Live-Reviews

Earthshaker-Festival

21.07.2005 bis 23.07.2005, Geiselwind

Finntroll (21.07.05)

Finntroll mussten mit der kleineren Event-Hall vorlieb nehmen und räumten dafür von Beginn an gnadenlos ab! Mit ihrer extrem bizarren Mischung aus Viking, Dark, Death, Folk und Blackmetal scheint die Band aus dem Land der tausend Seen momentan exakt den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Innerhalb weniger Minuten brachte die Band die gesamte Halle zum Kochen! Dark, Black, Death, Doom- und Vikingmetalfans schüttelten im Einklang und wie auf Kommando massenweise in der bis auf den letzten Platz überfüllten Halle ihre Mähnen zum Sound des spielfreudigen Finnenfünfers.
Egal welcher Song gebracht wurde, die Fans fraßen Finntroll aus der Hand. Unbeschreiblich, welche Szenen sich im Bühnenvorraum und innerhalb der gesamten Bereichs der Eventhalle abspielten. Überall von vorn bis hinten wo man auch hin zu schauen gedachte, offenbarte sich ein riesiges Meer ausgelassen tobender und nahezu hysterischer Fans. Ähnlich wie die schwedischen Viking-Deather Amon Amarth gehören auch Finntroll zu den angesagtesten und erfolgreichsten Bands innerhalb der extremen Metalszene.
Wo immer diese Band auftritt, rasten die Fans reihenweise total aus und verehren die Jungs als wären sie Götter! Wer jetzt noch immer behauptet, Finntroll würden nur vor kleinem Publikum bestehen können, sollte langsam seine Scheuklappen abnehmen und erkennen: Der Fünfer ist merklich gereift. Aus der einstmals kleinen Supportband früherer Anfangstage ist mittlerweile eine ernst zu nehmende, ambitionierte Liveband geworden, der es heute mühelos gelingen dürfte, mittlere Hallen zu füllen ...
Direkt nach Beendigung ihres restlos überzeugenden Gigs herrschte am kleinen Finntroll-Merchandisestand Hochbetrieb! Möööööönsch ... wo die wohl alle herkamen???

Grave Digger (22.07.05)

Leider hab' ich vom deutschen True-Metal-Aushängeschild um Shouter Chris Boltendahl nur die Hälfte mitbekommen. Schuld waren die völlig unfähigen, gnadenlos überforderten Security-Leute, die es weder für nötig erachteten, geschweige denn geringfügig fertig brachten, den Innenraum ausreichend mit Fans zu füllen (auf der linken Seite hätten locker noch mehr als genug Leute Platz gehabt, da war fast bis zur Hälfte noch alles frei). Statt den Fans ein angenehmes Festival zu ermöglichen, schien es den ach so tollen und höchst blasierten Herren Securities viel wichtiger, erst mal ihre überhaupt nicht vorhandene Autorität raus hängen zu lassen! Nach einem mehr minütigen, fruchtlosen Streit mit einem der bekloppten Typen stellte ich fest, dass es keinen Zweck hat, geistige Tiefflieger und cholerische Hohlbirnen annähernd zur Kommunikation zu bewegen. Mann, was hätt' ich brechen können! Beim nächsten Mal, so sei es geschworen, kletter' ich halt über den Wellenbrecher in den Innenraum ...
Soweit hierzu. Zähneknirschend und einen Riesen Hals auf diese wirklich begnadeten Vollidioten schiebend, zog ich es vor, mich anschließend ganz dezent irgendwo im mittleren Bereich des großen Festivalgeländes niederzulassen, um wenigstens noch einen Teil vom Gig mit zu bekommen (nachdem bereits fast die komplette erste Hälfte rettungslos verloren gegangen war) um immerhin noch »The Grave Digger«, »Valhalla«, »Knights Of The Cross«, »Rebellion (The Clans Are Marching)« und den wie gewohnt als letztes Stück zum Schluß der Show gebrachten, unverwüstlichen (zwangsläufig seitens der Fans geforderten) Gassenhauer »Heavy Metal Breakdown« zu erleben! Na ja, zumindest besser als nichts.
Unglaublich! Kotz, Würg, Rülps, Furz, Spuck und Spei! So was kann und darf's auf einem Festival dieser Größenordnung einfach nicht geben! Doch wie so oft wird man häufig derart unbedarft eines besseren belehrt ...

