Interviews

My Cold Embrace (11.10.2002)

Death-Metal muss richtig auf die Fresse hauen!

My Cold Embrace

Wann wurden My Cold Embrace gegründet, und wie lange gibt es euch bereits?

Dirk: Zur Sommersonnenwende 1998. Erst Dennis, dann Dominik, dann kam ich, dann Tim und zuletzt kam unser Sänger (Wolf) hinzu. Wir haben unter dem Namen Helfenstein angefangen Musik zu machen. Früher zielten wir eher in die Black-Metal-Richtung ab, wir wollten uns jedoch dann schnell wieder von der Black-Metal-Geschichte abgrenzen, als wir merkten, dass Teile der Black-Metal-Szene in die rechte Szene wanderten und wir zudem noch viele weitere Stilarten in unseren Sound einbetteten, da uns Black Metal einfach »zu wenig« war. Wir benannten uns in My Cold Embrace um und entwickelten uns in Richtung Death/Thrash-Metal mit teilweise melodischem Einschlag etc.

Wieviele Alben habt ihr bislang veröffentlicht? In welche Richtung tendieren sie, wie lauten die jeweiligen Titel und in welchem Jahr wurden sie veröffentlicht?

Dirk: Drei. Unsere erste CD hieß: Raggabash (Langsamer Metal mit Hang zum Death-Metal), sie wurde 1999 veröffentlicht. Zu den Aufnahmen der zweiten CD The First Day wurde uns überraschend angeboten, einige Songs für einen Film beizusteuern, der »Der erste Tag« hieß und dementsprechend lautete der Titeltrack The First Day. Sie erschien im Jahre 2000 und beinhaltete melodischen Death-Metal, Gothic-Metal, Thrash und Blackmetal.
... zurück aus Hölle ist am 11. Oktober 2002 herausgekommen.

Wie seid ihr gerade auf diesen doch eher dem Rock 'n'Roll_Klischee entsprechenden Titel »zurück aus der Hölle« gekommen?

Viele Magazine haben gesagt, dass wir mit der Mischung, die wir spielen zwischen allen Stühlen sitzen und in keine Kiste direkt reinpassen, also dürfen wir unsere Platte auch ruhig »... zurück aus Hölle nennen«. Beispielsweise ist in den Titelsong das Konzept von Goethes Faust eingearbeitet. Wir sind die Teufel von My Cold Embrace und der Underground möge uns seine Seele verschreiben ... und leisten es uns, lustig zu sein. Trotzdem nehmen wir unsere Musik ernst, jedoch nicht zu ernst, wie es manch andere Bands tun!

Wo liegen die Haupteinflüsse eurer Musik?

Schwedischer Deathmetal, In Flames, Dark Tranquility, technischer Deathmetal (Cryptosy), Children Of Bodom, Alternative, diverse Einflüsse aus dem Independent Music-Bereich, Old-Shool Deathmetal, Hardcore ...

Als was würdet ihr euer demnächst erscheinendes Album bezeichnen, handelt es sich hierbei um ein Konzeptalbum?

Dirk: Tauch ein in unsere fantastische Welt aus Wahnsinn und Gewalt, so wird der Weg Wilburs (die Figur auf dem Cover, welche sich den Teufeln My Cold Embrace verschreibt) auch Dein Weg sein. Freundschaft, Wahnsinn, durchgedreht sein, auf eine gesunde Art und Weise. Nicht wie zumindest teilweise manche Gruppen aus der Black-Metal-Szene, die sich viel zu ernst nehmen. Der Spaßfaktor ist sehr wichtig für uns. Musik soll Spaß machen.

Warum habt ihr gerade eine Comic-Figur als Cover genommen: Seid ihr Marvel-Fans?

Dirk (breit grinsend): Nein, um eine Marvel-Comicfigur geht es nicht. Es handelt sich hierbei um eine Comic-Zeichnung aus dem Jahre 1972 (aus einem italienischen Teufelscomic), wir wollten bewußt die allgemein gängigen Klischees umschiffen.

Gab es in der Vergangenheit Line-Up-Wechsel oder habt ihr schon seit längerer Zeit ein stabiles Line-Up?

