Brett aller Bands des Swedenrockfestivals bringend ist schon ein Kunststück für sich! Respekt, Mr. Nugent, Respekt!
Donnernd laut, bluesig und voll auf die Zwölf verabreichte der Gitarrenheld seinem Publikum gnadenlos die volle Ladung! Erdig, dreckig, rotzig und bluesig so muss richtig schön knochentrocken hart rockender Blues klingen! Manche BesucherInnen steckten sich irgendwann die Finger in die Ohren, weil ihnen der dröhnende Sound von Mr. Nugent derart heftig das Gehör freibließ. Da stellt sich glatt die Frage: Mensch, wofür gibt's Ohrenstöpsel? Es war ein Spaß und Genuß zugleich, dem Maestro, der serienweise schwindelerregende Soli aus dem Ärmel schüttelte und dabei zu keinem Zeitpunkt das gesunde Maß an satter Härte vermissen ließ. Griffbrettfetischisten, Southern- und waschechte HardrockerInnen kommen um Ted Nugent nicht herum.
Dass der olle Speckjackenrocker es immer noch kann, hat er damit hinreichend bewiesen; allerdings hätte sich Mr. Nugent seine provokant-patriotischen Seitenhiebe (Tarnnetz, camouflage farbenes Drumdesign etc.) schenken können. Egal, wie manche auch über ihn denken mögen: Gitarrespielen und mächtig abrocken wie kein Zweiter kann der Kerl jedenfalls. Zweifellos eine echte Gitarrenlegende, wenn auch eine oftmals nicht ganz unumstrittene. Für Rike und mich abgesehen von WASP der große Höhepunkt des Swedenrockfestivals! Toschi

Alice Cooper (10.06.06, Rock-Stage)

Alice Cooper
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Festivals haben ihre stets eigenen Gesetze. Das Programm des US-Megastars samt Band zielte überwiegend auf die stark vertretene Glamrockfraktion ab. Vor der Rockstage tummelte sich - parallel zum WASP-Gig des Freitages - ein buntgemischtes Volk unterschiedlichster Rock-Generationen. Der Meister des Shock-Rocks verzichtete diesmal fast gänzlich auf seine Show. Alice Cooper hatte Songs aus seiner erfolgreichen Glamrock-Ära in den 70er Jahren im Programm, während vom »Constrictor« oder »Thrash«-Album (seinen bestverkauften Superscheiben aus den 80ern) lediglich der Smasher »Feed My Frankenstein« und der Megasuperhit »Poison« als Zugabe dargeboten wurden.
Die Tatsache, dass der Glam-Rockanteil unter den Fans auf dem Swedenrockfestival wesentlich größer ist als auf anderen europäischen Metalfestivals dürfte wahrscheinlich ausschlaggebend für die speziell gewählte Setlist gewesen sein. Deshalb verwundert es diesbezüglich nicht, dass sich Alice Cooper hauptsächlich auf seine ollen siebziger Klamotten berief, statt zwischenzeitlich den ein oder anderen schnellen Reißer Marke »Bed Of Nails« auszupacken. Schließlich lebt eine Alice Cooper Show einzig und allein von der Unberechenbarkeit des Meisters, steht und fällt mit seinen Launen. Tja, wer so viele zeitlose Klassiker zur Verfügung hat, wie US-Rock-Ikone Alice Cooper kann sich derartigen Luxus leisten, und dabei locker in Kauf nehmen, es eben längst nicht jedem zu machen!
Wie dem auch sei: Die Setlist reichte von »No More Mr. Nice Guy«, »It's Electric«, »Shool's Out«, »I'm Eighteen«, »Billion Dollar Babies«, über »Lost In America«, bis »You Can Go To Hell«.
Dass er im weiteren Verlauf »Mass Destruction« und »Dirty Diamonds« (zwei Tracks jüngeren Datums) brachte, sorgte indess leicht für Verwirrung. Wären hier nicht Klassiker wie »House Of Fire«, »Hell Is Living Without You« oder »(He's Back) The Man Behind The Mask« angebracht gewesen? Mitnichten! Der Erfolg gab ihm recht. Alice Cooper reichte nahe (wenn auch nicht ganz) an die großen Festivalabräumer WASP heran. Immerhin brachte der Shock-Rocker mit »Welcome To My Nightmare« zum Schluß noch einen seiner allergrößten Hits als Zugabe und lieferte passend hierzu eine mehrminütige Showeinlage, die am Ende zumindest teilweise versöhnlich stimmte, womit das Spektakel doch noch ein zufriedenstellendes Ende fand.
Nach dem Gig stellte der Meister seinen zahlreichen Fans schließlich die Frage, wie der Gewinner des Abends heißt: (»Who's the winner?«) Die Antwort aus dem riesigen Fanchor kam prompt wie aus der Pistole geschossen: - Alice Cooper! Damit hatte »Mr. Nice Guy« seine gewünschte Bestätigung und die Fans auf dem Swedenrockfestival einmal mehr die Gewißheit, dass Vincent Damon Furnier alias Alice Cooper selbst im gesetzten Alter von den europäischen Festivalbühnen noch immer nicht wegzudenken ist. Toschi

Abschließend ein Nachwort zum Swedenrock-Festival:

Das Festival ist extrem sauber weil umweltfreundlich! Duschen, einen Supermarkt für Lebensmittelvorräte und Metalmarkt gibt's ebenfalls. Wer sich den Metalmarkt nicht geben will und trotzdem Raritäten sucht, ist im Swedenrockshop ebenfalls bestens aufgehoben. Neben diversen Metal-Tonträgern finden sich dort T-Shirts, Bücher etc., die den europäischen Standardpreis kaum überschreiten, bei DVDs sollte man allerdings wegen der verschiedenen Formate auf den Ländercode achten. Hier besteht die Möglichkeit, so manche Rarität zu erwerben, die möglicherweise anderswo kaum erhältlich sein dürfte.
Tagelang bis über den Rand mit Abfällen, Dreck und Fäkalien verstopfte Dixies wie teilweise auf anderen Konzerten gibt es nicht, da die Toiletten spätestens alle drei Stunden gereinigt werden. Die Menschen in Schweden und auf dem Festival sind wesentlich offener, direkter und freundlicher als beispielsweise im prüden Deutschland. Humane Preise, saubere Campingflächen und das starke Sozialempfinden der Menschen in Schweden haben dieses Festival für uns zum echten Traum werden lassen. Die Tatsache, dass wir völlig unerwartet Hansi Daberger vom Rock-Hard trafen, der sich als ausgesprochen freundlicher und sympathischer Zeitgenosse und interessanter Gesprächspartner herausstellte, bescherte uns ein unvergeßliches Wochenende par excellence, das von guter Musik, toller Atmosphäre und bester Akustik gekrönt wurde und als Special-Bonus sogar noch ein Interview mit dem Gitarristen einer bekannten deutschen Band für mich bereithielt.
Gras auf allen Plätzen und sogar vor der Bühne, zahlreiche Abfalltonnen auf dem Gelände, ein reichhaltiges Lebensmittelangebot und jederzeit ansprechbares, hilfsbereites, freundliches Security-Personal, wie man es sonst beinahe nirgendwo findet. Das Gros der Preise hielt sich im fairen Rahmen.
Die meisten Ordner konnten viele unserer Fragen beantworten. Schwere Soundüberschneidungen? - Fehlanzeige! Klarer, druckvoller, super ausgesteuerter Sound und das bei insgesamt fünf (!!!) Bühnen, die in verschiedenen Richtungen auf dem riesigen Gelände verteilt lagen. Vor der zweitkleinsten Bühne der Zeppelin-Stage wurde den schwitzenden Fans vom super freundlichen Personal immer wieder Wasser gereicht. Die Luft und die tolle Clubatmosphäre sind ebenfalls absolut einmalig (siehe Gabria-Bericht).
Des Weiteren hinterlässt die Tatsache, dass Blödsinn wie Pogen, Crowdsurfen, Stagediven und Violent Dancing auf dem Swedenrockfestival verboten ist, (dafür kann man auf dem Gelände nach allen Regeln der Kunst abrocken, wie die Sau, ohne schräge Blicke von der Seite zu ernten), einen prima Beigeschmack. Wie uns schon am ersten Tag, ehe das Festival begann, klar wurde, herrscht in den Clubs eine ausgesprochen freundliche Atmosphäre und man kommt unter Umständen, (sofern man der englischen Sprache zumindest einigermaßen bis halbwegs mächtig ist) recht schnell, möglicherweise auch sofort mit den Leuten ins Gespräch, die nur eines wollen: Gemeinsamen Spaß an guter Musik in lockerer Atmosphäre.
Das Festival war (wie uns ein kompetenter Ordner mitteilte) bis auf die letzte Karte ausverkauft! Ein verdientes Riesenkompliment an dieser Stelle ans gesamte Veranstalterteam für ein super Konzertwochenende und die reibungslose Abwicklung, was bei einer derart gewaltigen Masse von Dreiundsechzigtausend Menschen nun wirklich keine Selbstverständlichkeit und dementsprechend alles andere als einfach ist. Danke Schweden und Danke Schwedenrock! Danke für dieses extrem cremige Festivalwochenende. Next year, we will come back again!
Welche Bands haben auf uns den besten Eindruck hinterlassen? Meine schärfsten Granaten beim Swedenrock anno 2006 hießen: WASP, Ted Nugent, Dragonforce, Overdrive, Metal Church, Onslaught, Blitzkrieg und Grave; Rikes schärfste Granaten beim Swedenrock anno 2006 hießen: WASP, Alice Cooper, Dragonforce, Cloudscape, Storyteller, Metal Church, Overdrive und Blitzkrieg.
In diesem Sinne: Keep on Rockin'! Metal Forever! Take the Hörnergabel, raise your Fist und bang that Head, that doesn't bang! - Was für ein endgeiles Festival!!! Toschi


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Interviews:

Interview: Grave, 02.03.2005 Ich würde sagen, wir sind vom Gefühl her noch in den Neunzigern

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Blitzkrieg - Theatre Of The Damned
CD-Review: Molly Hatchet - Warriors Of The Rainbow Bridge
CD-Review: Molly Hatchet - 25th Anniversary - Best of Re-recorded
CD-Review: The Storyteller - Tales Of A Holy Quest
CD-Review: Metal Church - The Weight Of The World
CD-Review: Cloudscape - Crimson Skies
CD-Review: Grave - As Rapture Comes
CD-Review: Grave - Back From The Grave
CD-Review: Gabria - Live Fire

Live-Reviews:

04.08.2005 bis 06.08.2005: 16. Wacken Open Air (Wacken)
05.06.2007 bis 09.06.2007: Swedenrock-Festival (Sölvesborg (S))
25.05.2007 bis 27.05.2007: Rock Hard-Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
18.06.2003: Deep Purple, Lynyrd Skynyrd, Kickhunter (Bad Arolsen, Hessentag)


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