Rhapsody (22.07.05)

Nach Grave Digger fing es plötzlich an zu regnen. Von angenehm warmen oder zumindest einigermaßen verträglichen Temperaturen und Sommerwetter keine Spur! Bei Rhapsody wurde es derart brechend voll auf dem Platz und das Wetter zunehmend schlechter. Der Regen nahm zu, es wurde immer kälter. Zuviel Bombast und zuwenig rockende Klänge trübten das Live-Gastspiel der italienischen Symphonic-Epic-Hollywood-Metal-Combo gewaltig. Spätestens danach war auch bei mir endgültig Feierabend mit der guten Laune; aus und vorbei und der Tag für mich gelaufen! Nach der Hälfte des Rhapsody-Sets verließen meine Freundin und ich müde und gefrustet den Platz in Richtung Zelt, das restliche Abendprogramm war uns nun völlig schnuppe! Anschließend suchten wir noch einmal den Trucker Hof auf, um uns sinnigerweise noch eine wohltuende Stärkung in Form einer warmen Mahlzeit vor dem Schlafengehen reinzufahren.

Disbelief (23.07.05)


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Obwohl mir diese Band bislang unbekannt war, gefiel sie mir ausgesprochen gut: Ehrlich, geradlinig und ohne Schnörkel trat der gut aufgelegte Deathmetalfünfer zu frühmittäglicher Stunde gewaltig Arsch und konnte an diesem Tag bereits erste zahlreichere positive Resonanzen seitens des Eartshaker-Publikums für sich verbuchen. Ein guter Auftakt des zweiten Tages und es sollte bei Weitem noch besser werden, zumal endlich (im krassen Gegensatz zum ersten Haupttag) auch der Wettergott ein Einsehen hatte und statt wolkenverhangener Regenschauer für angenehme Temperaturen sorgend, des Himmels Vorhänge ganz weit öffnete und plötzlich die Sonne auf's Festivalgelände herunter scheinen ließ.

Destruction (23.07.05)


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Als annähernder Ersatz für die ausgefallenen Overkill ins Billing reingenommen, bewiesen Schmier und seine beiden Mitstreiter eindrucksvoll, dass gestandene Thrash-Heroen auch vor einem True-Metal-Publikum bestehen können. Gleich von Beginn an feuerte das (zusammen mit Sodom und Kreator) beste deutsche Thrashkommando bei angenehm sonnig-warmen Temperaturen eine Thrashgranate nach der nächsten ins dankbare Publikum, u. a. »Eternal Devastation«, »The Butcher Strikes Back« etc.
Destruction spielten sich wortwörtlich so richtig den Arsch ab und ernteten hierfür sogar von einem Teil der anwesenden Truemetalfans gehörigen Respekt. Frontmann Schmier glänzte mit lockeren Ansagen und vermochte es immer wieder, das Publikum so richtig zu pushen. Die drei aus dem Ruhrpott gaben ordentlich Gas und machten einen guten Job. Schade nur, dass der Sound ein wenig zu wünschen übrig liess, sprich für Thrashmetal-Verhältnisse definitiv drei Oktaven zu leise gestellt war - oder lag's vielleicht an den Instrumenten?
Destruction sind live wirklich nicht zu verachten, was sie auch auf dem Earthshaker-Festival wieder eindrucksvoll unter Beweis stellten. Toller Gig! Spätestens jetzt sollte sich die Laune des Verfassers dieser Zeilen auf die im weiteren Verlaufe des Tages noch kommenden Hypocrisy und Dimmu Borgir (und last but not least, den Headliner Manowar nicht zu vergessen) gewaltig bessern!

