Interviews

Orden Ogan (11.03.2008)

eigentlich machen wir gar keine Experimente ... die Musik kommt so aus uns heraus

Orden Ogan
Schon seit einiger Zeit brodelt und gärt es gewaltig im Untergrund. Dies mag einerseits am zunehmend verstärkten Konkurrenzdruck liegen, da via moderner Medien und zeitgemäß besserer Aufnahmemöglichkeiten immer mehr Bands auf den Markt strömen, die im Heavy Metal-Sektor Fuß fassen; andererseits entwickelt sich resultierend aus der gegebenen Situation des stetig wachsenden Tonträgermarktes und der bestehenden Tatsache, dass sich schon seit geraumer Zeit überwiegend viele Härtnerbands der hiesigen Schwermetallszene identitäts-, gesichts-, und orientierunslos nur noch selbst kopieren, manch interessantes Eigengewächs, an deren oberster Speerspitze die zu interviewende Band berechtigterweise steht.
Neben dem Orden Ogan gibt es keine zweite Formation hierzulande, die klassischen Heavy-, Power- und Progmetal, nordisch-folkige und düster-symphonische Elemente derart geschickt miteinander kombiniert. Aus der Asche der alten Helden wurde ein neuer Phönix geboren ...
Spätestens nach dem restlos überzeugenden Zweitling »Vale«, der eine spieltechnisch brilliante Band in Bestform zeigt, die auch live on Stage auf ganzer Linie überzeugt, war ein Interview mit den Jungs vom Orden Ogan schon längst einmal überfällig. Das bereits respektable Debüt »Testimonium a. d.« und der exzellente Nachfolger lassen erahnen, dass hier ein hochkarätiger Diamant in den Startblöcken steht, dem eines Tages (nein, schon jetzt) die Zukunft des klassischen Heavy Metals gehört. Genug der Vorrede, hier kommen die Fragen:

Toschi: Wie ist die Band entstanden?

Tobi: Die Band wurde vor ca. zehn Jahren von Ghnu und Seeb gegründet. Seinerzeit war die gleichgeschlechtliche Liebe noch verpönt und so war das die naheliegendste Möglichkeit für die beiden sich so nah wie möglich zu sein.

Ghnu: Also eigentlich hatten Seeb und ich nur Langeweile, nachdem wir ALLE Computerspiele durchgezockt hatten, die es gab. Ein neuer Plan musste her: Band an Start! … einziges Problem: keiner konnte irgendein Instrument spielen. Das konnte uns aber nicht davon abhalten es trotzdem zu tun. Wir kauften uns also Instrumente und gründeten die Band »Tanzende Aingewaide«. Nach mehreren Besetzungswechseln entstand dann Orden Ogan und damit ein anderer Musikstil.

Seeb: Äh, ja … Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte …

Welche musikalischen Einflüsse haben euren Stil geprägt?

Ghnu: Ich denke beeinflusst haben uns auf jeden Fall Bands wie Blind Guardian, Running Wild oder auch Gamma Ray. Diese Bands waren zu der Zeit unsere Helden»« und haben sicher dazu beigetragen, dass wir heute so klingen wie wir klingen.

Seeb: Es ist wahrscheinlich sehr schwierig genau abzugrenzen, welcher Einfluss einen in dem prägt, wie man sein Instrument bedient und letztendlich daraus Songs entstehen. Dafür sind sie einfach zu vielfältig. Ich höre von Irish Folk über Oldies hin zu Bolt Thrower quasi alles, was mir in irgendeiner Art und Weise gefällt.
Orden Ogan klingt letztendlich nach Orden Ogan, weil das genau die Art von Musik ist, die wir selbst gerne hören würden. Und da ich sie nirgends gefunden hab schreiben wir sie eben selbst …

Wie steht ihr dazu, dass ihr des Öfteren mit Bands wie Blind Guardian verglichen werdet als deren Nachfolger euch manche Fanzines bereits sehen?

