Interviews

Machinery (10.06.2008)

Bewegung über Genregrenzen hinaus

Machinery aus Schweden beweisen auf »The Passing« mit Nachdruck, dass modern gespielter Metal und ein Zusammentreffen von Power Metal und Melodic Death Metal Elementen derzeit zurecht schwer angesagt ist und andererseits auch locker das Zeug dazu hat, den »test of time« zu bestehen, da es die Burschen absolut verstehen, grossartige Melodien mit Druck, Power, Witz und Spielfreude zu paaren, ohne dass die Songs vorschnell Abnutzungserscheinungen zeigen würden, ganz im Gegenteil.
Absolut genial verschmolzene Symbiose aus Power Metal, Thrash und Modern Melodic Death mit Langzeitwirkung!
Michel, Chef der Stockholmer, war so nett mir einige Fragen ausführlich zu beantworten. Ich denke, das Interview ist vor allem deswegen lesenswert, weil Michel einige kritische Ansichten zur schwedischen Metalszene preisgibt und neueste Szene-Entwicklungen aus Stockholm verrät, die einiges erahnen lassen, was die (schwedische) Metal Zukunft betrifft, aber auch so manchen Schweden als möglichen Trendreiter entlarvt, der so manche Band nicht aus vollem Herz, sondern aus Gründen der Vermarktbarkeit betreibt. Immer noch schielt ja die halbe Metalwelt in demütiger Haltung nach Schweden, dem »Gottland« mancher Metallerträume. Michel ist rundum ehrlich, eine fröhliche Haut und liebt es Fragen ausführlich zu beantworten. Was ein Spass bei der Übersetzung, aber lest nun selbst.

Dirk: »The Passing« hat wirklich tolle Kritiken bekommen, obwohl euer Name in Deutschland noch relativ unbekannt ist. Könnt ihr uns denn mal einen kurzen, einführenden Überblick in die bisherigen Karrierehighlights von euch geben, damit wir uns ein erstes Bild von euch machen können?

Michel: Machinery gibt es seit 2001. Die ursprüngliche Idee hinter der Musik bzw. den Mitgliedern kann bei den heutigen Machinery nicht mehr herausgehört werden. In den frühen Tagen haben wir vor allem gejammt und mit Grooves experimentiert. Natürlich haben wir uns über die Jahre hin entwickelt und unser Debütalbum »Degeneration« kam dann 2006 raus, welches eine Ecke aggressiver und extremer war als wir heute klingen. Wenn du mich fragst wie wir klingen bekommst du jedes Mal eine andere Antwort von mir! Ich denke eine gute Zusammenfassung besteht darin zu sagen, dass wir einiges von Nevermore, Communic, Morgana Lefay und Evergrey in unserem Sound haben. Was Konzerte betrifft, sind wir leider noch nie aus Schweden herausgekommen, was »The Passing« hoffentlich ändern wird.

Welche Metalbrothers stecken denn nun hinter Machinery? Wer seid ihr genau?

Haha, ich geb mal ein paar kurze Kommentare zu jedem von uns ab: Mano Lewys (Gitarre): Der zweitbeste Gitarrist der Welt! Der mag Freaks Kitchen, Crimson Glory und sammelt Gitarren. Gebt dem bloß keinen Alkohol zu trinken … Er hat mal bei Wreckless Machine gezockt.
Peter Berg am Bass spielt selbigen mit den Fingern, mag Clawfinger und Weisswein (Igitt!! Anm. d. Verf.). Seine musikalischen Spezialitäten sind Forbidden, Nevermore und Testament, außerdem hat er mal bei QSP gespielt.
John Westman ist »my partner in crime«, uns verbindet eine Hassliebe und wir gehen garantiert jedem auf die Nerven. Er ist ein großer Fan von Nine Inch Nails, Korn und altem Melodic Death Metal wie z.B. Dark Tranquillity, Soilwork und so einem Zeug. Er hasst es Auto zu fahren und frag auch den bloss nie nach einem Drink, sonst geht der niemals! Vorherige Spielstation: Extricator.
Fredrik Klingwall an den Keyboards sieht irgendwie aus wie ich, weswegen er auch den Job bekommen hat. Der liebt jeden disharmonischen Ton auf dieser Welt und ist indischem Essen völlig verfallen. Der Typ hat nie einen Tag Pause. Ich habe völlig den Überblick verloren in welchen Projekten er aktiv ist, unter anderem spielt er aber bei Anima Morte, Loch Vostok, Flagellation und einigen mehr.
Michel Isberg bin dann ich. Machinery ist MEINE Band und ich bin bei uns der Richie Blackmore! Hm, um ehrlich zu sein: Ich bin mit Bands wie WASP, Metallica, Suicidal Tendencies, Iron Maiden und so aufgewachsen, was man auch an unserer Musik hören kann. Ich schreibe zwar kein klassisches Metalzeug aber trotzdem ist mir das quasi auf den Hinterkopf tätowiert, so dass mich das immer irgendwie beeinflusst.