Masterplan (23.07.05)


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Unglaublich, wie viele Menschen sich bereits am Nachmittag eingefunden hatten, um den Masterplan-Auftritt zu verfolgen. Wie schon beim Rockhard-Festival wurden Masterplan auch vom Geiselwinder Publikum nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Obwohl die Band das entsprechende Gros an Hits auspackte, »Crimson Rider« (einschließlich Intro), »Cristal Night«, »Soulburn« und das abschließende »Heroes« seien stellvertretend genannt, wirkte deren Performance durch die Bank weg eher stacksig und langweilig. Der Band konnte es jedoch egal sein. Ausnahmeklampfer Roland Grapow gab zwischendurch mehrere Kostproben seines Könnens, das Publikum ging zu allen Stücken prima mit. Masterplan durften mit sich und der Welt zufrieden sein, - der Erfolg gab ihnen schließlich recht!

Hypocrisy (23.07.05)


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Hypocrisy eröffneten ihren Set mit »Fractured Millenium« und legten sich von Beginn an gleich mächtig ins Zeug. Schon während der ersten drei Songs bildete sich ein kleiner, mit zunehmender Spieldauer um so extremer abgehender Moshpit im Innenraum des (spätestens bei Masterplan) zumeist durchgehend gut gefüllten Platzes vor der Bühne. Wer jetzt noch einen Platz im Innenraum ergattern wollte, musste sich knappsten Falles schon in der Umbaupause zum Innenraum begeben, ehe das über weite Strecken recht unfreundliche Security-Personal zwecks möglicher »vermeintlicher Überfüllungsprobleme« ganz schnell die Pforten dicht machte!
Wie dem auch sei: Peter Tägtgren und seine drei Mitstreiter ließen mit ihrem ausgewählten Programm, bestehend aus Nummern wie »The Abyss«, »Eraser« etc. keinerlei Wünsche bei der treuen Hypocrisy-Fangemeinde offen. Ein Teil der im Innenraum (sowie auf dem großen Hauptplatz) versammelten Truemetalfans konnte programmgemäß recht wenig bis gar nichts mit intensiven Death/Blackmetal-Gemisch des Vierers anfangen. Bandleader Peter Tägtgren nahm die gemischten Resonanzen auf seine Band zur Kenntnis und bemühte sich, das Publikum zwecks größerer Aktivität zu bewegen, was ihm jedoch nur teilweise gelang.
Als letztes Stück wurde standesgemäß der vom eingefleischten Hypocrisy-Fanklientel frenetisch geforderte Alltime-Klassiker »Roswell 47« gebracht, den der Hypocrisy-Bandboss witzigerweise mit »Manowar 47« ankündigte, ehe vier restlos bediente Nordlichter nach gut einer Stunde (wenn auch nur halbwegs zufrieden mit dem Gig) die Bühne verließen.

J.B.O. (23.07.05)


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Der vierköpfigen Rosa-Armee-Fraktion war es nicht nur vorbehalten, für den optischen Farbtupfer des Festivals zu sorgen, sondern die Stimmung unter den Fans für die beiden kommenden Bands noch einmal kräftig anzuheizen. Die Maßnahme des Veranstalters, das Blödelquartett zwischen den beiden Düsterheimercombos Hypocrisy und Dimmu Borgir zu platzieren, sollte sich als goldrichtig erweisen. Dass es J.B.O.-Gigs gewaltig in sich haben und häufig mit zahlreichen Überraschungen gespickt sind, dürfte der großen J.B.O.-Fanschar längst geläufig sein.
Der Vierer wurde seinem Namen in allen Belangen gerecht. Vor der Bühne tummelte sich ein bunt gemischtes Volk in diversen grellen Klamotten, das gemeinsam mit der Band eine gigantische Rock 'n' Roll-Party feierte. Es waren sogar vereinzelt Leutchen im Publikum zu sichten, die ansonsten mit Metal wohl eher weniger am Hut haben dürften.
Zu den Höhepunkten des J.B.O.-Sets gehörten das unentbehrliche »Könige«, die fett auf Rammstein gemünzte Version des Nicole-Schlagers »Ein bisschen Frieden«, das unter Aufsicht zweier Messdiener vorgetragene, (mit silbernem Konfetti unterzeichnete) Glaubensbekenntnis welches den gemeinsamen Bund der Fans mit dem Rock und Roll besiegelte. Spätestens nach diesen fünfundsiebzig phänomenalen Minuten war wieder einmal recht deutlich geworden, dass die Verteidiger des wahren Blödsinns ihrem Namen in vollem Umfang gerecht wurden.