Ghnu: Naja, wie soll man schon dazu stehen wenn man als Nachfolger einer seiner eigenen Favorites bezeichnet wird??

Seeb: Das ist auf jeden Fall eins der nettesten Komplimente, die uns gemacht werden können. Zeigt einem auch, dass es sich irgendwann auszahlt lange an den eigenen Traum zu glauben und unbeirrt weiterzumachen, egal was kommt.

Tobi: Ja. Zum Thema Nachfolger: Das halte ich für übertrieben, da Guardian ja hoffentlich noch lange nicht aufhören werden und wir uns als junge Band auch erst noch etablieren müssen. Trotzdem freuen einen solche Vergleiche.

Ihr geht auf »Vale« sehr experimentiell zu Werke. Wie definiert ihr euren Stil und wird es auch künftig Experimente beim Orden geben, die einige Überraschungen erwarten lassen?

Seeb: Der Orden Ogan Sound? Hollywood-Soundtrack-meets-Fantasy-Metal. Ich denke mit Melodic Metal können wir aber auch ganz gut leben.

Nils: Eigentlich machen wir gar keine Experimente. Jedenfalls nicht bewusst. Die Musik kommt so aus uns heraus. Das einzige was ich überhaupt nicht kann, ist einzelne Parts sinnvoll aneinander zu Reihen.

Seeb: Du meinst nen Song schreiben?

Nils: Wenn ich musikalische Ideen habe, schick ich sie immer direkt an Seeb.

Seeb: … alle. Ja, wirklich alle. Er kennt da keine Gnade.

Nils: Wenn der darin etwas Sinnvolles erkennen kann …

Seeb: … wenn …

Nils: … baut er es um, oder bastelt einen Song daraus. Meistens geht das aber von ganz allein im Proberaum: Man zeigt den anderen eine Idee. Mit fünf Leuten in der Band kann sich da unter Umständen innerhalb kürzester Zeit ein ganzer Song entwickeln.

Tobi: Wir sind für alle Einflüsse offen. Natürlich nur dem stilistischen Rahmen entsprechend.

Seeb: Traditionelle und moderne Sounds oder Elemente komplett anderer Stilistiken schließen sich gegenseitig nicht aus. Man muss nur offen für andere Musik sein und nicht nur auf Metal fixiert. … Und ein gesundes Gehör dafür, wenn so was mal nicht funktioniert.

Wer hat den Schriftzug und das Cover für's Album entworfen oder gestaltet ihr diese Dinge alle selbst?

Gnhu: Wir machen schon sehr viel selbst, greifen aber auch gerne auf die Hilfe einiger Freunde zurück. Der Schriftzug stammt vom Grunddesign von Seeb und Carsten Hennecke (ein guter Freund der Band) hat es verfeinert. Carsten ist übrigens auch für die Kalligrafie und die Windrose im Inneren der CD/Booklet verantwortlich. Für das Cover konnten wir mit Andreas Marshall einen wahren Großmeister der Coverkunst für uns gewinnen, der sicherlich einem jeden Metalfan durch seine Arbeiten für Running Wild, Blind Guardian, Hammerfall, Nighwish, Dimmu Borgir etc. ein Begriff sein sollte. Nils war verantwortlich für das Layout des Ganzen. Er hat also alles zusammengebaut und die Dateien Druckfertig gemacht.

Welche Unterschiede zwischen eurem Debüt »Testimonium a. d.« und »Vale« gibt es?

Nils: Auf der »Vale« geht es insgesamt viel härter zur Sache. Die Songs sind aber auch noch eingängiger als auf der »Testimonium a.d.«.

Tobi: Ich denke, dass die neue Platte in allen Belangen ein Schritt nach vorne ist. Vom Songwriting, übers Coverdesign bis hin zum Sound ist alles professioneller.