Dirk: Wir hatten damals noch eine Sängerin in der Band, die Nina, die jedoch leider nicht mehr die Einstellung zu unserer Musik besaß und uns irgendwann verließ. Der Martin an der Geige und Janek an der Bratsche spielten ebenfalls eine Zeit lang mit, beide hatten jedoch dann auch keine Zeit mehr für die Band und verließen uns ebenfalls. Janek konnte echt super spielen, er war ausgezeichnet an der Bratsche. Schade, dass er nicht mehr dabei ist.
Irgendwann hatten wir die Nase gestrichen voll von dem ganzen Hick-Hack. Wir beschlossen daraufhin, unsereren Stil radikal zu ändern: Unsere Musik soll voll auf die Fresse gehen! Reduced To The Max! Von da an ist unser Line-Up, vom Wechsel mit dem neuen Sänger Ernie abgesehen, konstant geblieben.

An welchen Auftritt erinnert ihr euch gern und würdet ihr gern mal dort Auftreten, wo ihr noch nicht gespielt habt?

Dirk: Einer der schönsten Auftritte war der mit Eisregen in Hessisch-Lichtenau. Wir haben gelernt, dass wir uns bewegen müssen! Kleine Spielfehler kann man zu Gunsten des Publikums riskieren. Übrigens gab es noch keinen Auftritt, bei dem Dominik keine Seite gerissen wäre ... schreib' das bloß mit rein ... da legt der Dominik großen Wert drauf.

Das ist wichtig! Keine Bange, das kommt auf alle Fälle mit ins Interview. Hä, hä, hä!

Dominik (zunächst breit grinsend, anschließend kräftig ablachend): Das muss mit rein. He, he, he!

Würdet ihr eventuell auch in Wacken z.B. auf der Wet- oder Party-Stage spielen? Wo würdet ihr auf gar keinen Fall auftreten?

Dirk: Wacken? Ist das noch Underground-Spirit? Für Bier und Sprit spielen wir überall, wo uns jemand gerne sehen möchte.

Probt ihr oftmals lange und intensiv?

Dominik: Fünf Stunden ungefähr, einmal die Woche.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Death-Metal-Band zu gründen?

Dominik: Der Geschmack von jedem. Das ergab sich so.

Dirk: Die Dinge entwickeln sich eben. Death-Metal ist die schönste Methode, auf die Fresse zu hauen!

Was wollt ihr mit eurer Musik erreichen, bzw. welchen Zweck soll sie erfüllen?

Dirk: Die Underground-Szene unterstützen, sie muss gestärkt werden. Es tat richtig gut, zu Schwitzen und den Fans das zu geben, was sie brauchen!
Der Death-Metal Bereich scheint ähnlich wie der Power-Metal-Bereich momentan stark zu boomen, während es im Black-Metal-Bereich schon seit einiger Zeit ein ganzes Eckchen ruhiger geworden ist, soweit es die Anzahl der Veröffentlichungen betrifft.

Was sollte sich eurer Meinung nach an der Hard 'n'Heavy-Szene ändern oder sollte sie zukünftig auch weiterhin so bleiben, wie sie momentan ist? Was könnte man verändern?

Tim: Mehr Respekt und Toleranz untereinander.

Dirk: Schubladen sind für 'n Arsch! Die wenigen Übriggeblienen der Hard 'n' Heavy Szene sollten keine unnötigen Kleinkriege anfangen. (Bekommt gerade eine Meldung von seinem immernoch fassungslosen Bandkumpel Ernie rein, ein assozialer Penner hat Ernie's Rucksack vor der Bühne geklaut!) Man sollte über den Rand hinausgucken. Letztendlich ist es alles eine Choose, egal, ob Black-Metal, Death-Metal, Thrash-Metal, etc. Wichtig ist es, die Idee des Untergrunds am Leben zu erhalten. Plandenken schadet nur!

Das sehe ich genauso. Wir schwimmen schließlich alle in einem Boot! Unnötige Kleinkriege innerhalb der Metal-Szene müssen nicht sein. Wer ein solches Verhalten an den Tag legt, hat weder Niveau noch definitiv eine Ahnung, wofür der Begriff Heavy-Metal eigentlich steht. Es ist egal, ob man ein Powermetal-Shirt ein Death-Metal-Shirt oder das T-Shirt einer sonstigen Metal-Gruppe trägt! Intoleranz und stures Schubladendenken verhindern das Ausleben der eigenen Kreativität.