Meine Güte, ich glaube in zehn Jahren Interviews hat mir noch niemals jemand dermaßen ausführlich auf diese Frage geantwortet. Die Übersetzung des Interviews macht jetzt schon einen großen Spass, knirsch … Wie auch immer; Habt ihr denn den Traum mal von Machinery leben zu können? Klappt das eines Tages vielleicht wirklich oder legt ihr es darauf gar nicht mal so an?

Darüber denken wir so gar nicht nach. Wir machen einfach unsere Musik und fertig.

Ihr habt mit Jonas Kjellgren im Blacklounge Studio aufgenommen, der auch ein guter Freund von mir ist. Ich nehme mal an, dass ihr mit ihm während der Aufnahmen sehr viel Spass hattet, oder? Hat seine Band Scar Symmetry eigentlich einen Einfluss auf euch gehabt? Immerhin klingt ihr bei aller Individualität nicht wirklich unähnlich …

Na klaro! Mit Jonas hatten wir einen riesigen Spass und wir haben uns super mit ihm verstanden. Ich glaube Jonas ist der »Master of Desaster«. Über Scar Symmetry hab ich nie wirklich als Einfluss nachgedacht, aber es wäre sehr reizvoll mit ihnen auf Tour zu gehen!

Wie lange hat denn die Aufnahmesause bei Jonas gedauert?

Wir haben vier Wochen aufgenommen und noch mal 10 bis 14 Tage gemixt und gemastert mit ihm. Er hat echt viel für das Album gemacht! Nach dem Resultat möchte ich nie wieder in ein anderes Studio gehen, ha ha.

Mal was anderes: Für uns Deutsche ist Schweden wo etwas wie das Land der Metalträume. Ihr habt da oben einfach die besten Bands und Musiker, vielleicht sogar weltweit. Wenn man die Plattenlabel fragt, bevorzugen die auch seit jeher schwedische Bands und lassen deutsche Bands immer links liegen, habt ihr das überhaupt mal so mitbekommen? Warum zur Hölle liebt die Metalwelt Schwedencombos wie euch?

Ist auch irgendwie tragisch. In Schweden spielt nun wirklich fast jeder Musik, aber es gibt nicht viele Zuhörer oder gar Leute, die auf Konzerte gehen. Ich sage immer »Musikerpolizei«, was wohl auf sehr viele Schweden zutrifft. Viele denken nur daran welche Musik sich wie verkaufen lässt und nicht daran, was sie eigentlich spielen wollen. Aus dieser Perspektive verwundert es mich einfach nicht, dass so viele schwedische Bands Plattenverträge bekommen.

Ich bin dir für diese Info bzw. Sicht wirklich dankbar. So brutal ehrlich hat mir jedenfalls noch kein Schwede die Zusammenhänge bei euch erklärt. Ich muss sagen, dass ich schon ein wenig geschockt bin über die Vermarktungssicht, die wohl dann viele Schweden zu haben scheinen, sehr schade. Um diese Frage weiter zu vertiefen: Wie sieht es denn bei euch in Stockholm ganz konkret aus? Habt ihr coole Clubs, neue Bands oder Medien die zu erwähnen wären?