Seeb: Ja, das stimmt. »Testimonium a.d.« ist streckenweise sehr ruhig, mittelalterlich und folkig. Auf »Vale« legen wir den Fuß wieder mehr aufs Gas- und Verzerrerpedal, ohne dabei weniger atmosphärisch oder melodisch zu sein. Die Entwicklung wird wohl auch so weitergehen. Das Material, das bereits für die nächste Platte fertig ist, ist das Härteste, aber auch melodischte Zeug, das wir je gemacht haben.

Wie seht ihr die Entwicklung der Band von euren Anfängen bis heute?

Tobi: … die geht steil bergab …

Seeb: Ja, vor allem mit dem Geisteszustand der Mitglieder.

Nils: Orden Ogan haben seit ihrer Gründung 1996 eine große Entwicklung durchgemacht. Bis auf einige Rückschläge, ist alles sehr positiv verlaufen und es ging immer nur nach vorn. Dass wir »Vale« jetzt über Yonah Records veröffentlichen, unsere CD in den Läden steht, ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, für den wir lange gearbeitet haben.

Gibt es Erlebnisse, die euch in der Vergangenheit positiv beeinflusst haben oder an die ihr euch jederzeit gern zurück erinnert?

Nils: Definitiv. Eins davon ist einer meiner ersten Gigs mit Orden Ogan in Bergneustadt 2002. Damals hatte unser damaliger Bassist Severian den Krebs besiegt und ging mit einem Barhocker bewaffnet – vollkommen ohne Haare – mit uns auf die Bühne um den Gig sitzend zu absolvieren. Das werde ich nie vergessen …

Seeb: Ja … Als Ghnu und ich 1997 mit einem Demotape bewaffnet als 16 jährige Vollgranaten Götz Kühnemund (Rock Hard Chefredakteur) beschimpft haben, er hätte sich nie auf unseren (eine Woche zuvor abgeschickten) Brief mit Demotape zurückgemeldet. … oh Mann … er hat sich höflichst entschuldigt und versprochen sich das Tape anzuhören und sich bei uns zu melden.

Ghnu: Und ihr glaubt nicht, wer uns tatsächlich drei Tage später angerufen hat …

Seeb: Die anderen haben keine Erfahrungen oder Erinnerungen. Die werden ja hier im Cryoschlaf gehalten, bis ich sie wieder auf eine Bühne lasse. Hehe …

Welche negativen Erfahrungen hattet ihr in der Vergangenheit, die ihr künftig vermeiden werdet?

Nils: Ich weiß, mit welchem Label wir niemals mehr verhandeln werden … Den Namen möchte ich aber nicht nennen …

Tobi: Wir werden nie mehr einen Hidden-Track mit auf ein Album nehmen ...

Seeb: Oh ja … Unglaublich, wie viele Leute alles viel zu ernst nehmen. Wobei unsere Art von Humor eben schon … speziell … ist.

Wenn ihr die Möglichkeit erhieltet, eine/n prominenten Gastmusiker/in zu euch ins Studio einzuladen, mit wem würdet ihr gern zusammenarbeiten und warum?

Seeb: Noch mehr Gastmusiker? Also wenn schon, denn schon. Die Berliner Philharmoniker vielleicht?!

Tobi: Ja, da gibt es einige … Mich persönlich würde eine Zusammenarbeit mit Mattias Eklundh sehr freuen, da er für mich derzeit einer der besten und innovativsten Gitarristen und Musiker im Allgemeinen ist.

Seeb: … und seine Soli bestimmt schneller einspielt als Tobi. Also ganz ehrlich – die Zusammenarbeit mit einem großen Orchester und großen Chören wäre natürlich ein Traum!

Tobi: Niemand Spezielles?

Seeb: Charles Rytkönen, Blackie Lawless, Rock 'n' Rolf, Hansi Kürsch oder Tobias Sammet. Weil das durch die Bank auf ihre Art großartige Sänger sind, die ich mir in unserem Sound sehr gut vorstellen könnte.