Dimmu Borgir (23.07.05)


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An der Black-Metal-Institution Dimmu Borgir schieden sich wie immer die Geister; dennoch hatten die sechs von Beginn an hochmotiviert zu Werke gehenden Norweger zumindest einen Großteil der Fans auf ihrer Seite.
Statt bei für sie nicht ganz so optimalen Bedingungen (zu vorgerückter Zeit, das Programm hatte sich eine Stunde nach vorn verschoben, wodurch es eigentlich noch viel zu hell vor der Bühne war) einfach lustlos ihren Stiefel herunterzuspielen, gaben sich die sechs wie üblich Corpsepaint geschminkten Norweger alle Mühe, auch bei vorgezogen heller Stunde ihre Fans nicht zu enttäuschen und wahrten mit einem soliden Gig ein weiteres Mal glaubwürdig ihren bis heute ungebrochenen Nimbus als »Branchenführer« des Genres.
Überraschenderweise brachten Dimmu Borgir gegen Ende ihres Sets mit »Stormblast«, dem Titelsong vom gleichnamigen Album sogar noch einen alten, von der Die-Hard-Borgir-Fraktion um so frenetischer bejubelten Song, ehe mit »In Death's Embrace« vom Black-Metal-Meilenstein »Enthoned Darkness Triumphant« ein weiterer großer Klassiker folgte, um das Gastspiel anschließend sinngemäß mit ihrem besten Stück »Mourning Palace« ausklingen zu lassen.
Schade nur, dass die Norweger ihren Gig gut eine Viertelstunde früher als geplant beendeten. Dimmu Borgir sind und bleiben aus meiner Sicht in allen Belangen die Könige des Blackmetals. Sicher, solide und über alle Maßen erhaben!!!

Manowar (23.07.05)