Das Interview wurde mit Dirk, Dominik und Tim im Musiktheater in Kassel geführt.

Toschi

weitere Links
Interviews:

Interview: My Cold Embrace, 09.11.2004 Brutal sollte das Ding werden und brutal ist's geworden
Interview: My Cold Embrace, 16.05.2008 Neue Leute bedeuten richtig frischen, motivierenden Wind

CD-Reviews:

CD-Review: My Cold Embrace - ... zurück aus Hölle
CD-Review: My Cold Embrace - Katharsis
CD-Review: My Cold Embrace - Hausgeist

Live-Reviews:

25.12.2008: 4. Masters Of Cassel-Festival (Kassel, Nachthallen)
26.12.2005: Masters Of Cassel-Festival (Kassel, Musiktheater)
11.07.2003 bis 12.07.2003: Rocktown Open Air 2003 (Bebra, Biberkampfbahn)


Diese Seite wurde 4 mal kommentiert
dominik (20.10.2002 22:05:28)
Vielen Dank nochmal für das Interview! Das Konzert im MT hat riesig Spaß gemacht und wir wären froh, wenn auf unseren nächsten Gig´s mindestens genauso die Ärsche fliegen.

Support the underground!
Toschi (23.10.2002 12:01:00)
Hallo Dominik und My Cold Embrace.

Gern habe ich dieses Interview mit euch geführt und für euch geschrieben. Euer Konzert im M.T.
war einfach nur saustark und klasse! Beim nächsten Mal muß definitiv wieder voll "die Kuh fliegen!" Metallische Grüße
an die gesamte Band,
Support the Underground!

Toschi
Ernie (23.10.2002 18:09:20)
Hi,

mein Rucksack ist beim Aufräumen wieder angefunden worden und es ist sogar noch alles drin gewesen...

also keeene sorge, alles wieder da...

ernie
Toschi (24.10.2002 00:04:15)
Hi, Ernie!

Freut mich, das du ihn wieder gefunden hast.
Gut so, wäre ja noch schöner, wenn jetzt auf Konzerten auch noch Rucksäcke geklaut würden,
auch das ist bekanntlich schon vorgekommen.

Metallische Grüße,
See you, irgendwann wieder im M. T.

Toschi

Kommentar schreiben







1
Artikel
diesen Artikel per Email verschicken:
Email
Suchen
In den Interviews nach:
am meisten gelesen:
Bewertung
Artikel bewerten:

Stimmen: keine
Punkte: 0/5
Partner
Relapse Records
Roadrunner Records
Maintain Records
Bad Land Records
 Live-Reviews
25.12.2008
4. Masters Of Cassel-Festival
Kassel, Nachthallen
07.08.2008
bis
09.08.2008

Party San Open Air
Bad Berka
09.05.2008
bis
11.05.2008

Rock Hard Festival
Gelsenkirchen, Amphietheater
25.12.2007
3. Masters Of Cassel-Festival
Kassel, Nachthallen
01.11.2007
Powerwolf
Saarbrücken, Garage
16.08.2007
bis
18.08.2007

Summer Breeze 2007
Dinkelsbühl
11.08.2007
Powerwolf
St. Ingbert, Holzstock-Festival
04.08.2007
bis
06.08.2007

18. Wacken Open Air
Wacken
19.07.2007
Pink Cream 69
Saarbrücken, Roxy
05.06.2007
bis
09.06.2007

Swedenrock-Festival
Sölvesborg (S)
25.05.2007
bis
27.05.2007

Rock Hard-Festival
Gelsenkirchen, Amphietheater
26.12.2006
2. Masters Of Cassel-Festival
Kassel, Nachthallen
18.08.2006
bis
19.08.2006

Summer Breeze 2006
Dinkelsbühl
03.08.2006
bis
05.08.2006

17. Wacken Open Air
Wacken
28.07.2006
bis
29.07.2006

Rock Of Ages-Festival
Seebronn
Statistik
1590 CD-Reviews
282 Underground-CDs
24 DVD-Reviews
159 Interviews
124 Live-Reviews