Teils teils. Wir haben einige Clubs, die Tag für Tag ums Überleben kämpfen müssen. Ich denke, sehr viele gute Bands haben hier schon nach einer kurzen Weile aufgegeben, weil es so verdammt schwer ist bekannt zu werden oder an Konzerte zu kommen. Mein Eindruck ist, dass die Stockholmer sich lieber Glam Rock Bands oder Cover Bands ansehen und lieber anderweitig Party machen. Wenn du nicht zu diesen Leuten gehörst kann man nur sagen: Es geht doch aufwärts. Zum Beispiel gibt es irre viele neue Thrash Fans im Alter zwischen 16 und 18 Jahren. Bands wie Caustic oder Conductor sind es wert mal angecheckt zu werden. Es gibt hier eine Bewegung, die sich »Swedish Thrashassault« nennt und ich wünsche ihnen nur das allerbeste.

Apropos Szene in Stockholm – Hast du das geniale »Swedish Death Metal« Buch gelesen? Ich bin immer noch fasziniert von all den Szenedetails und alten Geschichten …

Na klaro hab ich das gelesen! Einen fetten Gruss an Daniel von Dellamorte dafür! Eine sehr gute Initiative und dieses Genre hat es auch wirklich verdient.

Immer nur Schweden. Reden wir mal über Deutschland: Wann kommt ihr denn rüber um euer Album zu promoten? Gibt es konkrete Pläne? Wer wäre euer Traumtourpartner?

Wir würden gerne, aber es gibt noch keine konkreten Pläne. Ist ja auch gerade Festivalsaison, aber früher oder später sollten wir da mal was gebacken bekommen. Im Moment wäre der Traum von einer Welttour zusammen mit Nevermore und Communic, das wäre wohl das wirklich perfekt passende Package für diese Art von Musik die wir spielen.

Hm, Art von Musik … Ich finde euren Stil schon ziemlich genial, da stecken eben viele moderne Elemente, ein bisschen Power Metal aber auch moderne, melodische Death Metal Einflüsse drin. Das Resultat klingt sehr »catchy«. Wie schraubt ihr denn neue Songs zusammen? Sind die ein gemeinsames Bandergebnis?

Einen Song zu schreiben kann auf so viele Wege geschehen. Ich denke die wichtigste Regel ist, sich nicht vorher auf einen bestimmten Weg festzulegen. Wir haben unsere Art Songs zu schreiben im Laufe der Zeit sehr verändert und weiterentwickelt. Für das neue Album haben wir lediglich Song-Skelette bzw. Grundarrangements festgehalten. So gab es genügend Lücken, die durch Improvisation haben gefüllt werden können. Ungefähr 60% des Materials war fertig als wir ins Studio gegangen sind. Im Studio haben wir uns dann die Boxhandschuhe angezogen und einfach losgelegt, ha ha.

Von dieser Spontaneität hört man eigentlich wenig. Im Gegenteil wirken die Songs eher sehr überlegt und durchdacht, so dass mich diese Antwort schon sehr beeindruckt. Können denn Regain Records eigentlich genug für euch tun? Seid ihr zufrieden? Normalerweise stehen die doch nur auf brutale Böllertruppen?!

Ist wahr, die meisten Regain Bands sind ziemlich brutal, aber die haben sich auch nach Bands wie uns umgesehen. Ist doch toll zu sehen, dass es da auch für Bands wie Mustasch gut läuft! Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit und hoffen, dass das so bleibt. Zur Zusammenarbeit kam es auf klassischem Wege mit Brief und Promo CD. Wir hatten bis dahin keinen Kontakt zu irgendjemandem von denen oder kannten den Laden irgendwie. Die haben gemocht was wir machen und nun sind wir hier!

Ich habe ja nur eine Promo CD ohne Texte. Könnt ihr da etwas berichten? Gibt es Verbindungen zum Coverartwork?

Die beiden Stränge, die das Album durchziehen sind einerseits das Wandeln von Gestalten, andererseits das Bekämpfen innerer Dämonen. Ohne Details zu nennen (der Hörer soll schon ein wenig interpretieren dabei) berühre ich Themen wie das Missbrauchen der Ehefrau, Selbstmord, religiöse Phantasien und zwanghafte Gedanken.