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Nach Dimmu Borgir folgte dann endlich die von zahlreichen Fans sehnsüchtig erwartete Band, der zahlreiche Sympathien des Festivals galten: Manowar! Da es sich beim Earthshaker-Gig um den einzigen Auftritt der »Kings Of Metal« in Deutschland handelte und bereits im Vorfeld ein Riesenspektakel bezüglich dieses Umstands veranstaltet wurde, zog der Auftritt zwangsläufig viele ausländische Fans an, die das Festival bereicherten, wodurch dem Earthshaker-Festival 2005 erstmals ein größerer internationaler Status zuteil wurde. Italiener, Spanier, Franzosen, Griechen, Engländer, Iren, Schweden, Schweizer, Holländer, Norweger, Australier und deutsche Metalfans feierten an diesem Abend eine gewaltige Party und widerlegten in wunderschönster Manier, die mittlerweile bis zum Kotzen, Würgen und Erbrechen ausgelutschte These, »Heavy Metal ist tot!« @alle die so denken: Fuck Off And Die!!!!!!!!!!! Kniet nieder ihr Würmer, Weicheier, Poser, Moralisten, Spießer, Trittbrettfahrer, Schlaffis und sonstiges Gesocks, vernehmt folgende Nachricht: Heavy Metal ist nicht tot! Der wahre Metal lebt, dank M a n o w a r!!! - Whimps and Posers: Get out, Leave the Hall!
Der Amivierer um Basser Joey Di Majo und Ausnahmevocalist Eric Adams wartete mit einer wahrhaft einzigartigen, knapp dreistündigen Show der Superlative (einschließlich gelegentlicher Peinlichkeiten) auf, wie man sie in solcher Form bis dato noch auf keinem Festival erlebt hat. Ein Fahnenmeer internationaler Flaggen (Italien, Griechenland, Irland etc.) durfte ebensowenig fehlen, wie Bandboss Joeys große Vorliebe für Richard Wagner, dessen Gesamtwerk vom Manowar-Bassisten in einer aufrichtigen Lobrede gewürdigt wurde.
Pannen durften - wie bei einem Manowar-Gig üblich, natürlich auch nicht fehlen, so beispielsweise, als bei Joeys Bassolo plötzlich ein Bassverstärker ausfiel und der Manowar-Basser ziemlich dämlich in die Röhre schaute - netter Unterhaltungseffekt, den man einfach mit Humor nehmen muss, schließlich lockern solche, wenn auch unfreiwillig komischen Einlagen eine jede Metalshow auf oder sorgen ungewollt dafür, dass ein solcher Gig, auch später noch gut im Gedächtnis haften bleibt!
Wer also diesen Punkt immer noch kritisiert und meint, die vier Amis seien nur aufgeplusterte, muskelbepackte Machos mit oberflächlicher Proll-Attitüde ohne Hirn und Verstand, hat den Sinn der Band Manowar bis heute nicht begriffen, und wird auch später nicht mehr geistig dazu in der Lage sein. Ein klein wenig Prollerei war schon immer fester Bestandteil einer Manowar-Show, diverse Motorradeinlagen und die Lederklamotten gehören ebenfalls dazu; und nicht zu vergessen: keine geringere Band als die britische Metal-Legende Judas Priest hat's in den frühen 80ern bereits vorgemacht! Leder und Motorräder sind also absolut nix umwerfend neues, - im Gegenteil: dieses Image gehört zum echten Heavy Metal dazu wie beim Frittenstand Currywurst, Pommes und Bier!
Aus dem großen Schatten des früher beinahe übermächtig erscheinenden, von manchen Magazinen früher als sogenannten Metalgötter bezeichneten britischen Metalflaggschiffs dürften die vier Mannen um Joey de Majo mittlerweile schon lange heraus getreten sein. Manowar haben sich etabliert, gehören spätestens seit den Neunzigern zu den großen Metalbands und wer das aller Kritik zum Trotz nicht wahrhaben will, sollte sich einmal die Verkaufszahlen ansehen, die der Band eindeutig recht geben! Manowar-Scheiben sind Kult und gehören ähnlich wie sämtliche Ozzy, Dio-, Iron Maiden-, oder diverse Saxon- und Judas Priest-Scheiben der 80er zur Grundausstattung eines jeden gut sortierten Metalhaushalts!
Genug des Beiwerks, nun zum Manowar-Auftritt selbst: Anfangs war der Sound des US-Vierers noch grottenschlecht, was nun wirklich nicht so recht zur vermeintlich lautesten Band der Welt passen wollte, obwohl die Songauswahl sich sehen lassen konnte: Manowar stiegen mit dem Altkracher »Manowar« in den Set ein, wonach die Band »Brothers Of Metal« und »Call To Arms« folgen lässt, ehe ein Gitarrensolo von Gitarrist Karl Logan folgte, woraufhin sich erste Unmutsäußerungen im Publikum breit machten.
Daraufhin folgten bei deutlich zunehmenden Sound-Niveau mit »Kings Of Metal«, »Sign Of The Hammer«, »Blood Of My Enemies« und »Kill With Power« vier ultimative Manowar-Hymnen vom Feinsten.