Habt ihr schon einige Ideen für den »Vale«-Nachfolger im Kopf?

Tobi: Die Ideen reifen schon! Und es wird richtig gut!

Seeb: Die Scheibe wird »Easton Hope« heißen – der Name einer schicksalsschwangeren Stadt - und ist der storymäßige Vorgänger von »Vale«. Wir sind mitten im Songwriting und im Moment bläst mich das Material von vorne bis hinten weg …

Welche fünf wichtigen Hardrock/Heavy-Metalscheiben dürfen aus eurer Sicht auf gar keinen Fall in einer gut sortierten Schallplatten- oder CD-Sammlung fehlen?

Nils: Orden Ogan - Vale
Orden Ogan – Testimonium a.d.
Deep Purple – Made In Japan
Metallica – Black Album
Machine Head – Burn My Eyes

Ghnu: Death – Symbolic
Blind Guardian – Imaginations From The Other Side
Ayreon – Into The Electric Castle
Running Wild – Death Or Glory
Amorphis – Tales From The Thousand Lakes

Tobi: Schwierig … Mit fünf kommt man nie im Leben aus Running Wild - Black Hand Inn Ayreon -The Final Experiment Freak Kitchen - Spanking Hour Black Sabbath - Dehumanizer
Kiss - Revenge

Seeb: Running Wild – Death Or Glory (immer noch die beste Metalplatte aller Zeiten)
Blind Guardian – Imaginations
Metallica - … And Justice For All
Iron Maiden – Fear Of The Dark
Annihilator – Set The World On Fire

Wie seid ihr eigentlich auf den urigen Bandnamen gekommen oder ist der Name als Ergebnis des Interesses am Thema »Logen und Geheimgesellschaften« entstanden?

Ghnu: In der Tat war der Orden Ogan eine Geheimgesellschaft des späten Mittelalters, die so geheim war, dass es keine Überlieferungen mehr gibt. Wir haben nur Kenntnis über diese Gesellschaft weil wir uns eine Zeitmaschine gebaut haben und uns in diese Zeit zurück versetzt haben, dadurch sind deren Mitglieder (es waren zwei) auf uns aufmerksam geworden und gewährten uns tiefe Einblicke in ihre wahnsinnig geheimen Geheimnisse.
Als wir wieder abreisten gaben sie uns noch die Erlaubnis den Namen Orden Ogan als Bandnamen zu verwenden (obwohl sie nicht wussten was eine Band ist).

Tobi: Ich dachte den haben wir aus einem Buch mit urigen Bandnamen entnommen?

Abschließend noch eine letzte Frage: Auf welchem Festival, wo ihr bislang noch nicht aufgetreten seid, würdet ihr gern mal spielen?

Nils: Wacken. Find ich als Besucher schon total toll.

Ghnu: Ja, als Metalband natürlich das Wacken, wobei das Summerbreeze auch mal ganz nett wäre.

Tobi: Sweden Rock wäre auch klasse ... Generell haben aber alle Sommer Festivals ihren Reiz.

Seeb: Graspop, Summerbreeze, Ozzfest natürlich. Die Liste ist endlos – es gibt so viele tolle Festivals. Mal sehen welchem wir in den nächsten Jahren Besuche abstatten. Im Sommer geht's erstmal nach Griechenland aufs Metal Healing Festival, aber auch in Deutschland ist einiges dabei. Checkt die Live Dates auf www.myspace.com/ordenogan Ich hoffe wir sehen uns!

Besten Dank, dass ihr euch Zeit für's Interview genommen habt, und weiterhin viel Erfolg!

Toschi

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CD-Reviews:

CD-Review: Orden Ogan - Vale

Live-Reviews:

25.12.2007: 3. Masters Of Cassel-Festival (Kassel, Nachthallen)


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