Wo stehen Machinery in zehn Jahren? Seid ihr eine Band, die es auf Ausdauer anlegt oder eher eine Band mit Projektcharakter?

Keine Ahnung … Das ist meine Band und ich denke ich werde es einfach weiter durchziehen, egal wie es läuft und was passieren wird. Fredrik ist der, der in vielen Bands spielt (siehe oben). Unsere Haltung und Einstellung ist es, einfach das, was wir tun, so gut wie möglich zu tun und zu sehen, wie weit wir damit kommen.

Seid ihr denn noch ein richtiger Teil der Undergroundszene? Mit welchen anderen Bands seid ihr denn in Kontakt?

Seit wir die extremeren Momente aus unserer Musik etwas ausgeklammert haben, brauchen wir da mit diesen Thrash Ding nicht weiter rummachen. Nun ja, wir sind Freunde vieler Bands da draußen, aber es ist mir etwas zu schräg jetzt hier ein großes Namedropping zu veranstalten. Aber ich kann mich nicht zurückhalten an dieser Stelle Scar Symmetry zu erwähnen!

Welche Art von Metalfans bevorzugt denn eure Musik? Sind das eher die Death Metal oder die Power Metal Fans? Oder gibt es da gar keine so eingeschworene Genregemeinschaft die sich auf Machinery festlegt?

Ich denke wir machen es da beiden Gruppen einerseits schwerer und leichter mit uns. Es ist schwierig festzuhalten wer uns nun eigentlich hört, was gleichermaßen darauf hinweist, dass wir uns eher auf die Leute zubewegen, die außerhalb der Genres sind.

Ach, was ich ganz vergessen habe und welche Frage ich nur zu gerne einer schwedischen Band stelle: Mögt und konsumiert ihr eigentlich Snus? (ein schwedischer Kau- bzw. Mundtabak, mmmmmh, lecker)…

Haha, ich nicht, aber Johan und Peter nehmen das Zeug. Die musst du mal fragen wenn du sie siehst. Soweit so gut. Pass auf dich auf mein Freund, ich danke dir ganz herzlich für dieses Interview!

Ich danke ganz herzlichst zurück!

Dirk

Diese Seite wurde 0 mal kommentiert

Kommentar schreiben







1
Artikel
diesen Artikel per Email verschicken:
Email
Suchen
In den Interviews nach:
am meisten gelesen:
Bewertung
Artikel bewerten:

Stimmen: keine
Punkte: 0/5
Partner
Armageddon Music
Bad Land Records
Maintain Records
SPV
 Live-Reviews
25.12.2008
4. Masters Of Cassel-Festival
Kassel, Nachthallen
07.08.2008
bis
09.08.2008

Party San Open Air
Bad Berka
09.05.2008
bis
11.05.2008

Rock Hard Festival
Gelsenkirchen, Amphietheater
25.12.2007
3. Masters Of Cassel-Festival
Kassel, Nachthallen
01.11.2007
Powerwolf
Saarbrücken, Garage
16.08.2007
bis
18.08.2007

Summer Breeze 2007
Dinkelsbühl
11.08.2007
Powerwolf
St. Ingbert, Holzstock-Festival
04.08.2007
bis
06.08.2007

18. Wacken Open Air
Wacken
19.07.2007
Pink Cream 69
Saarbrücken, Roxy
05.06.2007
bis
09.06.2007

Swedenrock-Festival
Sölvesborg (S)
25.05.2007
bis
27.05.2007

Rock Hard-Festival
Gelsenkirchen, Amphietheater
26.12.2006
2. Masters Of Cassel-Festival
Kassel, Nachthallen
18.08.2006
bis
19.08.2006

Summer Breeze 2006
Dinkelsbühl
03.08.2006
bis
05.08.2006

17. Wacken Open Air
Wacken
28.07.2006
bis
29.07.2006

Rock Of Ages-Festival
Seebronn
Statistik
1590 CD-Reviews
282 Underground-CDs
24 DVD-Reviews
159 Interviews
124 Live-Reviews