Danach ereignete sich eine seltene Kuriosität, wie sie durchaus bei Manowar-Konzerten allerdings durchaus einzukalkulieren ist: Ein Bass-Verstärker kackte während Joeys-Bass-Solo vollig unerwartet ab, woraufhin die Band zur Improvisation gezwungen wurde. Ex-Gitarrist David Shankle und Ex-Drummer Rhino gaben sich die Ehre, um unter gewaltigem Jubel »Metal Warriors« und »Ride The Dragon« zum Besten zu geben, die Fanmeute im Innenraum des Platzes tobt!!! Ross The Boss und Donnie Hamzik (der erste Manowar-Drummer) werden unter frenetischem Applaus auf die Bühne gebeten, um den Altklassiker »Metal Daze« (Heavy Metal, Heavy Metal, Daaaaazeeee!!!) und das düstere »Dark Avenger« zu performen, ehe bei Bandboss Joey anscheinend wieder mal für fünf Minuten die Sicherungen durchknallten: Da dem Manowar-Basser beim Stück »Outlaw« der Sound der Bassdrums zu unregelmäßig erschien schob man kurzerhand einen mehrminütig andauernden Soundcheck nach, was eigentlich völlig daneben war, zumal das bis zu diesem Zeitpunkt immer besser in Stimmung kommende Publikum gerade so richtig warm wurde, - wie erneute Unmutsäußerungen bewiesen, dazu fiel einem doch glatt nichts mehr ein!
Anschließend folgte das in Deutsch gesungene von einem Playback-Orchester begleitete »Herz aus Stahl« eine weitere Manowar-Hymne für die Ewigkeit und die beinahe programmatisch dazugehörende Lobesrede Joeys für Richard Wagner, die mit einer auf beiden Bühneleinwänden rechts und links zu verfolgenden Sequenz des dritten Aktes aus der Oper Lohengrin bildlich untermalt wurde. Nach derart viel Schmalz besann sich die Band dann endlich wieder eines Besseren.
Zum Glück verfügen Manowar mit dem auf ganzer Linie überzeugenden Eric Adams über einen der stimmgewaltigsten (und den möglicherweise besten Sänger des Heavy Metal Genres), sonst hätte der Ami-Vierer diesen Gig unter Umständen vielleicht furchtbar mächtig in den Sand gesetzt. Gut, dass der an diesem Abend mehrfach kräftig den Bogen des Kitsches überspannenden Band, dieses Schicksal erspart blieb und sich Joey de Majo trotz seiner ab und an noch immer durchscheinenden, manchmal zuweilen überflüssigen Kaspereien und unnötigen Eskapaden wieder auf sein Können besann, da die Band den Abend mit einem geballten Package mehrerer Manowar-Alltime-Hymnen ausklingen liess, gemeint sind: zunächst das von der Band im Sinne einer Premiere neu vorgestellte Stück »King Of Kings«, - eine superbe Kulthymne - der schon jetzt Ohrwurmcharakter innewohnt - vom geplanten neuen Album, das nächstes Jahr erscheinen soll.
Eine weitere True-Metal Hymne die in Geiselwind wie ein alter Manowar-Klassiker abgefeiert wurde und sich schon bald nahtlos in die Liga zahlreicher Manowar-Klassiker einreihen wird. Die Fans dürfen schon jetzt auf's neue Manowar-Album gespannt sein! Desweiteren wussten auch »Warriors Of The World United«, das wie immer geniale »Hail And Kill« und die unverwüstliche Speedgranate »Black Wind, Fire And Steel« in voller Länge zu überzeugen, ehe Joey eine weitere grandios-überflüssige Idee in den Sinn kommt, weil der als Missionar fungierende Bassist den Fans minutenlang die Tourdaten für's nächste Jahr vorbetete, womit er zunächst gnadenlos das Feeling killt, andererseits jedoch die Spannung im Publikum bezüglich des noch ausstehenden Restprogramms aufrecht erhält, das es dann noch einmal erwartungsgemäß in sich hatte:
»Battle Hymns« (das von Musiker und Gästen der Band in gemeinsamer Kooperation dargeboten wurde, sowie der aus mehreren Tausend Kehlen lauthals mitgesungene (und -gegröhlte) Manowar-Übersong »The Crown And The Ring«, jenes Überstück, das auf keinem Manowar-Konzert fehlen darf, beenden schließlich verdientermaßen einen zahlreiche Überraschungen beinhaltenden Metalabend, der die Könige des True-Metals an diesem Abend mächtig ins Wanken geratend sah, doch sie fielen nicht!
Schade, dass Christopher-Lee (Star Wars, Herr der Ringe, Dracula etc.), nicht auf der Bühne erschien, dafür hatten Manowar immerhin ein vollständiges Orchester am Start und boten eine dreistündige Show gespickt mit vielen Kuriositäten einschließlich sämtlicher Ex-Bandmitglieder, die jemals in der Band gespielt haben! Fazit: Viel Show, Gute Songauswahl, durchwachsener Auftritt!
Ähnlich sah es auch meine Freundin, die berechtigterweise von der Songauswahl sehr angetan war, doch ebenfalls hinterher nach Beendigung des dreistündigen Konzerts feststellen musste, dass auch bei den selbst ernannten Kings Of Metal »längst nicht alles Gold ist, was glänzt ...«

Eine ziemlich durchwachsene, streckenweise nicht so dolle organisierte Veranstaltung, die eher einer Wetter bedingten und emotionellen Berg- und Talfahrt entsprach, deren Lichtblicke Finntroll, Grave Digger, ein starker zweiter Tag mit Disbelief, Hypocrisy, Dimmu Borgir, Manowar und nicht zuletzt das wirklich ausgezeichnete Essen im Truckerhof gewesen sind.

Toschi


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Biografie:

Biografie: Disbelief

Interviews:

Interview: Disbelief, 30.03.2002 Keine Tricks und kleine Autos!

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Grave Digger - Liberty Or Death
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CD-Review: Rhapsody - The Magic Of The Wizard's Dream
CD-Review: Rhapsody - Symphony Of Enchanted Lands II-The Dark Secret
CD-Review: Disbelief - Spreading The Rage
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CD-Review: Masterplan - MK II
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CD-Review: Dimmu Borgir - In Sorte Diaboli

Live-Reviews:

16.08.2007 bis 18.08.2007: Summer Breeze 2007 (Dinkelsbühl)
03.08.2006 bis 05.08.2006: 17. Wacken Open Air (Wacken)
04.08.2005 bis 06.08.2005: 16. Wacken Open Air (Wacken)
21.08.2003 bis 23.08.2003: Summer Breeze 2003 (Abtsgmünd)
25.05.2007 bis 27.05.2007: Rock Hard-Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
13.02.2005: Stormhammer, Astral Doors, Grave Digger (Ludwigsburg, Rockfabrik)
05.08.2004 bis 07.08.2004: 15. Wacken Open Air (Wacken)
14.03.2004: Pro-Pain, Ektomorf, Disbelief, Morda (Ludwigsburg, Rockfabrik)
22.08.2002 bis 24.08.2002: Summer Breeze 2002 (Abtsgmünd)
26.01.2002: Bolt Thrower, Benediction, Fleshcrawl, Disbelief (Kallewerk, Bad Salzungen)
04.08.2007 bis 06.08.2007: 18. Wacken Open Air (Wacken)
01.08.2002 bis 03.08.2002: Wacken Open Air 2002 (Wacken)
26.12.2001: Destruction, Kreator, Sodom (Rockfabrik, Ludwigsburg)
13.05.2005 bis 15.05.2005: Rockhard Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
26.08.2005 bis 27.08.2005: Up From The Ground (Gemünden, Mainwiesen)
19.08.2004 bis 21.08.2004: Summer Breeze 2004 (Abtsgmünd)
09.04.2004: No Mercy Festival (Münster, Live Arena)
05.06.2007 bis 09.06.2007: Swedenrock-Festival (Sölvesborg (S))
02.08.2001 bis 04.08.2001: Wacken Open Air 2001 (Wacken)


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